Zuger Neujahrsblatt 1948

Zuger Neujahrsblatt 1948

EXLIBRIS G.KLAUSENER INHALTS-VERZEICHNIS Seite Zug unter habsburgischer Hoheit. Von R. D. Dr. Alois Müller, Zug 3 Johann Baptist Meyenberg. Von D...

30MB Sizes 2 Downloads 20 Views

EXLIBRIS

G.KLAUSENER

INHALTS-VERZEICHNIS Seite

Zug unter habsburgischer Hoheit. Von R. D. Dr. Alois Müller, Zug

3

Johann Baptist Meyenberg. Von Dr.Thomas Nußbaumer, Bern

11

Die Rolle der Verbannten in der Schlacht am Morgarten: ein Problem moderner Taktik ? Von Paul Dändliker, Hauptmann, Baar

16

Die Klinisch! von Zug. Gründungsgeschichte der Graphischen Werkstätte Eberhard Kalt-Zehnder, Zug: Die Blunschi von Zug. Von Dr. Anton Bieler, Zug Druck und Verlag Blunschi. Von R. D. P. Rudolf Henggeler, Einsiedeln Im Dienste der Heimat. Von Dr. Ernst Zumbach, Zug Tradition und Verpflichtung. Von Eberhard Kalt, Zug über das wertvolle Buch. Von Dr. Wilhelm J. Meyer, Bern

21 34 46 48 50

Über die zugerische Landschaft. Von Hermann Ferdinand Schell, Zürich

53

Der Stand der Tuberkulosebekämpfung torium Adelheid, Unterägeri

55

im Kanton Zug im Jahre 1946. Von Dr. med. 0. Weber, Sana-

Eine Kreuzigung. Von Dr. phil. Theodor Hafner, Zug

62

Zuger Glasmaler und Glasgemälde (Nachträge). Von Dr. Paul Boesch, Zürich

64

Bericht über die Ausgrabung der Burgruine Hünenberg. Von Emil Villiger, Cham

68

Chronik des Kantons Zug für das Jahr 1945. Von Dr. phil. Hans Koch, Zug

70

Goldenes Buch. Ehrentafel der Vergabungen im Kanton Zug. Von Alois Wickart, Zug

74

ZUGER NEUJAHRSBLATT

Die Kunstblätter: Titelblatt zu »Die Blunschi von Zug« von Eugen Hotz, Graphiker, Baar. Viktor Luthiger, Rötelzeichnung von Maria Stadiin, Kunstmalerin, Luzern. Die Photo: zum Artikel >Eine Kreuzigung« vom Photohaus Eugen Grau, Zug.

Nachdruck der Beiträge nur mit Quellenangabe gestattet.

1948 V e r a n t w o r t l i c h e r R e d a k t o r : Dr. Theodor, Hafner, Zug

ZUG, im Januar 1948.

An die werten Abonnenten des »Zuger Neujahrsblattes«! Das Zusammentreffen verschiedener Unzukömmlichkeiten verhinderte leider den Verlag des »Zuger Neujahrsblattes«, seinen geschätzten Abonnenten dieses gediegene zugerische Jahrbuch vor Weihnachten zu überreichen. Redaktion und Verlag bedauern diese Tatsache sehr, hoffen aber — angesichts der besondern Verhältnisse — auf das gütige Verständnis der Abonnenten und geben ihrer angenehmen Erwartung Ausdruck, daß die diesjährige Ausgabe bei Ihnen Anklang finden wird. Der Verlag wird sich auch künftighin keine Mühe kosten lassen, den vielfältigen Inhalt des »Zuger Neujahrsblattes« in ein ansprechendes Gewand zu kleiden und hofft, in diesen Bestrebungen um die Erhaltung und Förderung zugerischen Kulturgutes durch die Treue und das Verständnis der geehrten Abonnenten unterstützt zu werden. Mit freundlichem Gruß Der Verleger.

P. S. Durch eine Postkarte mit der Angabe allfälliger Interessenten des »Zuger Neujahrsblattes« unterstützen Sie unsere Bestrebungen und ermöglichen eine weitere Ausgestaltung des Blattes.

ZUGER NEUJAHRSBLATT HERAUSGEGEBEN

'

VON DER

GEMEINNÜTZIGEN

GESELLSCHAFT

DES KANTONS ZUG • '

.

1948

-

D R U C K U N D VERLAG G R A P H I S C H E VVERKSTÄTTE E B E R H A R D K A L T - Z E I I N D E R . Z U G

DER EIDGENÖSSISCHE STAATSGEDANKE Von Emil Jenal.

'LS das römisch-deutsche Imperium des Mittelalters sich aufzulösen begann und auf dem Trümmerfeld der Reichsgewalt eigenmächtige Fürsten vererbbare Besitztümer zusammenrafften, bildete und entfaltete sich in den Alpentälern der Innerschweiz aus ursprünglich bauerlichen Wirtschaftsverbänden, die zu Gerichtsbezirken wurden und eines Tages sich als politische Schicksalsgemeinschaften fühlten, ein mehr durch gemeinsame Art und Not als durch übergreifende Satzungen zusammengeschmiedeter Bund ländlicher und städtischer Gemeinwesen. Kant zählte die Schweiz zu jenen Völkern, die durch Empörungen die Freiheit erlangten und »durch diese Art, ihr Recht zu suchen, im höchsten Grade unrecht getan« haben. Der rechtlich denkende Historiker sieht die Dinge wesentlich anders. Schon der erste überlieferte Bundesbrief von 1291 belehrt ihn, daß die Bundesgründer die althergebrachte Rechtsordnung zu schirmen, doch gleichzeitig dem Reiche nichts schuldig zu bleiben suchten. Die ältesten Freiheitsurkunden der Eidgenossen waren Briefe, in denen der Kaiser ihnen die Reichsunmittelbarkeit, d. h. die Selbstregierung und Selbstverwaltung gewährte. Die Schwurgenossenschaft trat erst zusammen, als das Haus Habsburg im Gebiete der Waldstätte eine fürstliche Landeshoheit begründen und zwischen Gemeindeautonomie und Reichsgewalt einen souveränen Hcrrenstaat einschalten wollte. Die Hoheitsansprüche der Habsburger waren nach dem Urteil namhafter Rechtshistoriker reichsrechtlich eine Usurpation, auch wenn sie der Inhaber der imperialen Gewalt selber vornahm. Das Schutz- und Trutzbündnis der Eidgenossen wandte sich also gegen die Habsburger, nicht weil sie die Kaiserkrone trugen, sondern weil sie Reichsrecht in Landesrecht zu verwandeln suchten. Ihr Freiheitskampf entsprang einem beharrsamen, nicht revolutionären Gemeinschaftswillen, richtete er sich doch gegen den Zentralismus eines Fürstenhauses, das der herkömmlichen kommunalen Selbstverwaltung ein Ende bereiten und kaiserliches Reichslehen zum Erbbesitz umformen wollte. Die urschweizerische Eidgenossenschaft bejahte das Reich und stand grundsätzlich mit dem Kaiser gegen jene feudalen und fürstlichen Großen, die ihre Herzogtümer, Grafschaften und Reichsämter zu erblichen Fürstentümern ausbauten. Da die Bundesgründer angesichts der zielstrebigen Habsburgerpolitik mit einem Abwehrkampf auf Menschenalter hinaus rechnen mussten, gaben sie ihrem Schicksalsbund den Charakter der Ewig-

keitsgeltung. Die dauernde Frontstellung gegen Habsburg führte evidentermaßen zur inneren Entfremdung vom Reich, deren sich die Eidgenossen erst völlig bewußt wurden, als der Kaiser sie in dem gewaltigen, im »Namen des Reiches« begonnenen Kampf gegen Karl den Kühnen schmählich im Stich ließ. So kam es 1499 zur Trennung vom Reich, einerseits weil die im trutzigen und zähen Existenzkampf erstarkte Eidgenossenschaft, nach dem Urteil eines deutschen Historikers »eines der lebenskräftigsten und leistungsfähigsten Gemeinwesen Europas«, längst zu staatlichem Eigenleben mündig geworden war und des Reichsschutzes nicht mehr bedurfte, anderseits weil das Heilige Römische Reich deutscher Nation seine Macht und Würde verloren und sich in Fürstenaristokratien verwandelt hatte. Im Reichsverband der fürstlichen Partikular- und Territorialstaaten aber hätte der organisch gewachsene Volksstaat der Eidgenossen schlechterdings keinen Atemraum gefunden, oder mit Werner Näfs Worten: »Die Eidgenossenschaft ist nicht ein Staat geworden, indem sie sich vom Reiche löste; sie löste sich vom Reiche, weil sie ein Staat geworden war.« Nicht revolutionäre Willkür, sondern wachstümliche Entwicklung hatte zur endgültigen Trennung vom Reich geführt. Die schweizerische Staatlichkeit beruhte von Anbeginn auf der freiheitlichen Demokratie, die vermöge ihrer genossenschaftlichen und föderativen Struktur ein eigenständiges Gepräge trug und nicht mit der aus der Ideenwelt der Aufklärung stammenden westeuropäischen Demokratie verwechselt werden darf, denn sie entwuchs, abhold aller Zentralisation und Gleichmacherei, organisch der örtlichen Selbstverwaltung kleiner Gemeinschaftskörper, ohne welche die Demokratie nur eine kurzlebige Scheindemokratie ist, wie der Geschichtsverlauf sattsam erhärtet. Als 1848 der Rundesstaat an die Stelle des lockeren Staatenbundes trat, gelangte der urtümliche, föderalistische Freiheitsgeist der Schweiz mit dem doktrinären, individualistischen der Aufklärungs- und Revolutionsepoche zum oft bewunderten Ausgleich. Es war eine staatsschöpferische Leistung ersten Ranges, die föderalistischen und zentralistischen Tendenzen, den Reharrungstrieb und Fortschrittswillen der Volksgruppen zu befriedigen. Sie konnte nur gelingen, weil man die Maxime Edmund Rurkes beherzigte: »Nothing is good, but in proportion and with reference.« Es darf aber auch nicht übersehen werden, daß die alte Eidgenossenschaft alle Voraussetzungen für einen ort- und zeitgerechten Um- und Ausbau der Demokratie bot. Weil die Schweiz seit Anbeginn dem auf der Volksbasis ruhenden Staatsgedanken huldigte, weckte die Parole der Französischen Revolution neben neuen Hoffnungen auch Erinnerungen an ehedem Ersehntes und Erstrittenes. »Freiheit« bedeutete in der alten Eidgenossenschaft vor allem Freiheit der bäuerlichen Genossenschaft, der Rürgergemeinde, der Stadtrepublik, Freiheit gegenüber dem fürstlichen Territorialstaat, der herrschaftlichen Rürokratie, kurz: Selbstverwaltung ländlicher und städtischer Gemeinwesen. Für ihre Autonomie wurde jahrhundertelang Gut und Rlut geopfert, zum letzten Mal

im Nidwaldner Verzweiflungskampf, der die Bewunderung Napoleons erregte. Obgleich man die Individualrechte der modernen Demokratie nicht kannte, erfreute sich der Eidgenosse von jeher auch weitgehender interner Freiheit, wie sie im unmittelbaren Anteil des Rürgers am Schicksal der Gemeinde, dieser Herzkammer des demokratischen Lebens, in den mannigfach gestuften Formen der Mit- und Selbstregierung, in den Volksbefragungen der Städtekantone und am sinnfälligsten an den Landsgemeinden in Erscheinung trat. Die kommunale Freiheit barg den Keim der Individualfreiheit in sich. Die neuzeitliche, formale Demokratie hat die natürlichen, herkömmlichen Gemeinschaftsformen nicht gesprengt, sondern individualistisch aufgelockert, erneuert und verjüngt. Das föderative Prinzip, der Staatsaufbau »von unten nach oben«, blieb erhalten, so daß sich die Eidgenossenschaft auch weiterhin von den zentralistischen Pseudodemokratien unterschied. Auch das mit den Individualrechten der neuen Demokratie ausgestattete Einzelwesen blieb auf Gedeih und \erderb der angestammten Gemeinschaft verbunden. Trotz den sozialen und wirtschaftlichen Unterschieden, trotz der dem ursprünglichen Staatsideal widersprechenden Institution der Untertanenländer war auch die demokratische »Gleichheit« den alten Eidgenossen kein fremder Begriff. Wohl gab es Herren und Untertanen, wohl geboten im 17. und 18. Jahrhundert mancherorts bevorrechtete Familien und Patriziate, doch es wäre unbillig, diesen Aristokratismus mit den ausländischen Zuständen in Parallele zu setzen und auf den gemeinsamen Nenner des fürstlichen Absolutismus zu bringen, der sich die »summa in cives legibusque soluta potestas« vindizierte. Das zeigt schon die erstaunliche Tatsache, daß die »Untertanen« kommunale Freiheiten und Rechte genossen und dauernd im Besitz von Wehr und Waffen blieben. Ausländer vermißten immer wieder die betonte Distanz zwischen Herren und Untertanen im öffentlichen wie zwischen Herrschaft und Dienerschaft im privaten Leben. Der Venezianer Giovanni Battista Padavino verstieg sich sogar zur Behauptung: »Die Natur dieses Volkes verlangt nicht nur jede Freiheit, sondern will auch, daß alle in Vermögen, Ehren, Strafen und Auszeichnungen gleich seien«. Wenn Ernst Jünger glaubt, die Demokratie erstrebe einen Zustand, »in dem jeder jedem eine Frage stellen darf,« so war er hierzulande selbst den aristokratischen Zeitläuften nicht fremd. So kam es, daß sogar die fremdsprachigen Untertanengebiete beim Zusammenbruch der alten Eidgenossenschaft nicht als »Erlöste« dem Land ihrer Mutterkultur zustrebten, sondern als Kantonalstaaten sich stolz zur Confoederatio Helvetica bekannten. Selbstherrliche oder allzu kühne Politiker wurden von Hans Waldrnann bis Alfred Escher in die Schranken gewiesen oder gestürzt. Vor allem aber spielte sich die eidgenössische Bundespolitik eh und je im Zeichen der Gleichheit ab, denn schon an der alten Tagsatzung wog die Stimme eines pigmäenhaften Landkantons so viel wie die eines mit allen Machtmitteln ausgerüsteten Stadtstaates. Argwöhnisch buchte man jeweilen die räumliche und militärische Entfaltung initiativer Einzelorte, auch wenn sie einer Stärkung des

Gesamtbundes gleichkam. Die Errichtung einer Hegemonie wurde von keinem Kanton je ernstlich erwogen. Über ein halbes Jahrtausend kannte die Eidgenossenschaft keine Bundesstadt, selbst der Tagsatzungsort wechselte beständig. Was sodann in der Revolutionsepoche als »Brüderlichkeit« proklamiert wurde, waltete schon im genossenschaftlichen Leben der Ureidgenossen. Ist nicht der Bundesbrief von 1291 von diesem Geist beseelt? Schufen nicht die heroischen Kämpfe von Morgarten bis Marignano eine Brüderschaft auf Tod und Leben? Das in den genossenschaftlichen Verbänden genährte Zusammengehörigkeitsgefühl, das — wie Anekdoten und geflügelte Worte vom Kappeier- bis zum Sonderbundskrieg bezeugen — als mahnende Stimme noch in den Zwistigkeiten und Bruderkriegen auflebte, war wohl die »force mysterieuse«, die nach Charles Monnard die mehr als einmal gefährdete Existenz der Schweiz gerettet hat. Wie sehr die demokratische Freiheit schweizerisches Staats- und Lebensprinzip war und ist, erhärtet aufs überzeugendste die Tatsache, daß um ihretwillen auf jegliche Ausdehnungs- und Machtpolitik verzichtet wurde, obschon die Eidgenossenschaft das gefürchtetste Heer Europas stellte. »Machend den zun nit zuo wit«, mahnte Nikolaus von Flüe, »damit ir dest bass inn frid, ruow, eynigkeit und ewer sur erarnten loblichen fryheit blyben mügend.« Dieses Mahnwort mußte früher oder später zur schweizerischen Staatsmaxime werden, weil — wie schon Machiavelli in den »Discorsi« und später Montesquieu im »Esprit des Lois« erkannten — der Machtstaat zwangsläufig innere Gleichschaltung und damit das Opfer des demokratischen Lebens heischt, während die kleinräumige Demokratie den Bürger erst wahrhaft Bürger werden läßt, oder mit Jacob Burckhardts vielberufenen Worten: »Der Kleinstaat ist vorhanden, damit ein Fleck auf der Welt sei, wo die größtmögliche Quote der Staatsangehörigen Bürger im vollen Sinne sind. Der Kleinstaat hat überhaupt nichts als die wirkliche tatsächliche Freiheit, wodurch er die gewaltigen Vorteile des Großstaates, selbst dessen Macht, ideal völlig aufwiegt.« Für die Idee der Freiheit und Humanität, des Friedens und des Rechts gab man das Idol der Macht preis. Der Ölzweig sollte das Schwert umgrünen, das fortan nur noch gezogen wurde, wenn es die Integrität des Landes zu schirmen galt. Die seit Marignano geübte, 1674 erstmals als Grundsatz formulierte und 1815 vom Wiener Kongreß anerkannte Neutralitätspolitik wirkte sich zum Segen der Schweiz und Europas aus. Zu internationalem Mittlertum scheint die Schweiz schon durch ihre natürliche Lage, durch die Pluralität der Kulturen und ihre geschichtlich erprobte Nationalitätenpolitik bestimmt zu sein. Seit dem 15. Jahrhundert waren italienische, seit dem 16. welsche Gebiete als Zugewandte, wie Neuenburg und Genf, oder als Untertanenland, wie der Tessin und die Waadt, mit der deutschsprachigen Schweiz verbunden. Auf die unitas multiplex dieser politischen Symbiose scheint das Wort Sallusts geprägt: »Dispari genere, dissimili lingua, alii alio more viventes, incredibile memoratu est quam facile coaluerint«, denn schon die Geschichte der alten Eidgenossenschaft verdüstert kein einziger Nationalitäten- und Sprachen-

konflikt. In der Curia Confoederationis Helvetica? ertönen drei europäische Sprachen brüderlich als gleichberechtigte Parlaments- und Amtssprachen. So wurde die vielgestaltige Schweiz das Land völkerverbindender und völkerversöhnend er Institutionen und Organisationen, das Land des Asylrechts und des Roten Kreuzes, der Sitz des Weltpostvereins und des Völkerbundes, und in Zeiten universaler Kriege — nach Stefan Zweigs Wort — »das Herz der Welt«. Es würde den Rahmen dieser Betrachtung sprengen, eingehend darzutun, wie die Schweiz als Treuhänderin einer unsterblichen Staatsidee auf die europäische Staatenwelt gewirkt hat. Ein paar Andeutungen lassen es ahnen. Schon der Bauernsieg bei Morgarten 1315 ließ das Rittertum aufhorchen. Daß plötzlich auch die verachtete Bauernsame »von beiden lobebeeren« zu melden wußte, wirkte wie eine Sensation. Der Sieg der Eidgenossen bei Sempach 1386 weckte Bewunderung und Schrecken im ganzen Abendland. Während vorab die feudale und gelehrte Welt das Bauernvolk der Schweiz als »maledicta gens« und »bestiales homines« in Verruf brachte, als Ungeheuer, die das Blut der toten Feinde tränken und »an Frevel und Greuel nicht ihresgleichen hätten unter Türken, Juden und Heiden«, schwärmten breite Massen sozial Gedrückter von den Vogesen bis zu den Karpaten für die »freien Schweizer«. »Frei sein als die Schweitzer« war zunächst ein sozialpolitischer Feldruf im Kampf wider Leibeigenschaft und Unterdrückung: Die Pawern wollten lernen von Schweizern böse Stück und auch selbs Herren werden meldet ein deutsches Volkslied, während die Klingenberger Chronik klagt: »Es war in denselben tagen ain louf in die puren körnen, daß sie alle Appenzeller woltent sin, und wolt sich nieman gegen inen weren.« Einen Bauernaufstand in Kärnten kennzeichnet 1478 ein Chronist mit den Worten: »Es ging aus die gemein sag, sy wollten sich nach der treulosen Sweitzer gewöhnlichen halten.« Dem Markgrafen von Ansbach riet man, den Untertanen »über die Rüssel zu schlagen, es werden sunst gantz Schweizer drauß.« Der im Dienste Karls V. stehende Max von Zevenberghen mahnte in Briefen und Schriften immer wieder zum Kampf gegen die eidgenössische Freiheitsideologie, urn zu verhüten, daß die schwäbischen Städte »all zu den Sweytzern fallen und nach volgend das ganz land Swaben und der Rheinstrom bis gen Coln«, sonst würde letztlich »das gantz teutschland allein ain commun sein und alle oberkait daraus vertrieben.« Was Wunder, wenn der Humanist Johann Agricola in den »Deutschen Sprichwörtern« das schwerwiegende Diktum überliefert: »Man hat gesagt, bei Menschengezeiten her und niemand weiß, von wem es ausgekommen ist: es soll der Schwanberg noch mitten in der Schweiz liegen, das ist, ganz Deutschland wird Schweiz werden«. Die eidgenössischen Freiheitskriege befeuerten indes nicht

bloß den kleinen Mann zum Kampf um unveräußerliche Menschenrechte, sondern auch das Rittertum im Widerstand gegen die wachsende Fürstengewalt. Als die Eidgenossen nach den burgundischen und italienischen Feldzügen die Größe und Grenze ihrer politischen Macht erreicht hatten, wandelte sich auch in Gelehrtenkreisen der Groll gegen die »rebellischen Schweizer« in staunende Bewunderung ihrer kriegerischen und staatlichen Erfolge. Im 16. Jahrhundert wurde die Eidgenossenschaft bereits als Staatsgebilde eigener Prägung zum Gegenstand theoretischer und prinzipieller Erörterungen gemacht. Luther berief sich an entscheidender Stelle seiner Kirchenlehre auf die demokratische Staatsidee der Schweiz, während der berühmte bayrische Chronist Aventin das eidgenössische Gemeinwesen als Muster eines Rechtsstaates feierte. So darf es nicht erstaunen, daß die Hegauer und Sundgauer im Bauernkrieg 1525 die Eidgenossen um Hilfe baten und sich unter ihren Schutz und Schirm stellen wollten, da sie ja längst allenthalben als »beschützer der göttlichen gerechtikait sind gebrist worden«. Von der Entstehung und Art der föderativ-demokratischen Republik aller Welt Kunde zu geben, war die noch zu wenig gewürdigte schöpferische Jahrhundertsendung von Josias Simlers »De Republica Helvetiorum«. Das 1576 erschienene Buch wurde in lateinischer, deutscher, französischer, englischer und holländischer Sprache nicht weniger als achtundzwanzigmal neu aufgelegt. Es hat zwei Jahrhunderte lang wie kein zweites Schriftwerk den europäischen Völkern die eidgenössische Geschichte und Staatsform verkündet und gedeutet. Kein staatsrechtliches oder universalhistorisches Buch dieser Zeitläufte, das sich nicht auf Simlers Namen beriefe. Er schilderte »der pündten Ursprung und herkommen«, d.h.die Genesis und Entfaltung eines Staatswesens, das ein politisch begabtes, auf Freiheit und Selbständigkeit erpichtes, kriegstüchtiges Volk trotz der Verschiedenheit seiner Glieder und trotz manchen Irrtümern und Säumnissen zu erhalten gewußt hat. Der Abdruck des Bundesbriefes von 1315 sollte aller Welt kund tun, »daß nichts unbilliches oder ungewohntes darinn enthalten, gleich etliche uns deßwegen fälschlich anklagen«. Wie mußte seine Schilderung der Landsgemeinde oder der Näfelserfahrt die Gemüter bewegen! Der Gedanke der ursprünglichen Freiheit und Gleichheit der Menschen als Grundprinzip des staatlichen Lebens, Gestalt geworden in der eidgenössischen Polis, trat hier als verlockendes Leitbild in Sicht, um nachmals Gemeinbesitz der europäischenVölker zu werden. Die Fernwirkung dieses von Bullingers Staatslehre beeinflußten Werkes bezeugen Schriften wie Richard Hookers »The Laws of Ecclesiastical Polity« 1594 und John Miltons »The Tenure of Kings and Magistrates«. Berühmte Staatstheoretiker wie Sidney und Locke beriefen sich auf das eidgenössische Vorbild und zitierten Simler als Kronzeugen. Welche Aspekte und Hintergründe ein Buch wie Lockes »Two Treatises on Government« eröffnet, hat Fritz Ernst dargetan: »Lockes Buch ist ja eingestandenermaßen eine philosophisch-sittliche Rechtfertigung des durch das englische Volk erfolgreich durchgeführten Widerstandes gegen den monarchischen Absolutismus. Es gebührt 8

sich aber auch die Feststellung, wer letztlich das englische Volk zu diesem Widerstand befähigte: der Puritanismus. Und es gebührt sich die weitere Feststellung, wo derselbe letzten Endes wurzelte: in Zürich und Genf, wo Bischof Hooper und John Knox unvergängliche Impulse empfangen haben. Es war der christliche Gottesstaat an der Limmat und am Genfersee, es war die Polis schweizerischer Nation und protestantischen Bekenntnisses, deren heimlichste Aspirationen im angelsächsischen Staatsrecht paragraphiert worden sind.« Auch als die Puritaner nach Amerika zogen, um ein demokratisches Gemeinwesen zu gründen, schwebte ihnen Simlers Bild der Eidgegenossenschaft vor Augen. Die freiheitlichen Konstitutionen der nordamerikanischen Kolonisten wurden denn auch 1778 in der Schweiz gedruckt. Zur gleichen Zeit wurde Genf die Wiege einer Staatstheorie, von der Ranke rühmt: »Es gibt keine einzige politische Idee, die im Laufe der letzten Jahrhunderte eine ähnliche Wirkung ausgeübt hätte, wie Rousseaus Volkssouveränität; bisweilen zurückgedrängt und nur die Meinungen bestimmend, aber dann wieder hervorbrechend, offen bekannt, niemals realisiert und immer eingreifend, ist sie das ewig bewegliche Ferment der modernen Welt«. Kein Zufall, daß sowohl Voltaire wie Gibbon eine Geschichte der Eidgenossenschaft planten. Mit der französischen Erklärung der Menschenrechte traten die schweizerischen Bezüge abermals in Sicht, denn sie hatte ihr Vorbild in der »Bill of Rights« der nordamerikanischen Verfassungen: »Es war das durch Zwingli und Calvin aus dem Mittelalter übernommene Widerstandsrecht, vielmehr die daraus ableitbare Widerstandspflicht, welche im England des 17. und im Amerika des 18. Jahrhunderts ihre höchste Weihe erhalten haben«. Diese geschichtlichen Zusammenhänge wurden lebendig, als die Französische Revolution in Wort und Bild einen förmlichen Tellkult trieb. Als dann im 19. Jahrhundert Ernest Renan das Wesen der Nation in der täglich sich erneuernden Willenskundgebung, im »plebiscite de tous les jours« erblickte, erklärte er: »La Suisse est peut-etre la nation de l'Europe la plus legitimement composee.« Bündig gesprochen: der eidgenössische Staatsgcdanke wurde vom großen Genius wie vom kleinen Mann der Nachbarstaaten immer wieder als staatliches Wunschbild und Hochziel politischen Strebens ersehnt, so daß Victor Hugo das prophetisch kühne Wort prägte: »La Suisse, dans l'histoire, aura le dernier mot«. Daß die Schweiz in der Tat zur Lehrerin der Völker berufen sei, wollen auch Stimmen der Gegenwart erhärten. Wenn Meinrad Inglin in seinem »Schweizerspiegel« erklärt, der eidgenössische Gedanke sei eine Lieblingsidee aller guten Europäer, weil »einem vollkommen ausgeglichenen Menschen, gleichgültig von welchem Niveau, keine andere staatliche Gemeinschaft besser entspräche, als die unsere, eben weil sie auf allen menschlichen Elementen beruht«, so beseelt ihn kein überheblicher Heimatstolz, sondern der gleiche Zukunftsglaube, den Franz Brentano in die Worte münzte: »Es wird auf unserer Erde keine Ruhe geben und kein menschenwürdiges Dasein, ehe Europa, ehe die Welt zur Schweiz geworden ist«.

JAKOB JOSEPH CLAUSNER VON ZUG FELDMESSER UND KUPFERSTECHER, 1744-1797, ZUM 150. TODESTAG Fön Georges Klausener. Der 5. Juli 1947, als 150. Gedächtnistag vom jähen Tode des Feldmessers Jakob Joseph Clausner, ist erwünschte Gelegenheit das Leben und Schaffen dieses Meisters einigermaßen zu würdigen. Zwar sind die Nachforschungsergebnisse noch lückenhaft. Von dem aber, was vorliegt, sei aus diesem Anlaß dargeboten, was der verfügbare Raum gestattet. Dabei wird es unumgänglich sein, einige Berichtigungen anzubringen. Trotzdem die als »Geißweidbrand« bekannte Katastrophe vom 19. Februar 1795 unter den 28 gebrandschatzten Gebäuden auch unseres Feldmessers Haus mit Verlag und Werkstatt vollkommen zerstört hat, sodaß nur noch solche Werke aufzutreiben sind, die bereits in fremden Besitz übergegangen waren, gelang es bis jetzt, insgesamt 88 seiner Landkarten, Kupferstiche, Kupferplatten ausfindig zu machen. Dazu kommt noch eine Reihe gemeldeter, aber noch nicht eingesehener Arbeiten. Ein Beweis, wie berechtigt das Prädikat »fleißig« ist, das ihm die bisherige Literatur einmütig zuerkennt. Aber auch die weitere Bewertung »vielseitig« belegt das Folgende von selbst. Die Leistungen des Ahnen aufzubauschen, liegt mir ferne. Als das, was er ist, soll er vorgestellt werden; nicht mehr, nicht weniger. Diese Ausführungen bieten nur einen Teil der unternommenen Familienforschung; sie ist in erster Linie den Stammesgliedern zugedacht. Insofern manches davon Allgemeininteresse erwecken kann, soll es der Öffentlichkeit nicht vorenthalten bleiben. Rücksicht auf das erste Ziel erfordert bisweilen eine etwas ausführlichere Darstellung, z. B. sozialer oder lokalgeschichtlicher Gegebenheiten, namentlich für jene, die ferne der alten Heimat aufgewachsen sind. Sollte das Zurechtfinden und Einfühlen nicht immer gelungen sein, so bin ich für Aufschluß und Berichtigung dankbar.

Schlicht wie seine Heimat, die anmutige, in prachtvolle Landschaft gebettete Kleinstadt Zug, war Jakob Joseph Clausner selbst. Er hatte, wie seine Vorfahren, kein Mitspracherecht bei der Lenkung des kleinen Staatswesens. Die Clausner — so unterzeichnete er mit einer einzigen Ausnahme seinen Familiennamen selber, wenn auch nicht als erster — waren eben politisch rechtlose Halbbürger (»Beisaßen« oder »Hintersaßen«).

10

Was die Vorsehung ihm an geistigen Fähigkeiten zugemessen hatte, verwertete er eifrig entsprechend seinen Lebensverhältnissen, erwarb sich in zäher Bewältigung der ihm gestellten Aufgaben Achtung und Anerkennung bei den gestrengen »Mgghh« (= Meine Gnädigen Herren = Zuger Stadtrat), wie auch bei den vorsichtig abwägenden Freunden der damals aufblühenden Naturwissenschaften. Darum ist sein Können aber auch weitherum gerne in Dienst genommen worden. Allen, die mir das Nachforschen erleichtert haben, sei an dieser Stelle der aufrichtigste Dank ausgesprochen.

I. Das Elternhaus und die Jugendzeit 1. Jakob J o s e p h Clausner entstammt einer Fischersfamilie. Sein Vater, Karl J o s e p h , war aufgewachsen am Löffelbach, der die Südgrenze der Stadt gegen die Nachbarschaft Oberwil bildet, unweit der St. Karlikapelle. Großvater (nicht Vater) C a r l Salomon Claus, »der alte Schnütz«, hatte hier den Löfflerhof bewirtschaftet. (Siehe Tafel II, Abb. 3.) Diesem Bauerngut, das die Familie seit 1645 bis nach 1848 in Besitz hatte, haftete der Spitzname »'s Schnulzeguet« an. Der Stadtscnior von Zug, der über 95jährige Herr Viktorin Luthiger, weiß die Bewandtnis mit diesem »Dorfnümen« folgendermaßen zu erklären: Neben der Landwirtschaft betrieben die Claus auch noch den Fährdienst über den See nach Immensee, Buonas usw. Sie besaßen ein mittelgroßes Holzschiff von etwa J Nauengröße. Darauf hatten sie ein Tischlein plaziert und ringsherum Sitzbänke. Die gemütliche Aufforderung, es sich bequem zu machen, kleideten sie in die Frage: »Voulez vous plägere?« Wenn nun eilige Fahrgäste wissen wollten, wie lange die Überfahrt dauern werde, pflegte sie der Schiffer zu beruhigen: »Ja, — wir fahren im Schnütz!« — Dieser Gewohnheitsspruch hatte ihnen den Übernamen eingetragen. Die »Schnulzen« waren allmählich so stadtbekannt geworden, daß J. Spillmann in seinem Heimatroman »Der Schwarze Schumacher« das 9. Kapitel überschreiben konnte: »Der Bericht des Schiffers Schnuz.«

Während der ältere Bruder, J o h a n n J a k o b Melchior, auf dem Löfflerhof blieb, war Vater Karl Joseph eben um die Zeit in die Stadt gezogen, da der »schwarze« Joseph Anton Schumacher sein hartes Regiment gegen die »Linden« führte.

Karl Joseph oblag dem Fischerhandwerk und wohnte wahrscheinlich »am Graben«. Am 18. Februar 1732 verheiratete er sich in Zug mit A n n a Maria H ü r l i von Walchwil, die ihm sechs Kinder schenkte. Einzig der gleichnamige Sohn vermochte den Stamm um eine Generation weiterzuführen. Daher erscheint es geradezu als providentiell, wenn der Vater sich schon im Todesjahr der ersten Gattin (1743) ein zweites Mal verheiratete mit Maria B a r b a r a S i d l e r von Risch, insofern das einzige Kind dieser zweiten Ehe, eben unser Feldmesser Jakob J o s e p h (geboren in Zug am 14. November 1744) der Stammvater aller jetzt noch lebenden Träger des Zugerbürgernamens Klausener geworden ist (PfA. Zg.; W.; R.). 2. Was wir von des Feldmessers J u g e n d wissen, ist eigentlich kläglich wenig. Landammann A. Weber, der sich auf den Kunstmaler J.K.Moos stützt, berichtet nur: Jakob Joseph habe schon in seiner Jugend Fähigkeiten und Humor an den Tag gelegt. Das spätere Schaffen bestätigt jedenfalls vielseitige Veranlagung. Neben dem Humor stund ihm aber gewiß auch der nötige Ernst zu Diensten, mit dem er seine keineswegs leichte Lebensaufgabe bewältigt hat. (LAW.Mscr.)

3. Daß Jakob Joseph in Zug irgendwelche S c h u l e n besucht hat, ist höchst wahrscheinlich, trotzdem die bisher erreichten Quellen sich darüber ausschweigen. Um jene Zeit gab es in Zug eine städtische Knabenschule, geteilt in eine deutsche Anfangs(7 J rimar)Bchule und eine Lateinschule (Gymnasium). Die Deutschschule, damals im Provisorhaus (Altstadt-Untergasse 29), führte ein in die Kunst des »Buchstabiereiis, Lesens, Schreibens, Rechnens«, dazu in Religion und Gesang. Der Schulmeisler halle Anrecht auf 2 Batzen (l bz. = 3 ß [Schilling]) von jedem Schüler, was durch unentgeltliches Holztragen abgelöst werden konnte. Neben dem Deutschlehrer, der nicht immer ein Geistlicher war, gab es in dieser zweiklassigen Primarschule (zu je zwei Abteilungen) auch einen meist weltlichen Chorallehrer, Provisor genannt, und einen welllichen Chorregenten (RP. 18. Juni 1757. Zg. Nj. 1905, 16; 13). Jakob Joseph wird die Schulbank zwischen 1750 und 1760 gedrückt haben. Wegen seiner späteren Tätigkeit in Rheinau darf man vermuten, unser Jakob Joseph habe auch einige Jahre das Gymnasium besucht. Damals war die Lateinschule in den Räumen der heutigen Sekundärschule an der Oswaldsgasse untergebracht. Lauter geistliches Lehrpersonal amtete dort, und zwar je ein Professor für: die Anfänger (-»Principi« genannt), denen die Rudimenla und Grammatica beizubringen waren; die kleine und die große Syntax; die Poesie und Rhetorik. Im ganzen waren es also 3 Zweijahreskurse. Alle Klassen hatten am Freitag »Kanisiusstunde« (Religionsunterricht) ; nachmittags, nach der ordentlichen Schulzeit, war gemeinsame Gesangsübung beim Provisor (Zg. Nj. 1905, 17).

4. Durch die Lehrerschaft wird Stabführer (regierender Stadtratspräsident.) F r a n z Mic h a e l B o s s a r d (1713—74; reg. 1748—65) auf den geweckten Jungen aufmerksam gemacht worden sein, so daß er ihn im Kloster Rheinau, das zu Zug in guten Beziehungen stund, empfehlen konnte.

II. Der werdende Kunsthandwerker 1. Wenn auch der weitere Verlauf seiner Ausbildung noch einiges Dunkel in sich birgt, so sind doch zwei Lebensdaten eindeutig festgelegt. Am 14. April 1762 hat Jakob Joseph die Stelle des Archiv-Schreibers im Kloster Rheinau angetreten und am 17. Dezember 1767 hat ihm der Stadt- und Amtsrat (heute etwa dem Kantonsrat zu vergleichen) das französische Stipendium zum Studium in Frankreich zuerkannt. Demgemäß sieht man sich gedrängt, die noch nicht belegte K u p f e r s t e c h e r - L e h r ' z c i t vor die Rheinauer Tätigkeit zu verlegen. In Rheinau hatte er sicherlich Anregung und Mußestunden genug, sich in der erlernten Stechkunst weiter zu üben. Eine solche Freizeitarbeit mag sein Ex-Libris für den damals regierenden Abt Januarius I. sein (= 60 *; siehe Tajel IV, Abb. 7). Als Lehrmeister wird genannt Johann J o s t Hütensperger (in Zug tätig um 1750—93), Buchdrucker, Stecher, Holzschneider, wohnhaft »auf der Güpfen«. (WJM. 46; JISZ. 11 ff.). Schätzungsweise hat sich unser Jakob Joseph in den Jahren 1760—62 in die Technik des Grabstichels einführen lassen.

2. Daß er zu Rheinau K l o s t e r s c h ü l e r gewesen sei, ist aus den alljährlich im Januar aufgeführten Schülerkatalogen der Tagebücher des spätem Kanzleidirektors und Archivars P. Petrus Schedler nicht ersichtlich (ARh. E.). Hat er vielleicht vor seiner Anstellung kalligraphischen oder sonstweichen Privatunterricht genossen? 3. Zug hatte 1744 beim neuerwählten Abt Bernhard II. von Rheinau mit Nachdruck die alte Forderung der eidgenössischen Stände erneuert, daß künftig ausländische Klosterbeamte auf ihr Ableben durch Schweizer ersetzt werden sollen (ARh. Z.J. 421, S. 125). Eine Auswirkung dieses Vorstoßes wird es sein, wenn man in den erwähnten Tagebuchblättern lesen kann:

»Aprilis 1762.

Neüwer Schreiber.

14. ist D. Jacobus Josephus Clausener Von Zug als Schreiber für das Gottshaus-Archiv eingestanden, cum annuo Salario (= mit Jahresgehalt) p. 20 R und für jeden abgeschriebenen Tom. aufs wenigist l R ( — rhein. Gulden?).« In der Folge erscheint er (Januar 1763) im »Catalogus« der Klostcrinsaßen unter den Officiales (Beamten) an 11

4. (letzter) Stelle: »D. Jacobus Josephus Clauscncr Tugicnsis A r c h i v - S c h r e i b e r . « Mit der kürzeren Amtsbezeichnung »Scriba« (Schreiber) wiederholt sich dasselbe 1765—67; sonst sind die Officialen nur noch gesamthaft angedeutet unter Formeln, wie: »reliqui uti priori ano« (= die übrigen wie im Vorjahre). (ARh. E. R. 189, S. 17 ff.) Der nach seiner Anrede: »Herren Secretarij« etwas allgemein gehaltene »Bestands Brieff« (Pflichtenheft) für den (Privat-)Sekrelär des Abtes vom 23. November 1764 gestattet parallel auch für den Archivschreiber einige Anstellungsbcdingungen herauszulesen. — Bureauzeit: Sommer 7 (W. 7V—11; 13i—17 Uhr. — Akten, Protokolle, Rodel, Urbarien usw., die früher nur auf lose Blätter geschrieben worden waren, wovon manches wertvolle Stück verloren ging, sind in gebundene Folianten (Tomus) abzuschreiben. •— Dienstag und Donnerstag nachmittags scheint die Kanzlei geschlossen geblieben zu sein, so daß die Beamten den Bücherstaub in freier Erholung abschütteln konnten. — Wenn aber die innere Klosterpforte abends geschlossen wurde (S. 21, W. 20 Uhr), mußte man wieder zurück sein. — Überhaupt war von den Angestellten ein christlicher Lebenswandel gefordert; Sonn- und Feiertage waren nach benediktinischem Geiste vor allem dem Gottesdienst gewidmet, damit das sonntägliche Gebet die Wochenarbeit befruchte. (ARh.Z.J.268, 17—21; J.421, 644.) Der Rheinauer Aufenthalt dauerte vom 14. April 1762 bis vermutlich in den Herbst 1767, höchstens bis ins Frühjahr 1768. Nach LAW. Mscr. ist Jakob Joseph aus dem Klosterdienst nur »ungerne in Rhcinau entlassen« worden. Nichts steht im Wege, daß der Archivschreiber — nicht der Student — sich in Mußestunden auf der Trompete, ja sogar auf dem Waldhorn übte. Und er scheint gut »provitiert« zu haben. Am alljährlich mit großer Pracht gefeierten Festtag des Zuger Stadtpatrons, St. Oswald, am 5. August, war es üblich, den offiziell Beteiligten zu Lasten der »Sekkell-Ambts-Rcchnung« eine gemünzte Festgabe zu verehren. Der im Jahre 1767 als »Jung Clausener« und ab 1772 bis ins Todesjahr fast regelmäßig unter den beschenkten »Weltliche Hr. Musikanten« verzeichnete »Hr. Clausener l gl.«, war kaum ein anderer als der ehemalige Archivschreiber von Rheinau. (SAR. 1767—97.)

4. Wieso gelangte der einfache Fischersohn in den Genuß des französischen Stipendiums? Diese Frage zwingt uns, in die damaligen sozialen Verhältnisse uns hineinzudenken. Wenn auch die ältesten Claus als »Burger« der Stadt gemeldet sind — e i n U l r i c h C l a u s s c h o n 1419, ein H ä n s l i C l ä s (Claus) von S i n s als » U ß • b u r g c r« — so haben ihre Nachkommen vielleicht die alle sechs Jahre vorgeschriebene Erneuerung des Bürgerrechtes innerhalb Jahresfrist vernachlässigt und sind vermutlich deswegen, aber vor 1500, nur noch als » B e i s a ß e n « (= Neubürger ohne Allmendnutzung) angenommen worden. Erst am Sonntag, den 6. Mai 1866 beschloß die in der Kapuzinerkirche zu Zug abgehaltene Korporationsgemeinde Aufnahme aller Beisaßen in die Reihen der vollberechtigten Korporationsbürger von Zug, gegen die solidarische Erlegung von Fr. 30,000.—. (Gfd. 23, 289; 70, 114, 128; PKZg. 155—159; Zg.Nj.1947, 25, 26.)

Das Ursprungsgcbiet der Claus—Clausner—Clausener ist noch unsicher. (Im PfA.Zg. findet man im 17. Jahrhundert meist die Kurzform Klaus [Claus]; daneben Clanserfirel erstmals 1630; ebenso Clausener 1630, Klausener 1696 [Tfb.]; Clausner 1732 [Ehb.}). Kamen sie nach der Überlieferung von Hünenberg, also aus einer Zuger Vogtei, dann galten sie — so sagte man mir — als »B e i s a ß e n«. (Im PfA.Ch. kommt der Name im 17. Jahrhundert oft vor [meist in Langjorm}). Sind sie aber von außerhalb des Kantonsgebictes gekommen, z. B. »über d'Rüß«, dann waren sie Fremde und man nannte sie »H i n t e r s a ß e n«. (Im 14. und 15. Jahrhundert sind einige dieses Namens im Freiamt wie im angrenzenden Luzerner Gebiet bezeugt; in Benzcnschwil [Aarg.] gibt es heute noch lebende Klausener). (Gfd.31, 294—95; 25, 101; 74, 254; 75, 75; Pf A. M.)

Als »H i n t e r s a ß e n « bezeichnete das Mittelalter die Hörigen, die auf ihren Höfen im Schütze (hinter) der Grundherren wohnten (saßen). Die Mehrzahl waren als »Leibeigene« mit ihrer Person und ihrer Habe ganz vom Grundherrn abhängig (prakt. christl. Sklaven). Andere blieben persönlich frei, hießen darum »freie Hintersaßen«. Sie mußten aber dem Grundherrn durch Abgaben dienen (Zinsbauern), wofür der Herr die Heeresfolgepflicht an ihrer Statt übernahm und ihnen seinen Schutz angedeihen ließ. Rechtlich standen Hinter- wie Beisaßen praktisch auf derselben Stufe. Wie andere Städte, so hatte auch Zug seine Hintersaßen. (Bl. 1,1,11, Anm. 26; 47.)

man

*£|>j»w *» 5><^Qn>^HU§)

in MiTlī rij

§«nrrmM,%ij Itriß alliirr

, . $:itliruiib, "ItVrin-rr m "Xrfvit rji>|fcn^wi.imi>Jn;lj

fäfyebßftm

u,\i$foifaqfi'äÄfUx,uity/Jjri'iilr, mt'tinmtt jwtffrin1« .jHiiiihiu'irr};: &i'|i;li»'ii ge&im&f,wegtäten fiai. tnum sr a&AltätirtitjiBwbsfwuim ini(!'iv ürnfwäe^tsät^yteiffer Nli-n ßpfclfrii midi Kia&niettt0^oaastn n\vr

Die Siedlung an der NO-Ecke des Zugersees erhielt das Stadtrccht und die erste Ummauerung von den damaligen Landesherren, den Grafen von Kyburg, offenbar zu Beginn des 13. Jahrhunderts, als die Zuwege zum Gotthardpaß an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung immer mehr gewannen. In jenen Zeiten wurden zahlreiche Städte gegründet. Um das Ansehen der Neustädte zu heben, waren Zuwanderer aus nah und fern willkommen und wurden oft durch Gewährung von Freiheiten angelockt So sollen z. B. in Zug die berühmt und führend gewordenen Geschlechter der Kolin und Zurlauben, von Straßburg bzw. von Zürich kommend, sich eingebürgert haben (Zg.Nj.1941, 17; HBLS IV, 527; Vll, 768;. Hatte die Stadtbevölkcrung einen merklichen Sättigungsgrad erreicht; schienen Wehrhaftigkeit und Wohnraum, Güterproduktion und Absatzmöglichkeit in ein Mißverhältnis zu geraten; war der Bodenbesitz durch Erbteilung untragbar zerstückelt worden; befürchteten die Bürger eine Überfremdung, dann pflegten sie die Einbürgerung gesetzgeberisch zu erschweren. Das Bürgerrecht mußte immer teurer erkauft werden (1508: 8 gl.; 1551: 15 gl.; 1591: 40 gl.). Auch für die Niederlassung von Fremden stiegen die Einzugsgebührcn (1551: 30 gl.; 1597: Annahme auf fünf Jahre verboten). Sie wurde überhaupt nur unter tiefgreifenden Vorbehalten in der rechtlichen Stellung gewährt. Man schuf Bürger zweiter Ordnung, Halbbürger, Hintersaßen (Gfd. 70, 124; 129).

Abb. 1.

Zuger Gesellenbrief 09*; siehe Sciu 2(>)


-. -

V .-. l.^....,.:..•;.-!.'..

'-•• • * i ••

In Zug gewährte man solchen, wie anderwärts, einen gewissen Anteil an Holz und Feld; Mitanteil am verlehnten See erst im 18. Jahrhundert. Sie hatten kein Stimmrecht; zur Landsgemeinde keinen Zutritt; man erklärte sie

12 Abb. 2.

K;iric \ o n i Gemeinwerk (Allmend) Kricscncliam

(5*: Text »ifim Seite 17)

unfähig zu städtischen Ämtern. Der Handel war ihnen gänzlich verboten; Gewerbe durften sie nur ein einziges betreiben. Die Zünfte wachten eifersüchtig über ihre Interessen, wiewohl sie in Zug nie eine so große Bedeutung erlangten wie in anderen Städten. Bei Land- und Hauskäufen waren die Hintersaßen durch das Zugrccht (Vorrecht) der Vollbürger benachteiligt. Als Bauern hatten sie kein Anrecht am Gemeinwerk (Allmendnutzung). Zum Waffendienst waren sie zwar verpflichtet, Offizier konnte aber keiner werden. Den jährlichen Zustupf aus den französischen Friedgeldern, den »Fünfbätzler« (= 15 ß), bekamen sie nicht. Bei Feueralarm aber hatten sie, feuerkübelbewehrt, mitsamt den Bürgern anzutreten u.a.m. (AI, 14, Anm.4; 86; Gfd. 70, 129—131; Bl. 2, L, 313; 321—8; FFJ. 10, 17, 19.) Schutz vor Überfremdung und damit Schutz des heimischen Bodenbesitzes, des Handels und des Handwerkes waren Ziel dieser einschränkenden Bestimmungen. Mit der Zeit bildete sich eine fast kastenmäßige Ausscheidung der niedern Schichten heraus. Sich dieser Umstände zu erinnern, wird für das Folgende nützlich sein.

5. Auch bezüglich des f r a n z ö s i s c h en S t i p e n d i u m s wird es vorteilhaft sein, die Entwicklung kurz zu skizzieren. Wegen ihrer glorreichen Siege hat man im Ausland die Schweizer Krieger schätzen gelernt. Besonders nach der Schlacht bei St. Jakob an der Birs, vom 26. August 1444, hat der damalige feindliche Feldherr und nachmalige König Ludwig XI. von Frankreich (* 1423; reg. 1461—83) sich bemüht, Schweizer als Söldner für sich zu werben. Die Eidgenossenschaft hat dann mit Frankreich, später auch mit ändern Ländern, Bündnisse abgeschlossen, durch welche diesen Staaten gestattet wurde, auf Schweizerboden Soldaten auszuheben. Frankreich zahlte den Kantonen als Gegenleistung sogenannte »Fried- und Pundsgelder«. Die Friedgeldcr flössen direkt in die Gemeindekassen (siehe oben); die Bundesgelder aber verteilten einflußreiche Männer (in Zug z. B. die Zurlauben) nach ihrem Gutdünken an Günstlinge. So wurden die Bundesgelder zu eigentlichen Schmiergeldern, mit denen man die französischen Parteigänger zu mehren trachtete, was ja im Kampfe der österreichisch gesinnten »Harten« (Schumacher) gegen die französisch gesinnten »Linden« (Zurlauben) ein Hauptstreitpunkt geworden war. — In unsenn Zeitabschnitt bezog der Stand Zug so jährlich 10,563 Livres (= Pfund franz. Währung = 79221 gl.) und außerdem für zwei Schüler je 200 Livres »pour faire leurs etudes et exercices« in Frankreich (Top. IV, 676,619; Gfd. 67, 124).

Zu dieser Studienmöglichkeit gelangte Jakob Joseph, trotzdem Bürgersöhne das Vorrecht beanspruchen konnten, wegen einer Eifersüchtelei unter den Bewerbern des Vorjahres. Das kam so. 6. Am 16. Januar 1766 verhandelte der zuständige Stadt- und Amtsrat über die Verleihung der »2 vacierende s t i p e n d i a . . . für die m a t h e m a t i c und a r t i l l e r i e zu s t r a ß b u r g zu erlehren«. Es ging ihm darum, »ein tauglicher subiect . . . zur mathe-

matic und artillerie Kunst, auf straßburg zu schickhen«; »im fahl aber Keiner wäre«, der sich meldete, werde man diese Stipendien sonstwie vergeben. — Am 9. Oktober meldet die französische Gesandtschaft in Solothurn, sie wünsche die Namen der Stipendiaten zu erfahren. — Am 27. Oktober wird die Frage einer ernsten »deliberation« unterzogen und bestimmt: »Diejenige, so um diese Stipendia anhalten, sollen sich in frankreich begeben, die Sprach zu erlehren und anbei zu Studieren.« Es sind acht Kandidaten angemeldet, vertreten durch ihre Väter oder andere Anwälte. Zuvor beanstandet aber »Büchsenschmid LangenEgger« die Anwesenheit und Mitberatung von (alt) »rathsHr Letter«, den aber die Behördemitglieder schützen. — Erster Erfolg dieser offenkundigen Eifersuchtsszene ist, daß die Stipendien zwei ändern Bewerbern »per Majora« zugesprochen werden: »Hr. Haubtmann Kündich söhn« und »Michael Blattmann«. Zweiter Erfolg der inzwischen weitergreifenden Parteiungen ist: die Stipendiaten verzichten wenigstens für das folgende Jahr auf die Gunst der Behörde. Darum beschließt der zuständige Rat am 27. November 1767, durch den Ausrufer nochmals zur Anmeldung auffordern zu lassen. — Montag, den 17. Dezember 1767 endlich heißt es im Protokoll: »Weilen umb die 2 französische Stipendia sich Niemand gemeldt als Jacob Joseph Clausener von hier, Ein Hindersäß«, seien sie diesem »vergeben worden.« Man merkt es dem Protokollführer an, für wie unschicklich er es erachtet, solche Gunst einem »Hindersäß« zu gewähren. Ausdrücklich hat denn auch der Rat den Auftrag näher umschrieben: »... die 2 französische Stipendia diesen Clausener auf anloben, das er nach drey Jahren in sein Vaterland zurück khome, die Artillerie Kunst aufs Möglichst erlehren, seinem Vatterland . . . getreulich dienen und anderen seine Kunst participieren solle.« — Und weil man ihm scheint's noch nicht genug traute, ist am Rand der Nachtrag beigefügt: »mithin hinterem beding, daß wan er Seinem versprechen nit Statt thun würde, er hierumben verantworthlich gemacht werden und das Empfangene zurückstellen solle.« (StARP., Bd. 39.) Aus dem Protokolltext ergibt sich, daß Clausner als einziger Bewerber beide Stipendien erhalten hat. Daraus erklärt sich auch die außerordentliche Vorsicht bei der Verleihung. Er wird es schon haben brauchen können; denn die zweimal 200 Livres allein, ohne weitere Zu-

13

Schüsse von daheim, werden für den Unterhalt kaum auegereicht haben. Jedenfalls findet sich bei LAW. Mscr. der Satz: »Klausener lag mit größtem Fleiße dem Studium ob, hatte daneben auch mit des Lebens Noth und Plage (Nahrungssorgen) zu kämpfen, was seinem Fortgange einigermaßen hinderlich war.« 7. Wo hat Clausner studiert? — Verschiedene Lexika usw. bezeichnen Paris als seinen Studienort, oder vorsichtig einfach Frankreich. Aus dem StARP. ergibt eich dafür eindeutig: S t r a ß b u r g . Auch andere Schweizer sind »behufs tüchtiger Berufsbildung« dorthin geschickt worden (RW.127). Für Jakob Joseph Clausner dauerte diese Ausbildung vermutlich vom Frühjahr 1768 bis in den Sommer 1770. Bei LAW. Mscr. liest man von einem dreijährigen kantonalen Stipendium für Paris, das vom 20. September 1766 bis 11. September 1769 lief. — Ort und Jahrzahlen widersprechen den StARP. ebenso wie den Rheinauer-Diarien.

III. Der Feldmesser Die Berufsaufgabe, welche dem Jakob Joseph Clausner von den Behörden zugedacht war, ist in erster Linie die des Feldmessers, des Geometers. Daraufhin zielte vor allem die Ausbildung in Straßburg. Zu Feldmesserarbeiten ist er sofort nach seiner Rückkehr von den Behörden in Dienst genommen worden. »Ingenieur« wird er gleich anfangs im Ratsprotokoll (RP.) betitelt; »Arpenteur« (Feldmesser) signiert er einige seiner ersten Arbeiten; »Inschinier« heißt er im Verzeichnis der Lukasf.KfmsfZer^-BruderBchaft. Kupferstiche haben ihm meines Wissens die Zuger Behörden keine aufgetragen, es sei denn der erstmals für 1780 bestellte, bisher noch nicht zum Vorschein gekommene Staatskalender. »M a t h e m a t i c und a r t i l l e r i e Kunst« lautet sein Lcrnauftrag. Also Zweiteilung: Jünger der exakten Wissenschaften als Mathematiker, Ingenieur, Feldmesser; Jünger der bildenden, der räum gestaltenden Kunst, zu der Architektur, Plastik, Malerei, Graphik und auch das Kunstgewerbe gerechnet werden. Auf keinen Fall kann »artilleric« beim »Hintersäßen« in militärischem Sinne verstanden werden (vgl. Schw. Lex. I. Sp. 579, »Artist«).

Nachdem sich die RP. bis zu seiner Rückkehr vom Auslandurlaub gänzlich über ihn ausgeschwiegen hatten, überrascht es, wie die Behörde seine ersten vorgelegten Arbeiten anerkennt und belohnt. Es sind das der Landtwing'sche Stadtplan von Zug (l *) und der Grundriß vom Verlauf der Reuß an der Zugergrenze (2 *, S. 15). Beide sind von Oberstlt. Fidel Landtwing aufgenommen; Clausner aber hatte sie »ins Reine« zu bringen. Man war mit seiner Leistung offenkundig sehr zufrieden, denn es heißt im RP. vom

14

6. April 1771: »Dem Jungen Ingenieur Clausener, So die Plane der Statt, auch den reuß-Plan Jns reine gebracht und Mgghhr. praesentieret, Seind 2 schiltli Douplonen von Hr. Seckhelmeister zu empfangen erkent«; die er laut SAR. gleichen Tags mit 25 gl. einkassiert hat. Schon im nächsten Monat stellte der »Junge Clausener« dem Säckelmeister Rechnung »wegen Tabellen schreiben usw. p. 17 gl. 16 j3« (vermutlich sind die Tabellen eine Art Legende zum Stadtplan). Und so löst, namentlich im ersten Jahrzehnt, ein behördlicher Auftrag den ändern ab. — Es ist angenehm, die steigende Wertschätzung seines Schaffens und seiner Person festzustellen, wie sie aus den Titulaturen in den Protokollen erkenn^ bar wird. Aus dem einstigen »Hiiidersäß« ist jetzt der »Junge Ingenieur«, ja schließlich der »Hr. Clausener« geworden. RP. Bd. 32, 253; 268/69; 33, 123, 156. — 33, 70/71, 207, 210, 229, 252, 256, 318, 343; 34, 167, 327; 35, 24 a, 143 a.) 1. Im Dienste von Oberstlt. Fidel Landtwing Nach seiner Rückkehr vom Studium ist Jakob Joseph ohne weiteres von Oberstlt. Fidel Landtwing zur Mithilfe beansprucht worden für die Vollendung der Vermessungsarbeiten, die der Oberst im Auftrage der Stadtbehörde im Laufe von zwei Jahrzehnten ausgeführt hatte. Vielleicht war es eben dieser Landtwing, der die Tauglichkeit des jungen Menschen schon früh erkannt und dalier kräftig mitgewirkt hatte, ihm das Auslandstudium zu ermöglichen. Sein Votum im Rat war das eines erfahrenen Fachmannes. Daher hatte er auch in erster Linie einen Anspruch auf die Beihilfe des jungen Ingenicure. Johann Franz F i d e l L a n d t w i n g , ein sehr gebildeter Mann, dessen besondere Passion die mathematische Wissenschaft war, Feldmesser, Kartenzeichner, entstammte einem der ältesten Zugergeschlechter. Geboren zu Zug am 21. Januar 1714 als Sohn des Ammanns Johann F r a n z Landtwing und der M. E l i s a b e t h Esther Zurlauben, starb er ebenda unverheiratet am 9. März 1782. In französischem Kriegsdienst hat er sich als Offizier in mehreren Schlachten und Belagerungen durch seinen Mut ausgezeichnet. 1749 nahm er seinen Abschied und kehrte mit dem Grad eines Oberstlieutenant in die Heimat zurück, wo er sich tatenfreudig in den Dienst seiner Vaterstadt stellte. Er war Ratsmitglied von 1748—59 und von 1767—81; ferner Landschreiber, Landeshauptmann im obern Freiamt, Gesandter und um das zugerische Militärwesen verdienter Kriegeratspräsident. — Auf den 1. Januar 1749 soll er den Besitz des Schloßgutcs St. Andreas bei Chain angetreten haben. Im 1762 von Brigadier Fidel Zurlauben erworbenen »Weingartenhof« stiftete er 1775 mit seinem bedeutenden Vermögen das Landtwing'sche Fidci-Kommiß, als unveräußerliches Familiengut, dem er seine, zur Zeit leider immer noch unzugängliche Bibliothek, seine Instrumente, Waffensammlung usw. verschrieb. Das pfarramtliche Totenbuch vermerkt seine hervorragende Mildtätigkeit, nament-

lich für die sog. verschämten Annen. (PfA. Zg.; PAW. Gen. U, 397, 438/39; HBLS., W, 598; RP., Bd. 28, 66 a bis 68, 133 a, 181; KDZg.II, 508; Zg. Kai. 1940, 56.)

I. Ohne die Mithilfe Clausners hatte Oberstlt. Landtwing im Auftrage der Stadt bereits folgende Pläne kartographisch aufgenommen und als Tuschzeichnungen sauber ausgearbeitet: ' 1. »Plan oder Grund-Riß Eines Theils deß See-Gestades, worinnen die Fischerey Mn. Gnädigen Herren und Burgeren der Löbl. Statt Zug angezeigt, neu ausgemarchet und Geometrisch in Grund gelegt durch ihren Underthönig- und gehorsambsten Diener Landtwing Lt. Col. Major. Zug, den I.November 1754.« — Format: 91/61 cm. Je ein Exemplar im Fischerei-Museum und in der Korporationskanzlei Zug. (Formatangabem einheitlich: Höhe /Breite.) 2. »Plan Der Staettler Gcmeind, in derVogtey Cham Jm Zugergebiet, Geometrisch aufgenommen, verfertiget, und denen Tit: Gnaedigen Herren der Statt Zug dediciert Jm Jahr 1768 durch Jhren unterthaenigsten Diener und Mitbürger Oberstlt: Landtwing.« — Format: 59/77,5 cm. Stadtkanzlei Zug. Lt. RP. 30. März und 31. Dezember 1768 soll dieser Plan auf der Kanzlei aufbewahrt werden. Vermutlich als Unterlage für irgendeine Arbeit hat ihn später Clausner ausgehändigt erhalten; denn beim Geißweidbrand ist das Original in seinem Hause von den Flammen zerstört worden. Am 19. Januar 1798 hat aber Major Bonaventura Landtwing das zweite Exemplar davon der Stadtkanzlci geschenkt. 3. Plan der Walchwiler Forren-Möser. Landtwing'sche Arbeit, an der vielleicht Clausner mitbeteiligt war. (RP. 20. September 1771; 19. Oktober 1771; 19. September 1772.) Bisher noch nirgends entdeckt.

II. Außerdem erhielt Oberstlt. Landtwing am 15. Juli 1769 von Mgghh. den Auftrag, die Landesgrenzen gegenüber dem Stand Zürich kartographisch klarzustellen. Im RP. heißt es wörtlich: »Solle die Landt-Marckhe gegen L. Standt Zürich auch für unseren Statt theill oder Vogteyen durch tit. Hrn. oberstlieut. Landtwing, und die Cantzley nechstcns Vorgenommen und in einen Plan geleget werden.« Die Ausführung dieses Auftrages scheint dem ungeduldig darauf wartenden Rat zu langsam vorangcschrittcn zu sein. Nach bald zwei Jahren empfehlen die Mgghh. dem Oberstlt. nachdrücklich, damit voranzumachen: ». . . die Landt-Marckh Solle fernere tit. Hrn. LandtsHaubtmann Zur Vollstendigen Vervollkommnung bestens anrecommendiert Seyn . . .« (RP.6. April 1771. Vgl. 20. September 1771.)

Für die mit dieser Karte verbundenen Ausmessungen ist Clausner sicher beigezogen worden. Denn bei der am 7. April 1773 erfolgten Ablieferung derselben heißt es im RP.: »Für die offerierte Landtmarch Carte So tit. Hr. Londts Haubtmann Landtwing dem gemeine weesen verEhret . . . Solle als einem höchst nützlichen

werckh der oberkeitliche danckhe abgestattet und . . . auch dem Clausener Sein Lohn von 2064 Jucherten zahlt werden, an geldt 258 gl. Hr. Seckhelmeistcr Solle zahlen.« — Und schließlich vernehmen wir am 21. August 1773:»Der Ingenieur Clausener hat den Conto für die große Statt und Vogtey Charte auf Zu Zieche auf Tuch 10 gl. 14 ß 2 d. Vorlege lasse; Hr. Seckhelmeister Solle Zahle.« Tatsächlich figurieren beide Beträge in der SAR. unter gleichen Daten.

Daß die Vogteienkarte somit zugleich die Standesgrenzenkarte ist und daß Clausner an deren Ausarbeitung mitbeteiligt war, dürfte folglich außer Zweifel stehen. (Vgl.RW., 87.) In Streitfällen ist sie später zu Rate gezogen worden (5. Juni 1778). — Um der chronologischen Ordnung willen erfolgt ihre Besprechung weiter unten (S. 16; 4*). Die ersten Karten, die Clausner für Landtwing zeichnerisch »ins Reine« gebracht hat, sind die schon oben (S. 14) erwähnten:

l *. »Plan Von der Hochloblichen Statt Zug. aufgenomen durch her oberst Lit. Landwing 1770.« — Signatur: »Desine par Clausner 1771.« Format: 67/100 cm. Dieser Grundriß der Stadt, bei dem nach damaliger Sitte die Bäume und Hecken im Aufriß dargeboten sind, scheint der privaten Initiative Landtwings entsprungen zu sein, da sich in den RP. kein behördlicher Auftrag findet; abgeliefert wurde er am 6. April 1771. — Ein koloriertes Exemplar hängt unter Glas eingerahmt im Stadt-Bauamt Zug; ein zweites soll die Bibliothek des LFk. besitzen. — Auf dem vor Jahren für die KDZg. hergestellten Klischee ist die Signatur Clausners ausgefallen. Auf Grund aufgefundener Mauerresten hat Herr Prof. Dr. L. Bircliler aber durch Herrn Geometer P. Dändlikcr in Baar den Stadtplan in den alten Umrissen neu aufzeichnen und ihn so in KDZg. //, 13 abbilden lassen (siehe Tafel II, Abb. 3); ebendort ist ausgiebiger Aufschluß zu finden (H, 12—30; 427; 464; 477; 529). Maßstab = l : 4000. Ein Vergleich der Einzelheiten ergibt weitgehende Übereinstimmung beider Grundrisse. Dieser »Plan der Stadt Zug«, schreibt Geometer J. Krise., »war bis in die jüngste Zeit das einzige Dokument dieser Art und leistete für verschiedene Zwecke willkommene Dienste.« (JISZg.1886—88, 80; KDZg.II., 32.)

2 *. »Plan oder Grund Riß Von dem Lauff der Ruß. Von den Lucerner Gräntzen ohnweit Honnau bis an die Zürcher Gräntzen ohnweit Lunneren, allwo die Lortzen in die Rüs falt, welcher das Landmarch zwischent Zug, Lucern und dem Freyen ambt ausmachet. Geometrisch aufgenomen durch Herren Oberist Lieut. Landtwing im Mertzen 1771.« — Signatur: »Desine par Clausner.« — 189,5/33 cm. Orientierung: N-S. Im gewundenen Flußlauf sind die Kiesbänke sorgfältig eingetragen. Der schmale Uferstreifen weist die wechselnden Bestände an dichtem und lichtem Gehölz auf. Die Lage der Sinserbriicke kann man nur an den beidufrigen Auffahrten feststellen. Der Rest des Geländes blieb ohne Detail.

15

Einziges Exemplar unter Glas im Stadthaus Zug. Wegen der gefährdeten »reüß wuore« erging der Auftrag vom 9. Februar 1771: »tit Hr. Landts-Haubtman Landtwing ist erbetten, einen Plan Von dem reüß-lauf unserem Land-nach Zu VerVertigen«; Ablieferung am 6. April 1771. Diese Teilbehandlung der Reußgrenze ist in die Vogteienkarte (siehe untere 4 *) aufgenommen worden. RW. 87 schreibt die »recht hübsch ausgeführte« Arbeit dem Clausner zu, was sich aber nach dem Titel nur auf die endgültige Ausführung beziehen kann. 3 *. Eine weitere, im Rückstand gebliebene Landtwing'sche Teilkarte hat Clausner zwischenhinein auch noch bereinigt:

•»Plan des Loretzen Flusses von dem Auslau ff des Sees bis unden an die Papir Mühle, Geometrisch aufgenommen Jm Nov. 1757 durch Oberstlt. Landwing.« — Signatur: »gezeichnet durch Clausner.« — 141,5/24,5 cm. Die Ausmündung des Sees in das Lorzenbett rahmen breite Bestände an Schilfrohr ein. Inmitten des Flusses ist die wechselnde Wassertiefe bis zur »Kahmer brugg« auf kurze Distanzen durch gelotete Zahlen festgehalten. Bei der »Ober Mühle« links wie bei der »Papir Mühle« rechts finden sich projektierte Stauanlagen mit Fischtreppen eingetragen, wodurch die jahrelangen Streitigkeiten zwischen den Pächtern der See- und Lorzenfischenzen, sowie den Wasserwerkbesitzern (Mühlen) der »Chamer-Lortzen« und den Mgghh., wegen des Nutzungsrechtes bzw. der Unterhaltspflicht des »Lortzen-Runses« eine allseitig befriedigende Lösung finden sollten. Lokalhistorisch wertvoll dürfte die Lage von an den Fluß stoßenden Parzellen (vSigristcn Matten, I'farr Mallen^.) und Häuser (»Rothbärtlis Haus, Störchlls schür und Matten*}, wie auch der »Landstraße auf Zug« etc. sein. Bäume und Hecken sind vertikal dargestellt. (RP. 16. Februar 1754 bis 6. Juni 1761.) Einziges Exemplar unter Glas im Stadthaus Zug. Landtwing erhielt am 10. Oktober 1757 vom Rat den Auftrag zu einem Projekt für die »Lortzen crbesserung«, das naturgemäß zu einer zeichnerischen Festlegung drängte. Später hat diese Karte als Unterlage dienen müssen für das Lorzenprofil (siehe 7 *, S. 18) und die damit in Beziehung stehenden Schwellungsarbeiten (RP. 21. November 1777).

4 *. Schließlich noch die S. 15 in ihrem Werden geschilderte »Carle Topographique der Statt und Burgerschafft Wie auch dero angehoerigen Vogleyen Exact Aufgenomen durch S:T: Herren Oberist-Lieüt: t Landtwing, der Zeit regierender LandtsHaubtman der Oberen Freyen Ämteren Jm Ergöw, 1770. und 1771.« — Signatur: (am untern Ende der Titelkarlusche, wegen der Bemalung auf den Reproduktionen unleserlich geworden): »Desinee par Jos: Clausner Arpenteur.« — 212/182,5 cm. Einziges, auf Leinwand aufgezogenes, mit hölzernen Rollstäben versehenes Exemplar, aufbewahrt im Bürgerarchiv Zug, wo es leider nirgends richtig aufgehängt werden kann. Die Karte ist für Fr. 2000.— versichert.

Oben links befindet sich die hübsche Titelkartusche, vom Standeswappen überragt Wie die Karte ist auch sie teilweise koloriert, zeigt Feldfrüchte und Fische, die Symbole der Landesprodukte. Die »Schala von 400 Klaffter Französisches Maas« ist für uns nicht mehr brauchbar. Dem Karlenzweck entsprechend, das zugerische Interessengebiet in den Vogteien gegenüber den Nachbarn Zürich und Luzern anschaulich abzugrenzen, sind eben diese Grenzlande dem prüfenden Auge nahegerückt Dadurch ist die Orientierung der Karte für uns ungewöhnlich verschoben ; statt S-N annähernd WSW-ONO. Aus gleichem Grunde sind außer dem Stadtgebiet nur jene Vogteien dargestellt, welche den Grenzen des »Zürcherische« oder »Lucernerischc Territorium« anstoßen: Steinhausen, Cham, Hünenberg, Gangoldschweil (= Risch); dazu die Herrschaft Buonas. Es fehlen also: Walchwil und das heute aargauische (Ober-) Rüti; ebenso die Gemeinden des äußeren Amtes: Baar, Menzingen und Ägeri. Im schmutzig-hellbraun getönten, grüngeränderten See durften die für die Stadt so wichtigen Fischenzen des Nund W-Ufers nicht fehlen. Die achtzackige Windrose liegt im Schnittpunkt eingezeichneter Verbindungslinien verschiedener Uferpunktß, die für die Triangulation und damit für die Anlage der Karte von großer Wichtigkeit sind. Noch wichtiger ist hier die Bestimmung der »Landmärchen«. Der Standort der einzelnen Marksteine an den Landes-, teilweise auch an den Vogteien- (jetzt Gemeinde-) grenzen, ist sorgfältig rot eingetragen und numeriert. Seither seien zwar etliche Grenzberichtigungen vorgenommen worden, erzählte mir Herr Geometer P. Dändliker, und einer der damals gesetzten Grenzsteine befinde sich im Hist.-Ant-Museum. R. Wolf rühmt die Karte, trotz ihrer Mängel, als »erste fleißig ausgeführte Detailarbeit aus jener Gegend« (RW. 87). Die Geländedarstellung in Horizontalprojektion f= Grundriß) ist sehr lückenhaft. Hügel und Bodenwellen sind mit dem Tuschpinsel schraffiert; Reuß und Lorzc hellgrün; Bäche und Teiche hellblau; die Wälder verblaßt hellbraun, nur Einzelbäume sind vertikal dargeboten, grün; die Landstraßen braun; öffentliche Gebäude im Grundriß rot; wenige Kapellen perspektivisch; das Steinhausergebiet ist hellbraun getönt, das Hünenberger und Buonascr Gebiet hellblau. Die Genauigkeit der Karte läßt zu wünschen übrig. Angestellte Berechnungen ergaben mir einen Maßstab von 1 : 7250 (m — 0,145); mittlerer Fehler (j) = ± 1,24, mit den Fcblermaxinia -f- 5; — 6. Dändliker vergleicht diese Karte mit der etwa 100 Jahre älteren Gygerschen Karte des Kantons Zürich samt angrenzenden Gebieten, in denen der Kanton Zug größtenteils miteingeschlossen ist Er gelangt zur begründeten Auffassung, die »Garte Topographique« sei, wie die Gygersche, aus früheren, meist verschollenen Teilplönen zu einem übersichtlichen Gesamtplan zusammengefaßt worden (Zg. Nj. 1937, 35). Solche Teilpläne sind, außer den uns bereits bekannten (oben S. 15, /., 2 und 2 * und S. 16, 3 *), entstanden, als man daran ging, das gesamte Straßennetz — von Zug durch die Vogteien nach den Standesgrenzen — der dringend nötigen »erbesserung« zu unterziehen. Tatsächlich erwähnen die RP. solche Pläne: arn 12. September 1767 »über disse (Fahl-) Marckb aufgenommene Plan«; 26. Oktober 1768 »Projectierte . . . ausZeichnung . . . wie die Straß bey dem hlge. Creütz durch-

). .'i. Situationaplan von /ng und Umgebung, ziisnnimcngcsel/t ans den Landtwing-Clausner Kurien der Stadt (l*) und der Yofjtuicii (4*). = am 19. 2. 1795 ganx abgebrannte Häuser: Feldmegsers-Wolinung 0 = vor, |c| = nacli dem lirand + = Löfl'lerliof = rt'ScIinutzegurt (Siehe Seite 10; 15: 16; 28/9)

(

A l, A II II l A .T KA

n /// »V// (t/irrtt r~f+'

ttijiöKutl, ~IH,/CH .

16

Al)l). 4.

Karle von Südkalahrien (16*: Text siehe Seite 25/6)

gefülirct«; 21. Januar 1769 »Vorgelegte Plan« betreffend »Syhlbrugg und Landtwehrung«. Ob die auf S. 18 aufgeführten Steinhauser Pläne Clausners 2—4 auch in die Vogteienkarte hineinverarbeitet sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber am 2. Mai 1772 wird Landtwing »erbette, die gerichts Marckh (heute Gemeindegrenzen) der Vogteyen, wie die Landt-marckh in den plan aufZunemmen«. Vermutlich gab es noch mehr Grundrisse für Teilstrecken; es ist aber damit zu rechnen, daß einige derselben 1795 im Verlag Clausners verbrannten. Langwierige Straßen • Rechtshändel, namentlich der Hünenberger, mehr noch das wiederholte, von der Standesregierung unterstützte Begehren der Zürcher Kaufleute, die Horgerstraße möchte »in brauchbaren Standt« gesetzt werden, drängten schließlich zu durchgreifender Verbesserung des Verkehrsnetzes, da ja auch die übrigen Landstraßen dürftig waren. Aus den RP. ist erkenntlich, daß im Herbst 1766 mit dem Ausstecken der neuen Strußenzüge begonnen worden war, weil an die Chamer und Steinhauser der Warnruf erging: »das Niemand Sich (zu) erfrechen (wage), die ausgcsteckhte Strausse Zihl oder Pfähle Zu Verruckhe oder Zu Verendcre, Villweniger gar aus Zuthun, Bey großer straff und ungnad« (8. November 1766). Nach Überwindung vielgestaltiger Widerstände kamen die Arbeiten im Winter 1770/71 zum Abschluß. — Die Straßenbreitc war auf »18 schuoh (ä 30 cm), ohne die grääben« festgesetzt (26. Oktober 1768). Bäume durften höchstens »3 schuoh wcith vom graabe« und »40 schuoh Von einander« gepflanzt werden (3. Dezember 1768). »Welche an die allgemeine Straß anstoße, . . . werde . . . ermahnet, dieselbe fürdersamst in brauch-unklagbahre Sichere stand ( z u ) stelle«, d. h. sie zu unterhalten (24. November 1770). Zur Minderung der Baukosten ist für den Warentransport eine »neue wcegs geldtstaxa« erhoben worden (23.Mai 1767; 13. Juni 1767; MKL.lll., 229). Irgendwie verbessert wurden damals die Landstraßen: Zug—Baar—Sihlbrücke(—Morgen); Zug—Chain; Zug— Steinhausen—Bibersee—Maschwanden bzw. Knonau (Unkosten dieses Abschnittes: 1913 gl. 4 ß 5 a); Cliam—Lindcncham—Hünenberger Wald — Matten—Reußbrücke(-—Sins); Kirchweg: Cham—Kemmleten—Thalacker; Maschwanden — St. Wolfgang — Hünenberg —Thalackcr — Meisterschwil —Berchtwil—Honau(—Luzern). Damit soll nicht behauptet sein, diese Straßen seien auf ihrer ganzen Länge verbessert oder verlegt worden. Die Vogteicnkarte diente vorerst keineswegs geographischen Zwecken. Sie war vielmehr als Instrument der Wirtschaftspolitik Mgghh. gedacht. Darum blieben vorderhand weite Flächen ohne Geländedetail. Kauf, Verpfändung, Erbschaft von Grundstücken konnten fortwährend Veränderungen bringen. Dabei hatten die Vogteileute als städtische Untertanen allerlei Abgaben zu entrichten: den »Fall« z. B., d.h. das beste Stück aus dem fahrbaren Erbgut; den »Ehrschatz«, wenn das zinspflichtige Gut den Besitzer wechselte (vgl.RP.l.April 1773; Bl.l, l, 51; 164). Vermutlich beabsichtigte man nach und nach die Lücken zu ergänzen. Darum sind auch bei weitem nicht alle »Einschläge« (•=. Abgrenzung der Grundstücke durch Gräben und Hefeken) ganz eingetragen. So heißt es: »sollen alle ... so Neue Einschlag haben, selbe durch Hrn. Klaußener auf ihre Kosten messen und in die Kahrten setzen lassen« (RP. 16. April 1791). Am vollständigsten finden wir sie um die Ortschaften Zug, Steinhausen und Cham. Sonst sind die Gütergrenzen meist nur angedeutet, wo sie an die Landstraßen anstoßen, wohl auch aus dem Grunde, die Unterhaltungspflicht der Anstößer jederzeit feststellen zu können.

Nach SKL. (IV, 274) war diese Karte an die 100 Jahre lang, bis zum Dufouratlas, das einzige Dokument lokaler topographischer Verhältnisse in dieser Gegend. Wenn dort aber zu lesen ist: »Eine Veröffentlichung der Karte fand durch den Kupferstecher J. Klausener statt«, so ist dies meines Wissens nur so zu verstehen, daß durch die zeichnerische Ausarbeitung dieses einzige Exemplar der Öffentlichkeit beschränkt zugänglich gemacht worden ist. Erst viel später ist sie abgebildet worden in JlSZg. 1886—118, Beilage lll. und 1934 in KDZg. L, 5.

2. Im Dienste des Zuger Stadtrates Was Clausner als Gehilfe des Oberstlt. Landtwing geleistet, geschah bereits indirekt in behördlichem Auftrug. Sobald er aber das erste »Gesellenstück« abgeliefert und dieses zur großen Zufriedenheit Mgghh. ausgefallen war, setzten auch schon die direkten Aufträge ein. Landtwing wird sich eben nach etwas Entlastung gesehnt haben, froh, eine geschulte Kraft sein mühsam begonnenes Werk weiterführen zu sehen (RP.12.und 19. Oktober 1771; 23. November 1771 usw.).

Von den in behördlichem Auftrag durch Clausner selbständig ausgeführten Arbeiten sind zunächst zwei Ergänzungen zum Landtwing'schen Plan Nr. 2 (S. 15) vom Stättler Gemein werk zu Cham hervorzuheben: 5 *. »Grund-Riß über daß Gemeinwerck Friesen-Kahm aus hochoberkeitlichem Befelch aufgenommen und gezeichnet im Augsten 1777 durch Joseph Clausner Arpenteur.« — 59/95 cm. Mit Rokoko-Titelkartusche. Maßstab: »Schala von 150 Klafter Statt-Maas.« (Siehe Tafel I, Abb. 2.) Einziges Exemplar unter Glas im Stadthaus Zug. Die kolorierte Karte ist mit Windrose und Legende (t>AvertissemenU) ausgestattet. Ein betagter Mann der Gegend, Herr Bürgerpräsident J. Haushecr in Hagcndorn (Schönau), der die Photographie des Planes prüfte, hat sich dafür sehr interessiert und über dessen Genauigkeit und Vollständigkeit lobend ausgedrückt. Die Veranlassung zu diesem und ähnlichen Plänen liegt in der beabsichtigten Verteilung des Allmendgutes an die »Gerechtigkeiten«, d. h. an »die abgeschloßne Zahl der allein berechtigten Hausbesitzer« (in Friesencham waren es deren 7; RP. 20. April 1776) von denen jeder einen Teil der A Ihm ml als Privatgut erhielt (lil. 2, I, 355). »Die gemeindt Fryesen Cham Solle Jhr gemeindt werckh, So vertheillt Zu werden bewilliget worden, in Plan nemme und dcne Thcill Nummere nach beschreiben und also verzeichnet der Cantzlcy eingeben. Zuvor Mgghh. vorgelegt werden« (18. Februar 1775). Nachträglich heißt es: »auch Solle Clausener den FrynscnChamer gemeindtwald aufnemme« (I.Februar 1777). Und bei der Ablieferung lesen wir: »Jst der FrjesenChamer gemeindts-werckh-Plan aufgelegt Samt dem Conto dcß Clauseners p. 43 gl. 6 ß und gutli geheißen.« Der Nachsatz betont nachdrücklich: »Solle dem Plan beygeschrieben werden die Ruths Erlaubnuß der Erlaubnuß zum Jnschlage = oder theilen« (R. P. 17. Januar 1778).

6 *. »Grund-Riße über die Gemeinwercke Linden-Kahm u: Romelticken aufgenommen und geometrisch in grund gelegt durch Jos. Clausner 1779.« — 68/120 cm. Maßstab: »Schala von 150 Klafter Statt-Maas.« Mit Rokoko -Titelkartusche. Teilpläne: »Plan über das Reckeltz zu Rumeltickcn.« — »Plan über das Rumeltiker Höltzlein.« — »Plan über das Lindenkahmer Ried.« — »Avcrtissement«, Nota usw. — Einziges, koloriertes, Exemplar unter Glas im Hausgang der Gemeindekanzlei Cham. Auftrag für den Plan am 6. März 1779. Mgghh. gestatten die Verteilung des »gemeindtwerckhs« (— Allmend) wie für die Friesenchamer so auch für Lindencham und Rumeltikon unter folgenden Bedingungen: die verteilten Wälder, Äcker, Wiesen sollen für immer mit den »dermahligen« Gerechtigkeiten (in Lindencham 20) »untlieilbar und unZertrännlich« verbunden bleiben. Die Wälder sind wie vorher zu unterhalten und dürfen nicht ausgerottet werden. Die Bestellung der »feldächer« hat sich an die »Zeigen Ordnung« (= Dreifelderwirtschaft, Bruche) zu halten. Auch ist, wie bisher, der »Zcchcndt« (= 1/1» des Bodenertrages zum Unterhalt der Geistlichen und zur Unterstützung der Armen) zu leisten. Der Unterhalt der Landtstraße bleibt der Gemeinde solidarisch »aufgebürdet«. (RP.ö.März 1779; 13. März 1779; 10. April 1779; 31. März 1779.) Ablieferung am 14. August 1779: »Die gemeindt LindenCham und rumeltickhen Solle die Conten, Welche der Hr. Clausener mit überreichtem Plan der genieindlwerckhe Mgghhr. Vorgelegt Zahlen« (vgl.Bl.l, l, 153; 2, l, 355).

1 *. Schließlich liegt noch vor: »Profil von dem Pfahl A. vor an dem Loretzenschlund bis an die Kahmer Brugg B. durch die Mitte des Kanals aufgenomen.« — Signatur: »gezeichnet durch Clausner.« — 13/131,5 cm. Einziges Exemplar unter Glas im Stadthaus Zug. — Das im Herbst 1757 und ebenso 1777 beabsichtigte, aber weil vermutlich zu kostspielig immer noch nicht ausgeführte Projekt der fachgemäßen Lorzestauung (siehe 3 *, S. 16) lebt wieder auf. Die Wasserwerkbesitzer von Cham zeigen am 2. März 1793 Mgghh. dafür ein neues Modell vor, das die Erstellung mit »sehr geringen Kosten« verspricht. Dazu hatte man offenkundig unseren Feldmesser herbeigeholt, damit er den Untergrund des Lorzelaufes untersuche. Resultat ist obiges, in den RP. nicht erwähntes Profil des Lorzebettes bis zur Papiermühle. Durch die fast siebenfache Überhöhung wird der Aufbau klar. Dem felsharten »Grienboden« (Nagelfluh?) ist gegen den See hin ein dichter Belag von »schleim und sand« aufgelagert. Darüber fließt vorerst mit schwachem, von der Obermühle an mit stärkerem Gefalle, der Wasserlauf. Der »Bären« am Westufer, sowie die verschiedenen Brücken erleichtern die Orientierung. Die Ausarbeitung dieses Profiles fällt in den Winter 1792/93; als Unterlage diente gewiß Plan 3 * (S. ). Das Projekt ist am obgcnanntcn Tag akzeptiert und das erforderliche Holz aus dem Herrenwald bewilligt worden (vgl. SAR. 15. Februar 1778).

18

Damit ist aber die Tätigkeit Clausners keineswegs erschöpft. Die RP. und auch andere Quellen verzeichnen noch weitere Aufträge, die bisher noch nicht zum Vorschein gekommen sind: 1. Tabellen (siehe S.U. — RP.2S.Mai 1771; SAR.25.Mai 1771). 2. Plan der Einschläge von Steinhausen (RP. 12. Oktober 1771; 19. Oktober 1771; lO.Oktober 1772; SAR. 19.Oktober 1771). 3. Plan des zehntenfrcien Landes von Steinhausen (RP. 23.November 1771; SAR. 16. und 17.November 1771). 4. Plan des Dorfes Steinhausen (23. November 1771; SAR. 16.November 1771). Vielleicht sind mehrere dieser Aufträge zu einem Gesamtplan vereinigt. 5. Plan von Rüti (RP.27.Mai 1775; I.Februar 1777). 6. Ob wegen der »Neüe-Marchhung gegen L. Standt schwcitz« auch Karten gezeichnet worden sind, ist nicht ersichtlich (RP. 23. August 1776). 1. Plan vom »FrynscnChamer gemeindtwald« (RP. I.Februar 1777) ; vielleicht in Plan 5 * verarbeitet (S.17). 8. Plan der Einschläge von Friesencham (RP. 24. Mai 1783). 9. Plan über die Straße gegen Sihlbrücke 1785 (RP. 14. Oktober 1786; SAR. Oktober 1786; Zg.Nj.1937, 43). Format: 27/436 cm. 10. Ob die Grcnzbereinigungsverhandlungcn mit der Gemeinde Baar auch einen kartographischen Niederschlag erfahren haben, weiß ich nicht (RP. 28. Mai 1785; I.Juli 1785; 22.Oktober 1785). 11. »Plan im Rosberg« (RP. 20. September 1788; SAR. September 1788). 12. Zwei Risse zum neucrbauten Ziegelhaus (SAR. 1790). 13. Riß für einen neuen Tabernakel und sechs Leuchter zu St. Oswald, 1777; nur teilweise ausgeführt (RP. 22. Oktober 1774; 23.]wü 1775; KDZg.lL, 141, 248). 14. Staats-Kalender für 1780 und 1787 (RP. 4. Dezember 1779; 4. Februar 1780; 28. September 1786; 23. Dezember 1786).

4. Getreu seinem Versprechen, hat Jakob Joseph Clausner seiner Vaterstadt gedient. Den Fleiß, den er schon im Studium entwickelte, hat er im ganzen Berufsleben bewahrt. Mit Freude, Liebe und Präzision arbeitete er seine Karten durch. »Ein ebenso geschickter als arbeitsamer Mann« charakterisiert ihn AKL (II, I, 205), und RW. (86) bestätigt mit ändern: der »äußerst fleißige und geschickte Feldmesser und Kupferstecher«. Aus den RP. erhellt, daß sein Schaffen gelegentlich einigen Defraudanten ungemütlich geworden ist (19. Oktober 1771; 4. Juli 1772). Die Kartographie erfuhr im 18. Jahrhundert einen tiefgreifenden Umbruch. Waren die alten Kartographen, von Acgidius Tschudi (1505—-72) angefangen, für ihre Karten vorwiegend auf Schätzungen von Distanzen wie Höhen angewiesen, so bediente sich Johann Jakob Scheuchzer (1672—1733) bereits des Barometers, des Thermometers, des Sextanten usw. und erreichte so schon zuverlässigere Resultate. Diese verbesserten sich später wesentlich auf Grund der Dreiecksmessungen, der Triangulation, die mit Basisbestimmung und Winkelberechnung dem Feldmesser

eine sichere Plattform bot. Außerdem hat zur besseren Terraindarstellung General Pfyffcrs Relief der Zentralschweiz (siehe 13 *) mächtigen Antrieb gegeben. — Mitten in diese Zeit des erfreulichen Aufschwunges der Kartographie fällt auch die Fcldmesserlätigkcit Clausners. Aber es brauchte jetzt noch ein gutes Jahrhundert bis das ganze Land in ein zusammenhängendes Triangulationsnetz aufgeteilt war, und darauf gestützt, die bedeutenden Kartenwerke ( General H. Dufours (1787—1875) und H.Siegfrieds (1819—79) der Öffentlichkeit übergeben werden konnten. Heute freilich arbeitet der Geomcter nach noch höher entwickelten Methoden, mit Bildmessung oder Photogrammetric.

Wenn auch das Vaterland immer wieder die Dienste Clausners beanspruchte, ihn gelegentlich sogar als fachmännischen Berater einer »March Commission« beigab (RP. 20. September 1788), so hatte es für ihn aber doch nicht genug Aufträge, um ihn voll zu beschäftigen. Er mußte sich darum nach anderweitigem Erwerb umsehen. Weil er Feldmesser und Kupferstecher zugleich war, liegt es nahe, daß ihm ein sich immer mehr ausweitender Kundenkreis auch kartographische Kupferstiche auftrug. Neben dem Geometer und Kartenstecher kam aber auch der Künstler zu seinem Recht. Dabei ißt es nur zu begreiflich, wenn mathematische Gebundenheit dem künstlerischen Schwung hie und da Zügel anlegte. Trotzdem hat er schon in den ersten Jahren neben seiner Feldmesserarbeit Zeit gefunden, auch präsentable Kupferstiche herzustellen.

IV. Der Kupferstecher 1. Das Kupferstechen ist ein Hauptzweig der graphischen Kunst. Es hat im 15. und 16. Jahrhundert seine Hochblüte erreicht. Der Kupferstich dient der Bildvervielfältigung. Aber nicht nur zur Nachbildung von Kunstwerken großer Meister, die manchmal, wie Rubens (J577—1640), ihre eigenen Gemälde durch den Kupferstich der Öffentlichkeit schenkten, war er bestimmt. Wie der Holzschnitt, so hat sich auch der Kupferstich von Anfang an zu einer eigenen Kunstgattung ausgebildet, indem der Kupferstecher mit dem Grabstichel vor allem selbständige Werke schafft. Hingegen liegt es in der Natur der Verhältnisse, daß er oft aus eigenem Antrieb oder aus Fremdauftrag Vorbilder reproduziert. Mit vollem Recht schreibt Dr. G. Staffelbach: »Insofern sie nach Vorlagen arbeiteten, kann man die Hinterglasmalcr auch mit den Kupferstechern oder Lithographen vergleichen, die trotz ihrer Kopistcntätigkeit Künstler und oft sehr tüchtige Meister waren.« (ZASK, 200.) Dem Holzschnitt wie dem Kupferstich wird Süddeutschland als Ursprungsland zugesprochen. Beide sind in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts aufgekommen. Beim H o l z s c h n i t t haben wir ein Hochdruckverfahren vor uns. Aus dem birnbäumigen Holzstock werden

alle jene Partien herausgeschnitten, welche auf dem Bilde weiß erscheinen sollen. Infolgedessen bleiben die schwarz wirkenden Teile als Flächen, Striche oder Punkte stehen. Diese werden dann cingeschwärzt und geben unter der Druckpresse schwarz an. Nachteilig ist, daß die oft sehr dünnen Stege der feinen Striche gar leicht ausbrechen und so die Bildwirkung leiden muß. Der K u p f e r s t i c h hingegen ist ein Tiefdruckverfahrcn. Hier wird mit dem kantigen, zugespitzten, stählernen Grabstichel an Linien das eingegraben, was schwarz werden muß. Stehen bleiben die weißen Flächen. Auf die fertiggestellte Platte mit dem Spiegelbild der Zeichnung wird die schwarze Farbe mit einem Tampon aufgetragen. Diese füllt die vom Stichel herrührenden Rinnen aus und bleibt darin, wenn die Plattenfläche sogleich wieder reingerieben wird. Jetzt kommt die Platte mit der Bildfläche nach oben auf das Laufbrett der Druckpresse, das angefeuchtete Papier wird darauf gelegt, einige Wollstofflagen darüber; das Laufbrett zieht man jetzt mitsamt der Kupferplatte zwischen den Druckwalzen durch. Dann deckt man ab und legt den Abzug zum Trocknen aus. Für jeden Abzug muß die Platte neu geschwärzt und reingericben werden. Das nutzt sie rasch ab, so daß die feineren Linien mit der Zeit verschwinden; das Bild verliert an Wirkung und Wert. Immerhin lassen sich so insgesamt etwa 1200—1500 Abzüge gewinnen. Der Graphiker arbeitet auch mit Ätzsäuren, welche das Kupfer auflösen. Man nennt dieses Vorgehen R a d i e r e n. Dabei wird auf die Platte zuerst eine Schicht aufgetragen, die aus gemischtem Wachs, Harz, Asphalt und Mastix bereitet wird und Ätzgrund heißt. Auf diese Schicht zeichnet der Radierer mit der Radiernadel die Zeichnung oder Schrift im Spiegelbild ein und legt damit die schwarzdruckenden Stellen der Platte frei. Dann wird die Ätzsäure (Salpetersäure) aufgegossen, welche das Kupfer an den freien Stellen angreift und Vertiefungen einfrißt, während die gedeckten Flächen verschont bleiben. Was sonst der Grabstichel leistet, besorgt hier die scharfe Flüssigkeit. Nach Reinigung kann der Druck der Abzüge wie oben vorgenommen werden. Vielfach werden manche Teile eines Bildes radiert, andere mit dem Stichel bzw. mit Kaltnadel, Roulette, Mattoir usw. bearbeitet, je nach der erstrebten Wirkung. (FL. 5 ff; HL. 15 ff.) Clausners Arbeiten sind meist Radierungen (PB).

2. In diese Kunst ist J. J. Clausner in Zug wahrscheinlich bei Job. Jost Hiltensperger eingeführt worden, der nach LAW. Mscr. »selber kein Meister in der Kupferstecherei war«. Vielleicht schon in Rheinau, gewiß aber auf der Kunstschule zu Straßburg wird das Mangelnde ergänzt, werden die Kenntnisse erweitert worden sein. Ob er sich etwa zwischenhinein oder nach Abschluß seiner Studien, weitere Ausbildung heischend, nach Paris begab, das damals in der Graphik führend war und viele Stecher aus dem Ausland anzog, liegt im Bereich des Möglichen, aber es fehlen bis jetzt die Belege. Französische Schulung ist in seinen Arbeiten leicht erkennbar. Schade, daß es ihm nicht

19

-

vergönnt war, seine Kunstschulung bis zu einem gerundeten Abschluß auszudehnen. »Als die drei Jahre um waren, mußte Klausener auf Einladung M. G. H. nach Zug zurückkehren; er mochte gern wollen oder nicht. Die Obern meinten ,In drei Jahren möge Alles und Jedes, was sie begehrten, in seinen Kopf hineingehen.'« (HL. 58; LAW. Mscr.) So ist denn Jakob Joseph ins werktätige Berufsleben eingetreten. In erster Linie als Feldmesser. Nach und nach mußte er sieh aber einen Kundenkreis schaffen, der ihm mangelnde Aufträge Mgghh. ersetzte. Für den vielseitig begabten, unternehmungslustigen Mann war das nicht allzuschwer. Wo immer eich in seinem Metier eine Betätigungsmöglichkeit bot, griff er zu. Jeder Auftrag war ihm recht; es konnten ihn die Schwierigkeiten nicht abhalten; denn für ihn war es eine Frage der Lebcnscxistcnz. Deshalb konnte er sich aber auch nicht auf einen Zweig spezialisieren, sein Fortechritt blieb gehemmt. Ihm ging es vor allem darum, leben zu können. Landkarten und Stadtpläne, Landschaftsbilder und Porträts, Gesellenbriefe und Andachtsbilder, Büchermarken und Schreibvorlagen, Medaillen und Stempel; alles war ihm der Bearbeitung wert. Und wenn die noch unbelcgten Angaben stimmen, hat er sich auch als Zeichnungs-, Schreib- und Rechnungslehrer betätigt So wie die hungrigen Mäuler um den Familientisch zahlreicher wurden, mehrten sich seine Ernährereorgen. Das spornte seinen Fleiß, brachte es aber auch mit sich, daß der von Grund auf peinlich genaue Arbeiter in nebenberuflichen Aufträgen gelegentlich hastig, flüchtig wurde. »Die Gegenüberstellung der Bilder des sei. Bernurdo da Offida (S. 27, 56 *), gestochen von Domenico Canego, Rom 1795, und der Copie von Meister Clausener zeigen beim Zuger Stecher sowohl eine technische Beherrschung des Metiers als auch eine gewisse Starrheit und Unbeholfenheit der Ausdruckswcise (Faltenwurf, Lilie, Mund, Hände).« (F.) — »Gleichwohl sieht man in seiner Arbeit eine Meisterhand.« (AKL. II., 1.205.) Jedenfalls ist sein Schaffen von den Zeitgenossen begehrt worden. Weniger in der cngern Heimat — »wie gewöhnlich ist und eint oder andcrm auch so geht«, bemerkt Kunstmaler J.K.Moos (LAW. Mscr.) — als in Luzern, Zürich und anderen Schweizergegenden. In zäher Ausdauer hat er eich emporgearbeitet. Sein Kundenkreis erweiterte sich, namentlich für die Kartographie, vorzüglich bei den Freunden der Aufklärung in beiden konfessionellen Lagern — von Pfarrer Schnyder von Wartensee und Pfarrer Schinz, über General Pfyffer zu von Salis-Marschlins, zu Job. Müller und zur Naturforschendcn Gesellschaft in Zürich, zu Schumacher in Luzern und Franz Wild in Bex, zu den Schulmännern von St Urban, und selbst zu Heinrich Pcstalozzi. Diese Namen bürgen dafür, daß seine Leistung geschätzt worden ist, daß er »einer der damals bekanntesten Kupferstecher« war; wenn also nicht ein großer, so doch »für Schweizer Verhältnisse ein guter«. (RG. 61; I'B.)

20

V. Der Kupferstecher-Kartograph L Im Dienste von Pfarrer J. X. Schnyder von Wartensee Der erste, der unsern Kupferstecher von außerhalb seiner Vaterstadt zu kartographischen Diensten beanspruchte, war Pfarrer Johann Joseph Xaver Anton Schnyder von Warlcnsee, geboren zu Luzern am 2. Mai 1750 als ältestes Kind des Franz Xaver. Er erwies sich als geistreicher Mann von vielseitigem, reichem Wissen, als guter Seelenhirt der Entlebucher Pfarrei Schüpfheim (seit Mai 1776), aber auch als fruchtbarer Naturforscher und Schriftsteller. »Der wissenschaftliche Ruf Schnyders drang in weite Fernen; die Naturforschende Gesellschaft von Zürich nahm ihn als Mitglied auf und auch bei der helvetischen Gesellschaft weilte er als Gast.« Er unterhielt einen regen Briefwechsel mit gelehrten Männern, auch des Auslandes, besonders aber mit seinem Freunde Josef Anton F e l i x von Balthasar, der 1770—73 im Entlebuch als Vogt geamtet hatte. Dr. H. Portmami zählt 8 gedruckte und 31 ungedruckte Schriften aus seiner Feder auf. »Sein Ruf lockte viele Reisende, besonders Fremde, in seine Wohnstätte nach Schüpfhcim; er begleitete sie vielfach auf die von ihm so geliebten und oft besuchten Berge.« (HP. 6; 9.) Mitten in seinem Schaffen erlag er einer akuten Entzündung. In Straßburg hatte er sich operieren lassen, schrieb bereits wieder von glücklichem Verlauf der Heilung, als ihn unerwartet am S.Juli 1784 der Tod abberief. Erst 34jährig wurde der »Mann von edelstem Herzen« in Straßburg begraben. (HP. 10.)

Das bedeutendste Schriftwerk Schnyders ist seine »Geschichte der Entlibucher«. Im ersten Teil behandelt er die Landesgeschichte. Der zweite Teil bietet eine »umständliche« Beschreibung des Landes und seiner Bewohner. »Dieses Land, das Schnyder historisch, geographisch, mineralogisch, floristisch, zoologisch, ökologisch in seinen Schriften bearbeitet hatte, aber keine Karte besaß, mußte eine Karte haben«; denn, so schreibt Schnyder selber: »Es war auch unter allen dasjenige, so ich am besten kannte.« Es ist wirklich seine Karte, trotzdem sie wegen dem bescheidenen »J. S.« irrtümlich seinem ebenso gelehrten Amtskollegen J. Stadier in Escholzmatt zugeschrieben worden ist; — trotzdem auch die ganze Autorschaft als »aufgenommen und gestochen« dem Clausner zugeschoben wurde, weil vielleicht tätige Mithilfe bei den geometrischen Vermessungen angenommen werden darf. Das geht klar aus den 15 Stellen hervor, in denen Schnyder auf diese Karte Anspruch erhebt. Ganz eindeutig erhellt dies aus der Stelle: »Meine eigene von Herrn Clausner, Feldmesser und Kupferstecher in Zug, herausgegebene Karte (die aus zwey Blaettern bestehet) Abi), o.

Karle der Zentralschweiz nach General l'l'yHors großem Relief (13*:'IVxt nid«-Srhr 23.4)

\}

ist sehr vollstaendig.« (HP. 15; JSW. l, 4; JlSZg. 1888, 79; JSW. II, 6.)

»Grave par Jos. Clausner ä Zug.« — Stich: 53,2/43,5 cm; Platte: 55,5/45,6 cm. — Egb.

Der Eschlismatter Arzt, Dr. H. Portmann, hat in seiner Schrift: »Pfarrer Sclinyder von Wartensee und seine Karte des Entlebuch« eine ausführliche, interessante Beschreibung derselben geboten und sie im Anhang abgebildet.

Beide Kartenbilder sind reine Radierungen. Nur »für die Schrift und die Kartuschenrahmung . . ., stellenweise auch in den dunklen Teilen der Sennhütte und des Bodens ganz vorn« mag mit dem Grabstichel nachgeholfen worden sein. Das für den Druck verwendete Papier ist ohne Wasserzeichen (= Wz.). (l'R.) Nach dem Urteil der Fachleute sind die Distanzverhältnisse dieser Karten so genau, daß man trigonometrische Messungen voraussetzen muß. RW. errechnete den Maßstab für beide Blätter auf l : 42000 (m — 0,168; j — ± 1JS [+ 3; — 3]). In der N-S-Richtung seien sie etwas zu kurz geraten. Die Höhenangaben seien durchwegs zu niedrig, die Flächen zu klein; der Breitegrad für Escholzmatt mit 46 ° 55 ' gut, die Länge nach Färöer mit 26 ° 33 ' 40 " ca. um l ° zuviel nach O. »Das innere Kartenbild zeigt überall eine überraschende Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, speziell die Berge und Flüsse.« Das Gelände ist einheitlich als Grundriß (Horizontalprojektion) dargestellt. »Schnyders Karte des Entlebuch ist in Anbetracht der damaligen Hilfsmittel und in Anbetracht der Zeit, in welcher sie entstanden, ein vollendetes Kunstwerk und wird dem Darsteller für alle Zeiten zu hoher Ehre gereichen. Was die Kritik daran auszusetzen hatte, fällt auf den Kupferstecher Clausner.« Solche Beanstandungen betreffen z. B. die Höhenschraffierung, die zu markant sei; den Druck, weil zu dunkel; einige Detailbezcichnungen nicht wünschbar genau. Und doch rühmt der Fachmann das Detail als reich und plastisch; die Terraindarstcllung sei von den besten jener Zeit, zwar nicht gerade schön, aber sehr fleißig ausgeführt, so daß man diese Karte »unbedenklich unter die bessern topographischen Arbeiten jener Zeit einreihen darf.« (RW.86; HP. 18; JSW. 232/33; RG. 70/71.)

Die Karte bestellt aus zwei oder eigentlich drei Blättern, insofern der Autor seinem Geschichtswerk noch ein kleineres Kärtchen als Titelillustration bcigab, das eine Zusammenfassung der beiden großen ist. Alle drei Blätter sind von Clausner radiert.

Als gemeinsamen Obertitel der beiden großen Blätter liest man: »Topographische Tabelle«. Die Untertitel lauten: Für die erste Karte: ». . . der beiden Entlibucher Aemter Schüpfheim und Eschlismatt im Canton Lucern«. — Nebentitel: »Garte de la Partie Superieure de L'Entlibuch.« — Für die zweite Karte: ». . . des untern Amtes der Lucernerischen Vogtei Entlibuch Samt dem Markt zu Wolhuaen begreiffend die Pfarreien Entlibuch, Romos, Hasli, Dopplischwand und Theils Wolhausen und Malters. 1782.« (Ohne französischen Nebentitel.) Orientierung S-N, Abweichung ca. 18 ° nach O. — Die Pfarreigrenzen sind handkoloriert. 8 *. Das Blatt des obern Entlebuch weist als Schmuck in den von der Geländedarstellung freigelassenen Eckflächen mehrere Kartuschen in Barockfassung auf, mit Widmung des Kartenwerkes an seinen Freund Felix von Baltliasar, mit Kartentitel, mit »Wappen Ehemals im Entlibuch seßhaft gewesener Edlen, derer Burgstelle einige auf dieser Garte bemerket«, ferner die Darstellung vom Innern einer Alphütte (vgl. HBLS. I, 124), verschiedene Maßstäbe und »Explication« der Zeichen. Signatur: »Chez Jos. Clausner ä Zug.« — Format: Stich: 54,8/44,2 cm; Platte: 55,5/45 cm. — Egb. (= EigenbesitzJ. Aus Angaben Schnyders erkennt man, daß der Entwurf zur Karte bereits 1780 vorlag. 9 *. Das Unter-Entlebucher-Blatt trägt als Schmuck und Füllung je eine Kartusche für Titel und Wappenserie; ferner verschiedene Maßstäbe damals gebräuchlicher Längeneinheiten; Auf- und Grundrisse einer Alphütte; vier Entlebucher Trachtenfiguren. In der Ecke links unten findet sich eine 22/14,5 cm haltende Gesamtkarte des Gebietes beider Blätter, die sich aber mit der Titelkarte (10*) keineswegs deckt. Signatur:

10 *. Das Titelkärtchen zur »Geschichte der Entlibucher« zeigt schon in den Maßen, daß es eine gesonderte Arbeit ist. Stich: 15,1/7,8 cm; Platte: 15,3/8,6 cm. — Egb. — Titel: »Carte der Lucernerischen Landvogtei Entlibuch in ihre Pfarreien eingetheilt 1781.« Die Flächen der Pfarreien sind gefärbt. Maßstab und Zeichenerklärung in Kartuschen. Signatur: »Clausner Sculp: in Zug.« 2. Im Dienste von Pfarrer Hans Rudolf Schinz Durch die gelehrte Vereinigung der naturforschenden Gesellschaft in Zürich ist unser Feldmesser-Kupferstecher nach dem Erscheinen der Entlebucher-Karten in weiten Kreisen bekannt geworden. So erhielt er zwei TessinerKarten in Auftrag vom reformierten Pfarrherr von Uitikon a. Albis (westlich von Zürich). H a n s R u d o l f S c h i n z , geboren 30.Mai 1745; gestorben 12. Januar 1790, Sohn des Kaufmanns Heinrich Schinz, weiland Amtmann von Embrach (1760—62). Als Pfarrer von Uitikon lag es ihm sehr daran, die wirtschaftlichen Lebensbedingungen seiner Landbevölkerung zu heben; darum verfaßte er für dieselbe mehrere wegleitende Schriften. Schon bevor er die Pfarrstclle angenommen

21

hatte, pflegte er das Schwcizcrland nach allen Seiten zu durchwandern. Insbesondere zog ihn der Tessin immer wieder an. Er bemühte sich, ihn nach seiner landschaftlichen, meteorologischen, volkstümlichen, wirtschaftlichen und politischen Eigenheit zu erforschen. Oft weilte er bei seinem Freunde Hans L u d w i g von M e i ß (1745—95) aus Zürich, der ab 1770 Landvogt in Locarno, ab 1776 in gleicher Eigenschaft zu Lugano amtete. Beide erfüllte die gleiche Reise- und Forscherlust. Pfarrer Schinz war auch vielseitiger Schriftsteller und Redaktor mehrerer Zeitschriften. Uns interessieren seine »Beitraege zur naehcrn Kenntnis des Schweizcrlandes«, erschienen in den Jahren 1783—87. Es sind sechs Hefte, von denen das letzte erst nach seinem Tode durch H.v. Orell (1791) herausgegeben worden ist. Dem vierten Heft von 1786 sind zwei Tessiner-Karten beigegeben, die eine vom nördlichen Tessin, dem Livincntal, die andere den Südteil, die Vogteien Lugano und Mendrisio umfassend. Der Redaktor wollte die Lcventiner-Karte bereits im dritten Heft (1784) mitliefern, was aber auf das nächste Heft verschoben werden mußte, weil der Kupferstecher diese »Landchart. . . noch nicht fertig hatte«. Darin kündigt Schinz noch weitere vier Karten an, nämlich: die obgenannte, »äußerst genaue« von Lauis (— Lugano) und Mendrys (= Mendrisio), je eine von Luggaris (= Locarno) und vom Maynthal (= Maggiatal), sowie eine von der Riviera (südlich von Diasca) und der Herrschaft Bellenz. Von diesen ist nur die Luganeser-Mendrisioter, zugleich mit der Lcventincr dem 4. Heft bcigcgeben. Ob die drei ändern jemals gestochen und gedruckt worden sind, und von wem, entzieht sich meiner Kenntnis. Schade, es wäre so das ganze Tcssin, nach seinen historischen »balliaggi« (— Landvogteien) getrennt, in einem gemeinsamen Kartenwerk verbunden gewesen.

11 *. •»Die Landschaft Livenen. Volle Leventina« lautet der Titel zur Karte des Nordgebietes. »J. H. Meyer del: 1784«, so im Titelrechteck links unten; darunter die Signatur: »Clausner Sculp: in Zug«; rechts unten in ebenfalls hochgestelltem Rechteck: Windrose und Zeichenerklärung. Stich: 37,6/24,6 cm; Platte: 38,5/25,5 cm. — Egb. — Projektion: Kavalierperspektive (d. h. Neigungswinkel = 45°). Zur Hauptsache ist die Landschaft radiert; »aber die Eintragung der Bäche und der Hauptkontur der Flüsse, wie auch die Rahmung, sogar die feineren Linien, sind Stichelarbeit«. Das Wasserzeichen im verwendeten Papier ist eine mühsam erkennbare Bourbonenlilic. (PB.) Auf Grund der seither durch Feuersbrunst zerstörten Skizze eines Albertini aus Airolo hat der Zürcher Zeichner und spätere Kupferstecher Johann H e i n r i c h M e y e r (1755—1829) diese Karte gezeichnet. Auf den ersten Anblick erscheint sie für das Auge gefällig, erntet aber bei RW. nicht viel Lob. Maßstab = l : 120000 (m —0,480; f — ± 17,6 [+ 30; — 33]). Das Bleniotal wie das Bedrcttotal nehmen einen unrichtigen Verlauf. Die Talböden sind zu breit; die Talformen werden hingegen bei RG. als richtig, leicht erkennbar anerkannt; die Beleuchtung und manche Details gelobt. (RW.83; RG.66.)

22

12 *. Die zweite Karte, mit Titel in entrollten Pergamenten, heißt: »Die Schweizerischen Land-' vogteyen Lauis und Mendris nebst den Grentzen von Beilenz, Luggaris und Mayländischen Gebiet. — Carta delli Baliaggii Suizzeri di Lugano e di Mendrisio.«. — Signaturen: Unten links: »Dessta di G. Conr: Vinsler di Zurigo.« — Unten rechts: »Grave par Clausner a Zug 1786.« — Stich: 46,2/36,6 cm; Platte: 48/39 cm. — Egb. -- Projektion: horizontal. Auch hier liegt eine Radierung vor, mit gestochener Umfassung der Flüsse und Seen (ebenso deren wugrechte Schroffen), sodann der Schrift und der Umrandung. »Nach dem schwer sichtbaren Wasserzeichen ist das Papier nicht einwandfrei festzustellen. Wahrscheinlich Basler Papier.« (I'BJ Pfarrer Schinz verdankt diese Karte seinem Freunde L. v. Meiß. Als dieser im Tcssin das Landvogtenumt verwaltete, beauftragte er den Ingenieur P i e t r o N e v r o n e , eine Karte dieser beiden Vogteien zu zeichnen. Nevrone fauch Neurone) stützte sich nicht nur auf bereits vorhandene Pläne, sondern führte selber eine Reihe geometrischer Vermessungen durch. Mit dieser, unter des L. v. Meiß Aufsicht und Mithilfe entstandenen Karte beschenkte der nach Zürich zurückgekehrte Altlandvogt die Mathematisch-militärische Gesellschaft seiner Vaterstadt. Sicherlich war es ihm nicht schwer, diese für seinen Freund Schinz zur Vervielfältigung frei zu bekommen, als sie dieser in Kupfer stechen lassen wollte. Durch den damals noch jungen, spätem Staatsmann, Generaladjutanten und Leiter der Landesvermessung, Hans C o n r a d F i n s l e r aus Zürich (1765—1839) ist sie sodann »sorgfältig reducirt« und durch Clausner gestochen worden. Sie »verdient als eine der ersten, etwas zuverlässigen Karten jener Gegend volle Anerkennung.« Nach RW. ergibt sich als Maßstab — l: 85 500 (m — 0,342; f = ± 3,5 [+ 8; — 5]). Die Gewässer, Straßen usw. sind sehr genau eingezeichnet; die Berge raupenähnlich oder als breite Platcaux mit steilen Abhängen; die Beleuchtung senkrecht. Bei der Ausarbeitung des großen Dufour-Atlas hat sie Verwendung gefunden; ein untrügliches Zeugnis für ihre Genauigkeit. (RW.81—83; RG. 66/67.)

3. Im Dienste von General Ludwig

Pfyffer

Wo von Entwicklung der Kartographie gesprochen wird, kann man den Erbauer des ersten Gebirgsreliefs nicht übergehen, den Generallt. Franz L u d w i g P f y f f e r v o n Wyer. Sein Vater, Jost Franz, war ein Nachkomme von des »Schwcizerkönigs« Ludwig Pfyffer (1524—94) jüngerem Bruder Jost (1531—1610); seine Mutter, Maria A n n a war ebenfalls eine Pfyffer, aber vom Ast derer von Altishofen. Als deren ältester Sohn ward Franz Ludwig zu Luzern geboren am 19. Mai 1716. In den Feldzügen, wo um polnische Thron- und österreichische Erbfolge gestritten wurde, hat er sich als Hauptmann der königlichen Schweizer-Leibwache von 1733—48 durch Tapferkeit ausgezeichnet.

Die Ferien pflegte er im Sommer in der Heimat zuzubringen, wo er auch staatliche Ämter bekleidete. 1768 nahm er seinen Abschied aus dem französischen Kriegsdienst. Mit dem zweithöchsten Rang, dem eines General-Lieutenants, und einer Jahrespension von 15,000 Livrcs ließ er sich endgültig in Luzern nieder. Sein Ruhestand war keineswegs Müßiggang. Unternehmungslustig stellte er sich seiner Vaterstadt zur Verfügung, wie er auch früher schon im Großen und Kleinen Rat am Geschick der Heimat Anteil genommen hatte. Schon 1759 hatte er das Bauinspektorat der Stadt übernommen und leitete verschiedene bedeutende Arbeiten, so die Verbauung des wilden Renggbaches und die Erstellung der 41 km langen »Basel crstraße«. Verheiratet war er seit Ostern 1741 mit der frohsinnigen Französin Anna Demel aus Argenteuil, die ihm zwei Töchter, aber keinen Stammhalter schenkte. Am Mühleplatz zu Luzern stellte sein Haushalt in Luxus und Sitte ein Kleinparis dar. Der General starb 86jährig am 19. Mai 1802. (HBLS.y, 426—28; Gfd.67, 120 ff; FIAV.118.)

Was dem General Ludwig Pfyffer vor der Nachwelt mehr Ruhm eingetragen hat als Schlachtensiege und Königsdienst, ist sein 6,61 m langes, 3,89 m breites und bis 29,5 cm hohes R e l i e f der I n n e r s c h w e i z , das den ganzen Kanton Luzern, große Teile von Uri, Schwyz, Unterwaiden, Zug und Aargau, nebst kleineren Gebieten von Zürich und Bern umfaßt.—Vorgängig modellierte er aus Pappdeckel und Wachs ab 1750 ein Relief des Pilatus, den er unzählige Male erstieg. Das Werk wurde viel bewundert und gab den Antrieb zu noch Größerem, bleibt aber leider spurlos verschwunden, sofern es nicht in das größere eingebaut ist. Ca. 1762 begann er mit seinen Distanz- und Höhenmessungen. Dafür wählte er zum Ausgangspunkt den Spiegel des Vierwaldstättcrsees. Luzern ist Zentrum der Anlage. In fast 20jähriger, unermüdlicher Arbeit schuf er, trotz allen Schwierigkeiten, dieses für die Geländedarstcllung bahnbrechende Kunstwerk. Maßstab: horizontal = l : 12 500; vertikal = 1:10 000. Als Material für das aus 136 Teilstücfcen zusammengesetzte Relief soll er Ziegelstücke, gekochten Leim, Kohle usw. verwendet haben; ein Gemisch, das gegen Wärme und Feuchtigkeit standhalten sollte. Für die höchsten Berggipfel soll er sogar OriginalFelsstücke derselben eingebaut haben. Über das Ganze goß er eine Wachsschicht, auf der die Naturfarben jedes Teilgebietes aufgetragen wurden, die aber mit den Jahren eingedunkelt sind. Welche Hindernisse sich dem Werk entgegenstellten, liest man bei Staatsarchivar P. X. Weber (in Gfd.67, 138; vgl.RW.117 ff.). Das Relief ist jetzt im Museum des GlctSchergartens zu Luzern zu sehen, wo auch Pfyffers hölzerne Bcrgschuhe, sein als Zeichnungspültchen einrichtbarer Bergstock, wie auch sein Porträt aufbewahrt werden. (Gfd. 67, 137 ff.; RW. 117—119; RG.61.)

13 *. Das Relief entfachte gewaltig die kartographische Tätigkeit. Schon 1777 ist es von Maler und Radierer B. A. D u n k e r in Bern (1746 bis 1807) als Landschaftsbild gezeichnet worden in Gegenwart des Generals, der aber von der eintägigen Arbeit nicht recht befriedigt war. Um 1786 ließ der Erbauer durch unsern Feldmesser eine Karte nach dem Relief herstellen. Sie trägt den Titel: »Carte / en Perspective / du Nord au Midi. / d'apres le Plan en Relief et les Mesures / du General Pfyffer / Reduit sous son Inspection a 750. Tois: / de france par Ligne. / Par Jos: Clausner Graveur / a Zoug.« — Zeichnung und Platte bestehen aus zwei ungefähr gleich großen Hälften und messen zusammen: Stich: 78,4/63,5 cm; Platte: 93,2/66,4 cm. — Egb. — (Siehe Tafel I I I , Abb. 5.) An den seitlichen Umfassungslinien ist ein Gradnetz angedeutet, auf der Zeichnung aber nur der 26. Längengrad nach Färöer, sowie der 47. Breitegrad am Rande der Geländedarstcllung eingetragen. Die Gcbirgspartien sind in Kavalierperspektive dargeboten, das Hügelland hingegen vorwiegend in Horizontalprojektion. Manche Details sind nicht so ganz der Natur entsprechend geraten, was beim Vergleich mit modernen Karten bei den größeren Seen am leichtesten feststellbar ist. Dennoch wundert man sich in Anbetracht der damaligen mangelhaften Hilfsmittel, daß so viel Genauigkeit erreicht wurde. Das Clausnerische Kupfer wird von den Fachleuten »wertvoller« eingeschätzt als das Dunkersche Reliefbild. (RW. 119—121; RG. 61/62; Gfd. 144; HBLS.2, 765.) Die Karte ist, »Was die Zeichnung anbelangt, rein radiert. Die Beschriftung dagegen, wie die Umrandung und die Schraffen der Seen scheinen mit dem Stichel gearbeitet, aber in Verbindung mit Ätzgrund . . . Das kräftige Papier hat das Basler Wasserzeichen: I. C: Im Hof, Basel«. (PD.) Außer der Zeichenerklärung am Kopf der Karte befindet sich dort eine Vergleichstabelle mit geschätzten Höhen europäischer, afrikanischer und amerikanischer Bergspitzen, welch letztere damals noch als die höchsten der Erde galten. Wie die in »toises« (= Klafter) angegebenen Bergeshöhen zu verstehen sind, erläutert ein Profil am rechten Rand, nämlich vom Niveau des Vierwaldstättcrsees aus gemessen, der selber als 220 toises über dem Meeresspiegel liegend angenommen wird. Dieser Betrag ist also, zur Bestimmung der Meereshölle, den auf der Karte vermerkten Zahlen zuzurechnen. Die Schneegrenze erwähnt die »Observation«_: a 1340. Toises au dcssus du Niveau de la Meer (!) la Neige ne fond plus.« — Es fällt auf, daß manche Täler ohne Detailzeichnung weiß gelassen sind, so daß die flankierenden Gipfel sich ausnehmen wie Inselberge im Ncbelmeer. Für uns ist die N-S-Perspektive ungewöhnlich; beim Anblick des Pfyffer'schen Reliefs versteht man aber, daß nur der Blick von N her gegen die Hochulpen unbehindert über die Hügel des schweizerischen Mittellandes schweifen kann. Heutzutage bedient man sich ja auch wieder südwärtsschauender Relief-Landschaftsbilder.

23

Für Maßstab und Genauigkeit fand RW. die Werte: Maßstab: l : 120 000 ([m — 0,480]; f — ± 6,2 [+ 16; — 6]). (RW. 120.) Die Ziegler'sche Kartensammlung (Universitätsbibliothek Basel) verwahrt drei verschiedene Pfyfferkarten, die den Clausnernamen tragen. (Nr. 5, 6, 7.) Nr. 6 ist die eben besprochene Originalradierung des Zuger Stechers mit zu einem Ganzen zusammengeklebten Haiblättern. Die beiden ändern liegen in getrennten Halblättcrn vor. Da in der Kartenzeichnung bei allen drei Ausgaben »alle Einzelheiten bis ins Kleinste übereinstimmen«, sind sie als Abzüge von den gleichen Kupferplatten Clausners festgestellt Bei Nr. 5 ist aber im Titeloval die Signatur in veränderter Zeilentrennung erweitert worden: ». . . Reduit . . . par Josehp (!) Clausner . . . / et publie / par dir: de Mechel ü Basle / en 1799.« Das führt nun zur Vermutung, der Basler Kupferstecher u n d Kunstverleger C h r i s t i a n v o n M e c h e l (1737—1817), wohnhaft gewesen im Erlacherhof (St.Johannvorstadt 15—17), habe den Clausner-Stich von seinem mutmaßlichen Lehrling, Carl J o s e f Clausner (1782—1808), nach des Vaters Tod (vgl. S. 28, l und 2) ausgehändigt bekommen und habe dann eine Neuauflage veranstaltet. — Weil nun aber die Pfyffer-Karte offenkundig begehrt war, lohnte sich schließlich auch eine dritte Auflage, die in Nr.7 vorliegt. Durch umfangreiches Ausschleifen der erklärenden Beschriftung an den Rändern, besonders aber im Titelmcdaillon, vermochte der zeitgenössische Aufklärungswille dem Randtext ein neues Sprachkleid in grammatikalisch vollkommenerem Französisch zu geben. Der Titel z. B. lautet jetzt: »Garte . . . de la Suisse / . . . Reduite . . . par Joseph Clausner Graveur ä Zoug / et publiee / par dir: de Mechel ä Basle / en 1799.« (PB.; BB.200.)

4. Im Dienste von Albrecht Höpfner Johann Georg A l b r e c h t H ö p f n e r , Sohn eines aus Franken in Biel eingewanderten Apothekers, geboren 1759, gestorben 16. Januar 1813, war zuerst ebenfalls Apotheker, dann Arzt Er spielte in Bern einige Zeit eine Rolle in wissenschaftlichen Kreisen und war Mitglied gelehrter Gesellschaften.

14 *. Nebst ändern Veröffentlichungen gab Höpfner ein auf vier Bände angewachsenes: »Magazin fuer die Naturkunde Helvetiens« 1787—89 heraus. Der erste Artikel des ersten Bandes, betitelt: »Versuch einer Beschreibung des Grindelwaldtales«, ist nicht gezeichnet. In dem mir zugänglichen Exemplar hat eine unbekannte Feder als Verfasser »Kühn senior« beigefügt, der laut Vorrede zum vierten Band »Prediger im Grindelwald« gewesen ist. Zwischen Seite 26 und 27 ist eine »K a r t e von G r i n d e l w a l d « beigeheftet und auf den folgenden zwei Seiten befindet sich eine Erklärung der Buchstaben und Nummern, mit denen die Kartendetails bezeichnet sind. Such: 34,7/43,6 cm; Platte: 36,6/45,8 cm. — Egb. — Signaturen: Kartenzeichner: »Kuhnle«; Radierer: »Clausner S. Zug.«

24

Die radierte Karte hat ganz wenig Schrift, fast nur in den weißen Randgebieten. Die Berge sind in Horizontalprojektion, raupen-, fast eher tausendfüßlcrförmig, dargestellt; die Gletscher wirken wurmartig. Die Bäume in Vertikalprojektion. Im Ganzen bietet sich dem Beschauer (N-S-Richtung) kein besonders ansprechendes Kartenbild. Seine Anlage ist sehr mangelhaft, was nicht verwundern kann, da das vielgestaltige Hochgebirgsgelände für damalige Arbeitsmethoden ungemein schwierig darzustellen sein mußte. Maßstab: l : 53 000 (m = 1,06; f = ± 19,7 [+ 80; — 77]). Daher mag es kommen, daß diese Karte bei RW. nicht erwähnt wird, meines Wissens auch sonst nirgends. Der obgenanntc, unvollendete Artikel nennt weder die Karte noch deren Zeichner, noch den Stecher. — »Die Bäche mit einfachen Linien sind wohl mit dem Stichel gegraben.« — Wz. »Anker und Initiale D.« (HBLS. IV, 259; AH.I,l—28; IV. Vorr., XL; PB.)

5. Im Dienste von Franz Samuel Wild Der Ruf von der Tüchtigkeit unseres Kartenstechcrs hat sich offenkundig immer weiter verbreitet. Bis ins Rhonetal war er gedrungen. Der Berghauptmann F r a n z Samuel W i l d (1743—1802), Oberingenieur der bemischen Salinen, hatte seinen Sitz seit 1784 in Bex. Für sein »classisches Werk«, betitelt: »Essay sur la montagnc salifere du Gouvernement d'Aigle, situc dans le Canton de Berne« (heute Kanton Wuadt), benötigte er eine Karte, die er dem ihm vermutlich von der obgcnannten Publikation Höpfners bekannten Clausner in Auftrug gab. Auch diese Karte hat eine verwickelte Vorgeschichte. \\ ilil's zweiter Amtsvorgänger, Ingenieur I s a a c • Gamalicl de R o v e r e a , Bernerbürger savoyardischer Abstammung (geboren 1693 zu Bex, gestorben ebendaselbst 1766), hat in zehnjähriger Arbeit (ca.1734—44) eine »Gurte des quatre Mandements d'Aigle« aufgenommen. Sie gilt als ein vorzügliches Werk »mit großem Fleiß und Geschick, unter Anwendung geometrischer Methoden, wahrscheinlich größtenteils mit dem Meßtische ausgeführt, etwa im Maßstab von l : 9000«. Nach Haller eine »mit 1000 Thalern würdig belohnte Arbeit«. Man rühmt ihr große Genauigkeit nach; aber sie blieb Zeichnung. Wild dachte an Veröffentlichung dieser Karte in Verbindung mit seinem erwähnten »Essay«. Eben hatte er einen jungen Praktikanten in seinem Dienste, den spätem helvetischen Bergbaudirektor Johann S a m u e l G r ü n e r (1766—1H24). Durch ihn ließ Wild nun die ungeheuer große Roverea-Karte etwa 6% mal verjüngen.

-w Abb. 6. Allegorische Ahnrngeslall der Familie Ölt von Xürich Zeichnung und Radierung von (Mausner (35*: siehe Seite 27)

15 *. Sie trägt jetzt den Titel: Carle du Gouvernement d'Aigle levee topographiquement par Mr.de Roverea, Pere, et reduit par Mr. J.Sam. Grouner, avec des Explications petrographiques.« Die Radierung »mit wenig Stichel« der RovereaGrüner - Wild'schen Karte mißt 38,4/42,5 cm; Platte: 42,4/47,6 cm. — Egb. — Signatur: »Grave par Joseph Clausner ä Zug.« Aus der Collection Glasson in Fribourg, jetzt verwahrt in der Bibliotheque Cantonale et Universitaire«, war ein Exemplar bereits auf der Schweizerischen Landesaus-

Abb. 7. F.x-Libns für Abt Januuriu.3 1. von Rheinuu (60*: siehe Seite 27)

.

Abb. 8.

Ex-Libris für Beat Fidel, den letzten Zurhuihcii (62*: siehe Seite 29)

Stellung von 1896 in Genf zu sehen, zugleich mit dem Zuger Gesellenbrief (vgl. 19* und Tafel I, Abb.l). Die Karte ist für uns ca. 75 ° nach W verschoben. Auffüllend sind die zwei mitten ins Berggelände plazierten Windrosen, von denen die östliche, den von de Roverea errechneten, unrichtigen Meridian darstellt. Die westliche entspricht dem richtigen, von Wild korrigierten Meridian von Bex. RW. errechnete den Maßstab auf l : 61 750 (m = 0,247; f = ± 1,0 [+ 2; — 1]). Sie gehört zu den besten Karten jenes Zeitabschnittes, wie auch zu den ersten des Schweizergebietes, die ausschließlich im Grundriß (Horizontalprojektion) durchgearbeitet sind. Ihre Anlage ist »so genau . . . als man nur immer erwarten kann.«. (HBLS.Vll, 531; V, 727; HBSG.I, 68, Nr. 403; ENSG.25, Nr. 100 und 108; SW-330; RW.59/60; RG.57/58; PB.) Nach RC. sind die Berge in zeitgenössischer Art teils in Raupcnform, meist aber als abgestufte Terrassen, die Felspartien, statt mit Schraffcn, mittels klein welligen, fast schuppenartig wirkenden Bändern dargestellt. Als Maßstab ist das Verhältnis der französischen Klafter zum landesüblichen Bernerfuß (Pieds de Berns) angegeben, in welchem Maß in den »Explications« die Bergeshöhen vermerkt sind, gemessen vom festen Punkt aus, der nahe der Rhone, zwischen der Ortschaft Bex und dem Wort Valais, mit + bezeichnet ist. Die Farben- und Zeichenerklärung bezieht sich auf die Gemcindegrcnzen, sowie auf die geologische Schichtung (Calcaire, Granitique, Gypse.) (RG.57/58.) Der Kartentitel findet sich auf mächtiger, erratischer Felsplatte. Dahinter wird ein Bergknappe mit Schubkarren sichtbar. Seitlich davor erkennt man unter schattcnspendender Kiefer den Meßtisch mit Theodolit, Sinnbilder der geometrischen Arbeitsweise des Kartenzeichners — Papier o.Wz. Dem Zeichner wie dem Stecher billigt RW. einen »nicht unbeträchtlichen Anlheil« an der fleißigen Herstellung dieser Aiglerkarte zu, wenn auch selbstverständlich das Hauptverdienst dem Vater de Roverea vorbehalten bleibt. — Franz Wild seinerseits schreibt in seinem »Essay« über die Karte: »J'ai donc trouve de l'erreur partout . . . Cependant ces erreurs ne tombant que sur des pointes (Bergspitzen), und n'affectant que peu ou point le pays habitc, j'ai prefere de nc point toucher ä un ouvrage qui n'cst pas le mien; . . ..« Als seinen eigenen Anteil bezeichnet er das Eintragen der vorkommenden Gesteinsarten, sowie die Bestimmung der Polhöhe des dargestellten Gebietes, die er für seine Wohnung »cn Nagelin« bei Bex mit 46" 13' 17" angibt. (RW.59; FW. 328—330.)

6. Im Dienste von Carl Ulysses v. Salis-Marschlins Der jüngst verstorbene Staatsarchive!' P. X. Weber in Luzern weiß von guten Beziehungen des Generals Pfyffer zur Familie der von Salis zu berichten. Somit ist es verständlich, wenn Clausner auch zu diesem alten Bündnergeschlecht in Beziehung gekommen ist. General Pfyffer muß seinem Stecher wohlgesinnt gewesen sein, wenn er ihn d e m weitgereisten Naturforscher C a r l U l y s s e s v o n S a l i s - M a r s c h l i n s so warm empfohlen hat. Auch Albrecht Höpfner mag für ihn gesprochen haben; denn C. U. von Salis hat in Höpfners »Magazin«, von dem oben

(S. 24, 14 *) die Rede war, im zweiten Band zwei Aufsätze erscheinen lassen aus seiner Heimat Graubünden, über die Gemsen den einen, über die Bären den ändern. Das Stammschloß der von Salis von Marschlins liegt in der Gemeinde Igis, im Bündner Rheintal. Carl Ulysses (geboren 1760, gestorben 1818) war Sohn des französischen Ministerresidcnten Ulysses von Salis (1728—1800). Er hatte die Ehre und Freude, seinen Onkel Anton, Generallieutenant in neapolitanischen Diensten, 1788 auf einer Reise zu begleiten, welche dieser als »Inspecteur General des Suisses et Grisons« durch Sizilien und Calabrien unternahm. Das literarische Ergebnis ist das zwei- (3 ?) bändige Werklein, betitelt: »Beitraege zur nutucrlichcn und oekonomischen Kenntniß des Koenigrcichs beeder Sicilien«, in welchem er, teilweise in der damals beliebten Briefform, seine Eindrücke, Erlebnisse, Forschungsergebnisse über Land und Leute der bereisten Gegenden einein weitern Leserkreis mitteilt. Dem zweiten Bändchen hat er fünf Karten beigeheftet, von denen drei die Signatur unseres Kupferstechers tragen. (HBLS.Vl, 19; Gfd.67, 154; AH. U, 111, 133.) Veranlassung zur Beschreibung des Königreiches beider Sizilien (auch Königreich Neapel und Sizilien geheißen), wie zu den erläuternden Karten, war die furchtbare Erdbebenserie, der Südkalabrien und Sizilien in den Jahren 1783—86 inkl. ausgesetzt waren. Nicht weniger als 1193 registrierte Erdstöße verschiedener Stärke erschütterten damals das häufig derart geprüfte Land. Von den 439,776 Einwohnern der »Calabria Ultra« sind total 35,160 durch die Katastrophe ums Leben gekommen. Furchtbar waren die Verheerungen, namentlich in Calabrien, wo das Zentrum der Erdbewegungen unter der Stadt Oppido lag. Durch Verlagerung bedeutender Erdmassen sind den Wasserläufcn die normalen Wege versperrt worden. Es stauten sich infolgedessen 215 vorher ungekannte Seen auf, der größte etwa 1,4 km lang, 730 m breit und über 35 m tief. Um anbaufähigen Boden zurückzugewinnen oder Seuchenherde versumpfter Gebiete zu beseitigen, war es unumgänglich, diese Neuseen trockenzulegen. Völlig zerstörte Städte sollten abseits vom Trümmerhaufen nach wohlüberlegtem Bauplan (siehe unten 17 "') neu erstehen. Die beigegebenen radierten Karten gestatten, in Verbindung mit der Darstellung des Autors, willkommenen Einblick in den Umfang der Katastrophe wie des Wiederaufbauwerkcs der königlichen Regierung. (CUSM.183; 145.)

16 *. Die erste Karte zeigt das kalabresische Erdbebengebiet in seiner Gesamtheit. Es liegt auf der Fußspitze des »italienischen Stiefels« und ist umspült vom Tyrrhenischen Meer im W, vom Jonischen Meer im O. Von der Insel Sizilien ist nur das Küstengebiet der Straße von Messina sichtbar. Die Windrose im Jonischen Meer zeigt eine um etwa 20 ° NW abweichende Orientierung der Karte. Darunter bietet eine Gedenktafel im Spätrenaissancestil den Kartentitel: » C a l a b r i a U l t r a . Aufgenohmen in den Jahren 1784 und 1786 von Luigi Ruel, Jngen.« — Signatur: »Clausner Sc: Zug.« — Stich: 29,5/26 cm; Platte: 31,7/ 28,5 cm. — Egb. — Siehe Tafel H, Abb. 4. 25

Die Terrainzeichnung in Horizontalprojektion, Gebirge in Kavalierperspektive, wirkt sehr gefällig und erforderte aufmerksame Arbeit des Zeichners und des Stechers. Ein Vergleich mit modernen Karten läßt jedoch eine teilweise Verzerrung der Küstenlinie leicht erkennen. Trotzdem durfte sie von Salis, mit Rücksicht auf damalige ungenügende geodätische Hilfsmittel, »als genau und gut anpreisen.« Das eingezeichnete Gradnetz nennt den 38. u. 39.° n.Br., sowie den 34. und 35. ° östl. Lg. von Färöer. Es lohnte sich den Genauigkeitsgrad im Vergleich zu heutigen Karten zu errechnen; das Ergebnis war ein mittlerer Maßstab von l : 545 730 (m— 0,364; j = ± 12,09 [+ 93; — 55]). Die Karte ist also ungenau. — Schrift und Einfassung sind mit dem Stichel gearbeitet, das übrige ist radiert. — Wz. ist nicht genau bestimmbar. (CUSM.II, 4; PB.)

17 *. Das zweite Kärtchen bietet den •»Grundris der Statt Palmi« und ist signiert: »Clausner Sc:«. Der Maßstab läßt sich hier wie in der folgenden Karte mangels genügend großer Vergleichskarten nicht bestimmen. Stich: 12,7/17 cm; Platte: 14,4/18,6 cm. — Egb. — Ausführung in Radierung und Stichel. — Papier o. Wz. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um den Grundriß einer großen Basilika, so geometrisch regelmäßig sind die breiten Straßenzügc, die einstöckig gedachten, ausgedehnte Gärten . umschließenden Häuserblocks, die halbkreisförmige Parkanlage, der Domplatz usw. angeordnet. So wie die reiche Handelsstadt Palmi, nahe dem Golf von Gioja, sollen eine Reihe kalabresischer Städte neu erstanden sein. Die Erklärung der im Plan angebrachten Buchstaben wird S. 240 für das nächste Bändchen angekündet, das mir aber bisher, trotz mehrerer Versuche, nicht zu Gesicht kam.

18 *. Die dritte Karte endlich führt, auf im Gelände liegendem, entrolltem Pergament, den Titel: »Plan der 215. Seen, Welche die Erderschütterungen im Jahre 1783 in dem jenseithigen Calabrien hervorgebracht haben.« Signatur: »Clausner Sc. Zug.« Stich: 25,6/28,8 cm; Platte: 28,2/31,3 cm. — Egb. Die Orientierung ist um etwa 70 ° nach ONO verschoben. Eine Bemerkung des Autors läßt vermuten, daß er diese Karte vielleicht selbst erstellte oder durch einen Berufszeichner anfertigen ließ. In Horizontalprojektion sehen wir das seeiireiche Erdbcbcngebiet vor uns. Das Gelände ist nicht gerade eindrucksvoll dargestellt. Intercssanterweise findet man bereits die Stundorte der planmäßig angelegten Neustädte eingetragen. — Ausführung als Radierung, verbunden mit Stichelarbeit. — Wz. Agnus Dei. (CUSM.II, 189 und 139; PB.)

VI. Der vielseitig beanspruchte Kupferstecher Bisher haben wir Jakob Joseph Clausner als den Feldmesser und Kartographen kennen gelernt. Darauf kam es

26

an, diese Art seiner Berufstätigkeit, seinen Hauptberuf klar herauszustellen. Der verfügbare Raum gestattet es nicht, weiter auf seine nebenberufliche Tätigkeit einzugehen. Wenn möglich kann das später nachgeholt werden. Als Ersatz möge der nachfolgende Werkkatalog sein vielgestaltiges Lebenswerk vervollständigen. Vielleicht getrauen sich dann auch noch andere Arbeiten dieses Meisters aus ihren bisherigen Verstecken hervor. Diesbezügliche Meldungen nehme ich dankbar entgegen.

35 *. Allegor. Ahnengestalt der Ott. Blatt II. — Sign.: »Causner del: et Sculp: Zug.« — St.: 15,1/10,5 cm; PL: 16/12,1 cm. — Siehe Tafel IV, Abb.6. 36*. Chilian Ott. 1434—1500. Blatt IV. — Sign.: »Werdmüller delin:« — »Clausner Sculp: Zug.« — St.: 15,5/ 10,5 cm; PL: 16,6/12,3 cm. 37*. Hermann Ott 1470—1521. Blatt V. — Sign.: »Werdmüller delineavit« — »Clausner Sc: Zug 1786.« — St.: 15,5/10,5 cm; PL: 17/12,3 cm.

4. Im Dienste von F. X. Schumacher, Luzern 1. Im Dienste der Zünfte 19*. Zuger Gesellenbrief. — Sign(atur): »Clausner Sculp: in Zug.« — St(ich): 31,5/42 cm; Pl(atte) im HistAnt. Museum Zug: 32/43,5 cm. — War ausgestellt an der Landesausstellung in Genf 1896. — Egb. — Siehe Tafel I, Abb.l. 20*. Luzerner Gesellenbrief von 1795. — Sign.: »Clausner Sculp: in Zug.« — St.: 31/38,5 cm; Pl. im Archiv der Bürger-Korporation Luzeru: 32/39,4 cm. — Egb. 21*. Mellinger Gesellenbrief. — Sign.: »Clausner Sculp: Zug.« •—• St.: 44/36,6 cm; Pl. im Schweiz. Landesmusesum, Zürich: 44,7/37,6 cm.

2. Im Dienste von Ingenieur J. Müller, Zürich 22*. Titelblatt zum 11. Heft der Merkwürdigen Überbleibsel von Altertümern in der Schweiz. 1782. Mit Bild: Mordnacht von Zürich 1350. — Sign.: »Clausner Sc: in Zug.« — St.: 17,5/10,1 cm; PL: 18,5/11,5 cm. — Egb. 23 *. Titelblatt zum 12. Heft der Merkwürdigen Überbleibsel ... 1783. Mit Bild: Schloß Uctliberg von 1268 — Sign.: »Claus: Zug.« — St.: 17/11,7 cm; PL: 18/12,9 cm. — Egb. 24*. Bürgermeister Rudolf Stüßi. 12. Heft. — Signatur: »Clausner f. Zug.« — St.: 15,3/13,1 cm; PL: 18,1/ 13.2 cm. 25 *. Schlacht an der Sihlbrücke bei Zürich. 1443. 12. Heft. — Sign.: »Clausner Zug.« — St: 18,2/12 cm; PL: 18,9/12,2 cm. 26 *. Venus-Statue aus Erz zu Zürich gefunden 1696. 12. Heft — Sign.: »Clausner S. Zug.« — St.: 15/8 cm; PL: 15,9/8,4 cm. 27 *. Mcrkuislutue uus Erz; 1669 zu Zürich ausgcgraben. 12.Heft.— Sign.: »Clausner Zug.« — St.: 17,4/13,5cm; PL: 18/13,9 cm. 28 *. Cuno von Klingen, Ritter zu Feldbach. Grabplatte. 12.Heft. — Sign.: »Clausner S.Zug.« — St.: 18,8/11 cm; PL: 20,7/12,3 cm. 29*. Karl der Kühne. 12.Heft. — Sign.: »Clausner.« — St: 13,7/10,5 cm; PL: 13,9/10,5 cm. 30 *. Winkelried von Unterwaiden. 12. Heft, — Sign.: »Clausner f: Zug.« — St.: 14,8/14,5 cm; PL: 15,5/ 15.3 cm. 31 *. Merkurstatue zu Uster gefunden 1694. 12. Heft — Sign.: »Clausner Zug.« — St.: 15,2/8,2 cm; PL: 15,8/ 8,4 cm. 32 *. Heinrich Stapfer, Vogt zu Kyburg 1461. 12. Heft. — Sign.: »Clausner Sc. Zug.« — St.: 15/13,2 cm; PL: 15,6/14 cm. 33 *. Jacob Stapfcr, Ritter, Vogt zu Kyburg 1508. 12. Heft. — Sign.: »Clausner Sc. Zug.« — St.: 14,8/13 cm; Pl.: 15,7/14 cm.

3. Im Dienste von J. C. Ott, Zürich 34 *. Titelblatt zu: Icones Virorum Ottiorum. = Ahnengalerie der Ott. — Sign.: »Clausner Sc: Zug.« — St.:15,5/ll,5 cm; PL: 16/12,4 cm.

38 *. Prospekt des Knutwiler Bades, Luzern. 1791. — Sign.: »F. X. de Schumacher Luc. C:Vir. dclin:« — »Clausner Sc: Zug.« — St.: 19,5/30 cm; PL: 21/32 cm. — Egb. 39 *. Elevation der Stadt Luzern ä Vue d'oiseau. — Sign.: »Alles unter des Hr: Autors Aufsicht gegraben von Joseph Clausner von Zug 1792.« — St.: 82,7/105,8 cm; 4 Platten im Archiv der Bürgerkorporation Luzern: 83,4/108,1 cm. — Vornehmster Clausner-Stich. — Egb. — Abb. in FlAV.46/7.

5. Im Dienste der Bruderschaften 40 *. Bruderschaft Moriae vom guten Rat, Adligenswil 1776. — Sign.: »Clausner in Zug.« — St.: 12,8/7,9 cm; PL: 13,3/8,5 cm. 41 *. Bruderschaft vom Hl. Kreuz, Sursce. — Sign.: »Clausner Sc. in Zug.« — St.: 14,4/9,6 cm; PL: 15,6/11,3 cm. -Egb. 42 *. Josephs-Bruderschaft, Sursee. — Sign.: »Clausner in Zug.« — St.: 12,8/6,8 cm; PL: 15/10 cm. 43*. WeTjcrbruderschaft Sursee. — Sign.: »Clausner in Zug.« — St.: 12,1/7,3 cm; PL: 13,2/8,6 cm. 44*. Lukasbrudcrschaft Sursee. — Sign.: »Clausner Sc: Zug.« — St.: 16/9,5 cm; PL: 16,6/10,2 cm. — Egb. — Abb. in LSG. Tafel 5. 45*. Maria-Mitleiden-Bruderschaft Sursee. — Sign.: »Job: Peter von Esch del:« — »Clausner Sc: in Zug.« — St.: 10,7/6,1 cm; PL: 11,6/6,7 cm. — Egb. — Abb.in ZASK.1944, Tafel 53, Abb.9. 46 *. Bruderschaft Jesus, Maria und Joseph in Maria Zell bei Sursee. — Sign.: »J.C.Meyer del: et Pinx.« — »Clausner Sc: Zug.« — St.: 14,9/9,1 cm; PL: 16,3/ 10,5 cm. — Egb.

6. Andachtsbilder 47*. Jesus segnet die Kinder. — Sign.: »Clausner S.Zug.« — St.: 14,7/7,7 cm; PL: 16/9 cm. 48*. Kreuzigungsgruppe. — Sign.: »Clausner fecit Zug.«-— St.: 12,1/6,8 cm; PL: 13/7,3 cm. 49*. I.Station vom Kreuzweg. 1796. — Sign.: »Clausner« — St.: 11,2/6,8 cm; PL: 13/8 cm. — Egb. 50*. II. Station vom Kreuzweg. 1796. — Sign.: »Clausner S.Zug.« — St: 11,5/6,9 cm; PL: 13/8 cm. 51 *. Maria zum Schnee, Rigi. — Sign.: »Wolff delin:« — »Cluusner Scul.Tugy.« — St.: 35,2/22,7 cm; PL: 35,7/ 23,5 cm. — Egb. 52 *. Dasselbe Bild wie 51 * in kl. Format — Sign.: »Clausner Scul: Tugy.« — St.: 11,8/6,7 cm; PL: 12,1/7,1 cm. — Egb. 53 *. Gnadenbild vom Wesemlin, Luzern. — Sign.: »Clausner Scul: Tugy.« — St: 12,2/6,3 cm; PL: 12,9/7,4 cm. 54*. Titelbild zu einer Standesunterweisung. 1788. — Sign.: »Clausner Sc. Zug.« — St.: 14/7,7 cm; PL: 14,6/8,7 cm. - Egb. 55 *. Bmder-Klausen-Bild nach der Brandcnberg-Statuc. 1772. — Sign.: »Clausner Sculp.« — St.: 15,7/9,7 cm; PL: 17,2/12,8 cm. — Hist-Ant Museum, Zug.

56 *. Bernard von Offida. 1795. — Sign.: »Clausner fecit in ZUR.« — St.: 13,2/7,3 cm; PL: 13,5/ca. 8 cm. — Siehe S.20. Vorbild: St.: 17,3/11,3 cm; PL: 18/ca. 12 cm.

7. Porträts 57*. Abt Leodegar L von Engelberg. — Sign.: »M.Meyer pinx: et del:« — »Clausner Sc: Zug.« — St.: 15,4/ 8,8 cm; PL: 16/9,8 cm. — Egb. 58 *. Joseph Ignaz Zimmermann, Luzern. — Sign.: »M. Meyer Pinx: Luzern.« — »Clausner Sc: Zug.« — St.: 11,5/6,6 cm; PL: 12,6/9,6 cm. 59*. Titelbild zur Gedenkrede auf Johannes Geßner. 1790. — Sign.: »Clausner Zug.« — St.: 11,4/7 cm; PL: 14,4/ 8,2 cm. — Egb.

8. Ex-Libris 60*. Abt Januarius I. von Rheinau. — Sign.: »Jaco: Jose: Cluusner Sc. Tugy.« — St.: 13,5/9,5 cm; PL: nirgends feststellbar. — Siehe Tafel IV, Abb. 7. 61 *. Fidel Landtwing; Bibliothek St. Andreas-Burg. — Sign.: »Clausner Sc:«. — St.: 9,4/7,3 cm; PL: 9,6/ 7,7 cm. 62 *. Beat Fidel, der letzte Zurlauben. — Sign.: »Clausner Sc.Zug.« — St.: 8,7/6,9 cm; PL: 9,4/9 cm. — Egb. — Siehe Tafel IV, Abb.8. 63*. Beat Caspar Hegglin. — Sign.: »Jos. Clausner Tugii f:«. — St: 8,3/6,2 cm; PL: 8,8/6,8 cm. — Stadtbibliothck Zug. LAW. Mscr. 64*. Abt Martin von St Urban. — Sign.: »Dörflinger Bcron: delin:«. — »Clausner Sc. in Zug.« — St.: 12,5/ 8,2 cm; PL: 13,1/9 cm. — Egb. 65 *. Anton Leonz Dürler, Bcromünster. — Sign.: »Clausner Sculp: Tugy.« — St.: 6,7/6 cm; PL: im Schweiz. Landesmuseum, Zürich: 7,1/6,8 cm.

9. Im Dienste des Klosters St. Urban 66 *. Titelblatt zur SchönschrcibumVitung für die Normulschule. 1784. — Sign.: »Gestochen von Jos: Clausner in Zug.« — St.: 15,6/20,1 cm; PL: 16,8/21 cm. — Egb. 67 *—84 *. Schreibverlagen. 18 nicht signierte Platten. — St.: 15,2—4/20,1—3; PL: 16,4—9/21,1—6 cm. — Egb.

10. Im Dienste von Heinrich Pestalozzi, Burgdorf 85 *. Tabelle l in Heft l vom ABC der Anschauung der Maßverhältnisse. — Sign.: »Sculp: J: Clausner ä Zug.« — St: 16,5/14,2 cm; PL: 18,5/17 cm. — Egb. 86 *. Tabelle 3 in Heft II von ABC der Anschauung der Maßverhültnisse. — Sign.: »Sculp: Jo: Clausner a Zug.« — St: 16,6/15,5 cm; PL: 18,3/17,4 cm. — Egb.

11. Im Kommissions-V erlag 87 *. Enthauptung Ludwigs XVI. 1793. — »zuhaben bey Clausner in Zug.« — St.: 18,1/20,2 cm; PL: 19,2/ 22,7 cm. 88 *. »Fahnen Mont- und Armaturen« von der Grenzbesetzung bei Basel 1792. — »zuhaben bey Clausner Graveur in Zug.« — St: 26,8/41 cm; PL: 28,1/42,3 cm. Gemeldet sind noch je ein Stich vom Kloster Einsiedeln (LAW. Mscr.) und vom Kloster Muri (Zg. N. 20. November 1909), die aber bisher noch nicht zum Vorschein gekommen sind. 12. N e b e n b e r u f e . Stempelschneider und Medailleur. LSG. vermerkt: »Am 20. September 1770 wurden dem Graveur Cluusener in Zug (vom Seckelamt Luzern) zwei

27

Kanzleipetschafte bezahlt« (III. 324). Dag ist bisher die einzige Spur für diesen Betätigungszwcig. — HI. (I, 538): »ziemlich guter Medailleur; dabey verfertigte er auch alle Sorten Schriften auf Messing-Blechen durchschnitten.« Auch davon war bisher nichts zu sehen. Schreib-, Zeichnungs- und RechneiirLehrer. LAW. Mscr.: »Gab Unterricht im Zeichnen und in der Rechnungskunst u. A. mehr.« — ZgN. (20. November 1909): »Heimgekehrt, ernannte man ihn zum Schönschreib- und Zeichnenlehrer seiner Vaterstadt.« Als sein Lehrmeister wird genannt: Kunstmaler K. J. Keiser (l 702—68) und als seine Schüler die späteren Kunstmaler: K. F. Brandenbcrg (1763—1839). 3. K. Moos (1774—1835), F. J. Mentelcr (1777—1833). — Für all das fehlen noch die Belege. — Auf jeden Fall hat Clausner zur St. Urbaner »Anleitung zum Schönschreiben« (vgl. S. 27: 66*—84*) zwar die 19 benötigten Platten gestochen, aber die Schreibvorlagen und das Regelwerk sind dem damaligen »Schreibmeister der Normalschule« von St. Urban, P. Konrad Guggcnbühler (1756—88) zuzuschreiben (SUS. 93/4). Kunstmaler J. K. Moos soll seinem vorgeblichen einstigen Lehrer anhänglich geblieben sein und ihn sogar porträtiert haben. Aber das Gemälde sei den Geißweidflaminen zum Opfer gefallen. Tatsache ist, daß LAW. eine Reihe Einzelheiten über den Feldmesser aus den Aufzeichnungen des J. K. Moos geschöpft hat.

VII. Lebensschicksale 1. Die F a m i l i e . Nach achtjähriger Berufstätigkeit durfte Jakob J o s e p h daran denken, eine Familie zu gründen. Der »ehrbare und kunstbeflissene Jüngling« reichte seiner »ehrsamen« Braut: Anna B a r b a r a Nothburga S i dl er von Zug (1751—1807) am Montag, den 13. Juli 1778 die Hand zum Lebensbunde (PfA.Zg.Eheb.). Die zunehmende Kinderschar, die vom 28. Juli 1779 bis 24. August 1794 allmählich die Apostelzahl erreichte (6 Buben, 6 Mädchen), mehrte fortgesetzt seine Ernührersorgen. »Theure Zeiten (1770 Hungersnot), Krieg, Gewachsene Familie, eigene, sowie Krankheit der Frau, suchten ihn heim« (LA W. Mscr.); wir ahnen, welche Sorgen den geplagten Mann drückten. Zwei verheiratete Söhne vermochten den Stamm bis heute zu erhalten: G e o r g Josef (1786—1855), Schneider, lebt weiter in der Baslerlinie; Franz X a v e r (1789—1869), vulgo: »der große Schneider«, in der Zuger- und Zürcherlinie. Zwei andere Söhne zeigten Anlagen für die Graphik. Der älteste Sohn, Carl J o s e f (1782—1808), ein gut talentierter Jüngling, war beim Vater in der KupferBtccherlehre gewesen. Von ihm sind bis jetzt vier Arbeiten bekannt, wovon eine Handzeichnung im Hist.-Anl. Museum in Zug aufbewahrt wird. — Trotzdem dieser Sohn größere Talente mitbekommen hatte als der Vater, wandte er sich später aus noch unabgcklärten Gründen dem Kriegshandwerk zu. Als »Corporal in spanischen Diensten« fiel er am 15. Juli 1808 im Kampfe gegen Napoleon I. in den Gefechten hei Jaen (Spanien).

28

Sein Bruder H e i n r i c h Anton (1785—1850) war Buchbinder und wohnte in der Hintergasse. Im StA. E. befindet sich ein Holzschnitt, der ihm zugeschrieben wird (vgl. Zg.Nj. 1947, S. 45). 2. S t L u k a s b r u d c r s c h a f t . 1784 ist »Herr Jacob Joseph Clausener, Jnschinier« zum Mitglied dieser Bruderschaft, der Künstlergilde, angenommen worden und »dessen Frau Anna Barbara Sidlerin 1791« (LBP.102). Er muß in diesen Kreisen etwas gegolten haben, denn am 13. Dezember 1795 und am 11. Dezember 1796 ist er als Vierer (== Vorstandsmitglied) bei der Rechnungsrevision mitbeteiligt; Sitzungsgeld 12 ß 3 a. In der Jahresrechnung 1797 (S. 7) steht mit Datum seines Todestages der Eintrag: »Juli 5. Für den verstorbenen Mitbruder Herr Clausner, Graveur und Medailleur, ausgegeben Für eine hl. Messe 20 ß . . . Dem pedell die leichenbegräbnis anzusagen 20 ß. Fürs Kreuz zu tragen 5 ß. Jeden (der 2) Leuchtenträger 10 ß, macht l gl. 5 ß. Diese Notizen bieten uns einen kleinen Einblick in damalige Gepflogenheiten. Schade, daß er nicht noch ein Jährlein länger leben durfte. Er hätte dann am 22. Oktober 1798 ebenfalls Anteil gehabt an der Teilung des Bruderschaftsvermögens, die jedem Künstler 46 gl. einbrachte. Bezeichnend heißt es dort im Protokoll: »Da . . . durch den Einzug der Franzosen die ganze Schweiz eine Regierung erhalten, die alle Kassen in Eine, und diese an sich zu ziehen scheint . . ., so haben wir heute den 22. Weinmonat . . . nach dem Beispiel der meisten hiesigen Zünften . . . für gut befunden, unser Eigenthum von den befürchteten Zeitumständen auf das sicherste ... zu nützen« (S. 7 und 10). Punkt 2 verordnet: »Solle des Kupferstecher Klauseners seligen Sohn (*) in Hinsicht seiner Dürftigkeit 14 Gulden auf Basel geschickt werden«, was die Jahresrechnung entsprechend quittiert (S. 12). — * Vermutlich ist hier der damals löjährige älteste Sohn, Carl Josef, gemeint, der in Basel irgendwo, vielleicht beim Kupferstecher Chr. von Mcchel, zur Ausbildung untergebracht worden war. 3. Der G e i ß w e i d b r a n d . Die schwerste Heimsuchung unseres Feldmessers war »die erschreckliche Brunst«, welche gcrüchtcweise aus der Leichtfertigkeit eines unvorsichtigen Ofenhcizers entstanden war. Ein eindringlich beredter Übergang von Fastnacht zum Aschermittwoch ist dieser 19. Februar 1795 geworden, als kurz nach Mitternacht die Flammen aus des Tischmachers Leonhard Stadiin Haus emporschössen und in zehnstündigem, heißhungrigem Fraß 28 Gebäude ganz oder teilweise in Asche legten, 111 Personen obdachlos machten, 85,000 gl. Brandschaden verursachten. Das größte Glück im grauenhaften Unglück war es, daß der eisige Biswind, der das Wasser in den Spritzen fast zum Einfrieren brachte, nach 3 Uhr nachließ und so ein Weitergreifen der Feuersbrunst verhindert werden konnte. (Zg. Kai. 1933, 51—53; FF], 57—64.) Das beigcgebene Kärlchen (Tafel U, Abb. 3) klärt die Situation. Die Brandstätte liegt zwischen Baarertor (heute Postplatz—Neugasse) und Kapuzinerkloster. In der Gebäudezeile von sieben Häusern, zwischen Geißweid und Schweinemarkt (•=- Hinlere Antonsgasse), das erste gegenüber den an die Innensuite der Stadtmauer geklebten Werkhütten, ist des Feldmessers Haus und Werkstatt. Vom Brandherd in der bergwärts liegenden Häuserreihe trug die scharfe Bise »Glüesen« auch auf des Clausners und auf die Nachbarhäuser.

Mit Not gelang es, die kranke Frau und das kleinste Kind zu retten, nebst einigen Kupferplatten und etwas Bettzeug. Dagegen verzehrten die Flammen den ganzen Verlag mit alten Stichen und Zeichnungen, einige der Stadtkanzlei gehörige Grundrisse im Werte von 1200 gl. (worunter der oben S. 15, I. 2 genannte), sowie seine Werkstatt mit zwei Druckpressen und allem Werkzeug (PAW. 4661, 396/397; Gen. II, 270; FFJ. 59). Stadtpfarrer und Dekan Job. K o n r a d B o s s a r d (1765—1830), dessen Mutter eine ältere Schwester der Feldmessersgattin war, nahm die ganze Familie mit den zehn noch lebenden Kindern von 2—16 Jahren ins Pfarrhaus auf, bis sich eine geeignete Wohnung in der Altstadt-Obergasse fand. Allgemein war die Teilnahme der Bevölkerung am besonders schweren Mißgeschick des völlig verarmten Feldmessers. Doch »er hatte auswärts, wie in Luzern, gute Freunde, die ihm beisteuerten« (Zg. Kai. 1933, 53). Besondere Erwähnung verdient das Beispiel vorbildlicher Solidarität, das die Lukas-Bruderschaft ihrem schwer heimgesuchten Kunstbruder bewies. »1795. Auf den 19. März haben die Herren Vorsteher die übrigen Herrn Künstler zusammenberufen lassen, um Ihnen vorzustellen das groß Unglück, welches nebst vielen, unesrn lieben Mitbruder Jakob Joseph Klausner, Kupferstecher, den 19. Hörnung dieses Jahrs durch die erschreckliche Brunst getroffen. In Erwägung dessen (ist) beschlossen worden: daß . . . ermeltem Hr. Klausner Brandsteür 25 Gl. und in die allgemeine Brandkasse 50 Gl. gegeben werden« (LBP.27 und Seckelrechnung S.l). Auf der Schadenliste ist des Kupferstechers wirklicher Schaden mit 2682 Gl. 10 ß angegeben; für den Schadenersatzanspruch abgerundet auf 2680 Gl. — Laut Reparationsliste sind ihm ausbezahlt worden: I. Betreffnis: 670 Gl.; Nachtrag vom 11. November 1795 weitere 335 GL, also insgesamt: 1005 Gl. (PAW. 4661, 396/397 und 401/402). — Während bürgerliche Geschädigte für ihre Neubauten von Mgghh. gratis Bauholz und Ziegel zuerkannt erhielten, suchen wir in den RP. den Clausnernamen umsonst unter den Glücklichen. Er wird wohl, wie manche andere, den Boden, auf dem sein verbranntes Heim gestanden, verkauft und so »um thcuren Preis« das Haus in der obern Reihe der Obergaß erworben haben (Assek.-Nr.50; Zg. Kai. 1938, 55; Kauf-Brief-Prot. Stadtkanzlci. 4. Oktober 1800). Wie sehr die Katastrophe den leidgebeugten Mann zu tiefinnerst erschreckt hat, ersieht man aus dem falschen Alarm, den er am 19. Juni 1795 verursacht hatte. Frau Nachbarin Brandenberg in der untern Zeile der Obergaßhäuser (Assek.-Nr. 51, Zg. Kai. 1938, 51) war daran, das Abendmahl zu richten. Das lodernde Herdfeuer reflektierte durch die offene Stübentur an der Wand. Von seiner gegenüberliegenden Wohnung aus erblickte der Feldmesser den unruhig flackernden Widerschein. Gleich tauchte in seiner Phantasie das Branderlebnis vom letzten Winter auf. Voll Schrecken schrie er zum Fenster hinaus: »Fürio in der

Obergaß!« — »Seine Frau flöchte (= die Fahrhabe rettend fliehen) schon Hausrat und trug ihn in den Pfarrhof, und seine vielen Kinder sprangen in alle Gassen und machten Lärm, so daß das Volk haufenweise zulief, zwei Feuerspritzen kamen angefahren.« (Zg. Kai. 1933, 53/54). Tags darauf notiert RP.: »Kupferstecher Klausener, so gestern ganz unvorsichtiger weis von Karl Bartlj Bberg feür ausgerufen, und ganz unbegründt ein großen Lermen, und schrökcn verursacht, solle, wie schon vorläufig geschehen, durch S : T : Stbf. ernstlich geahndet werden.« Trotzdem beschlossen Mgghh. am Tage, da er sein 51. Lebensjahr vollendete (14.Novembcr 1795): »Dem feldmesser Klausener sollen wegen Getrang von Häuslichen umständen; und Mgghh. und Burger treulich gemachten Arbeit, und erwiesenen Diensten ... 2 louidors aus dem bürgerlichen Sekellamt bezalt werden« (SAR. 25 GL). 4. S e i n S t e r b e n . Hat auch das erschütternde Erlebnis vom Aschermittwoch seine Nerven stark angegriffen, so hat ihm doch »der Gram über sein Schicksal . . . den Lebensfaden« nicht abgeschnitten (ZgN. 20. November 1909). Sein Todesjahr ist vielfach um zwei Jahre zu früh angesetzt worden. Gleichwohl scheint er eine Ahnung vom kommenden Ende gehabt zu haben. Zwei Tage vorher hatte er in Cham auf einem Gute Vermessungen vorgenommen. Beim Abschied soll er die Bemerkung cingcflochtcn haben, »er sei das letzte Mal hier gewesen«. (LAW. Mscr.)

Mittwoch, den 5. Juli 1797, als er morgens 5 Uhr sich eben anschickte, zur Arbeit zu gehen, ereilte ihn vermutlich ein Hirnschlag. So darf man wenigstens aus dem Sterberegister schließen, weil das »Sacramentalfiterj absolutus« wenigstens zeitweise Bewußtsein des Sterbenden voraussetzt (PfA. Zg.). Der Feldmesser und Kupferstecher hat ein Alter von 52 Jahren, 7 Monaten und 21 Tagen erreicht. Er liegt begraben auf dem Friedhof bei St. Michael in Zug. Jäh aus seinem Beruf herausgerissen, fand sich für ihn kein vorgebildeter Nachfolger am Ort. Deswegen hat die unterdessen eingesetzte helvetische Stadtregierung am Hauptort des kurzlebigen Kantons Waldstätten, Zug, für Vermessungen Fachleute von auswärts kommen lassen müssen, wie die SAR. ausweisen: 1801 den »feldMesser Müller von Engelberg« (den Miterbauer des Reliefs der Zentralschweiz von J. R. Meyer in Aarau) und 1803 den »feldMesser schmid«. Für die Familie war es ein harter Schlag. Acht Kinder im Alter von 4—18 Jahren waren jetzt in arger Not der Mutter überlassen; drei Kinder waren schon gestorben, der 14jährige Franz M i c h a e l Konrad kaum zwei Monate vor dem Vater; eines scheint bereits in der Fremde untergebracht gewesen zu sein. Schon in seiner nächsten Sitzung sieht sich der Stadtrat veranlaßt, helfend einzuschreiten. »Kupferstecher Klauseners seel frau um 8 Kindern sind auf anhalten seines Bruders und Schwagers Heinrich Anton Aklins, einstweilen l brod (ä 5 Pfund), 30 ß aus dem bürgerlichen Sekellamt und i Pfund Anken vom Spitelamt wöchentliches Allmosen ZugeKant beynebens Hr. Rathsh Bossard beauftraget, und ersucht mit den allseithigen ver-

29

Wandten, diese Haushälterische umstand zu beseitigen, und ein Vogt zu verordnen.« (RP.S.Juli 1797; PAW.4661, 276.) Außerdem spendeten Mgghli. vom »Herren Kernen . .. Kupferstecher Klauseners 6 Kind und frau ... 2 Viertel« (RP. 16. Dezember 1797; nach Zürcher Maß sind =/< Mi'M Kernen = 41,4 Liter = 57,5 Pfund; KO, 101). Bereits sind also drei Kinder irgendwie verdingt. Der Feldmesserswitwe war es ernsthaft darum zu tun, die Familie mit Waschen und Putzen durchzubringen. SAR. berichtet: »der Wittwe Klausencr für Dischzcüg des E(ürger): General Chebran zu waschen 8 gl. 32 ß 4 a.« — Sei es nun, daß die heranwachsenden Kinder nach und nach zum Mitvcrdiencn herangezogen oder daß sie auswärts in Stellung gebracht worden sind; jedenfalls weisen die SAR.

ein fortschreitendes Herabmindern der behördlichen Unterstützungen auf, die ab Ende März 1804 nur noch in Naturalgaben bestehen. Von 1801—04 konnte die Witwe den durch Auslosung ihr zugefallenen »Pflanztheil« in der oberen Allmend nutzen. Stadtpfarrer K. Bossard, als Neffe der Wwe. Clausner, wird es gewesen sein, der dem dritten Sohn, Heinrich Aulen, zu einer Buchbinderlehrc in Zürich verhelfen hat, da durch ihn dem Knaben die erbetene Unterstützung (6 gl. 10 ß) zugeleitet wurde; derselbe Sohn mag gemeint sein, wenn es am 30. Juni 1803 heißt (SAR.): »Deß Kupferstecher Klausseners seel Presthaften Knab zahlt 2 gl. 10 ß.< Das Leid ging also in der Familie nicht aus.

Abkürzungen zu benutzter Literatur und Quellen AI. AH.

AKL. ARh. E. ARh. Z. BAZg. BB.

Bl. CUSM.

ENSG.

F. FFJ. FIAV.

FL. FW

Gfd. HBLS. HBSG.

HL. HP. HS. JlSZg.

JSW.

30

=

Dr. A. Iten: »Die ehemaligen Fischereirechte . . .«, Zug 1920. Alhrecht Höpfner: »Magazin für die Naturkunde Helvetiens.« Zürich 1787—89. 4 Bände. H. H. Füßli: »Allgem. Künstlerlexikon . .« Zürich 1806. Kloster-Archiv Rhcinau; EinsiedlerBestände. Kloster-Archiv Rheinau; Staatsarchiv Zürich. Bürgerarchiv Zug. H. Eppens: »Baukultur im Alten Basel.« Basel. 3. Auflage. Dr. J. Blumcr: »Staats- und Rechtsgeschichte der Schweiz. Demokratien.« St Gallen 1850 und 1858. 2 Bände. C. U. von Salis-Marschlins: »Beiträge zur natürlichen und Ökonom. Kenntnis des Königreichs beider Sizilien.« Zürich 1790. 2 Bände. »Exposition Nationale Suisse, Geneve 1896.« Cartographie, Groupe XX. Catalogue Special. K. Freuler, SMB., z. Z. in China. »Freiwillige Feuerwehr . . . Zug.« Jubiläumsschrift 1929. »Festschrift des Schweiz. Ingenieur- und Architekten-Vereins . . . September 1893 in Luzern.« Luzern. Fr. Lippmann: »Der Kupferstich.« Berlin 1896. Franc.ois Sam. Wild: »Essay sur la Montagne salifere du Gouvernement d'Aigle . « avec une Garte . . . Geneve 1788. »Der Geschichtsfreund.« Hist. Verein der V Orte. Einsiedeln, Stans. »Hist.-Biogr. Lexikon der Schweiz.« Neuenburg 1921—34. »G. Em.von Hallers . . . Bibliothek der Schweizergeschichte.« Bern 1785 ff. Dr. H. Lcporini, Wien: »Der KupferstichSammler.« Berlin 1924. Dr. H. Portmann: »Pfarrer Schnyder von Wartensee und seine Karte des Endebuch.« Schüpfheim 1925. H. R. Schinz: »Beiträge zur nähern Kenntnis des Schweizerlandes.« Zürich 1783—87 und 1791. »Jahresbericht der Kantonalen Industrieschule . . . Zug.« J. Schnyder von Wartensee: »Geschichte der Entlibucher.« Luzern 1781/82. 2 Bde.

Dr. L. Birchler: »Die Kunstdenkmälcr des Kantons Zug.« Basel 1934/35. 2 Bände. P. Kläui: »Ortsgeschichte.« Zürich 1942. KO. LAW. Mscr. = Lanrlammann A.Weber: Handschriftlicher Nachlaß. Stadibibliothek Zug. St. Lukas-Bruderschaft, Zug: Protokolle LBP. und Rechnungen. Stadtbibliothek Zug. Landlwing'sches Fideikommiß, Zug. LFk. Leu-Holzhalb: »Allgern. Helvet . . . LexiLH. kon.« Zürich 1747. Zug 1786 ff. Dr. D. F. Rittmeyer: »Geschichte der LuLSG. zerner Silber- und Goldschmiede-Kunst.« Luzern 1941. »Meyers Konversations-Lexikon.« Leipzig MKL. 1902—10. PAW. Gen. — P. A. Wickart: »Genealogien der lebenden Bürgergeschlechter.« Mscr. 5 Bände. P. A. Wickart: Sammelband. Mscr. StadtPAW. 4661 bibliothek Zug. Pfarrarchiv Cham-(Hünenberg). PfA. Ch. » Merenschwand (Aarg.). M. » Risch. R. » Walchwil. W. » Zug. Zg. Schriftliche Auskunft von Frau Dr. PfiPB. ster-Burkhalter, Assist. Kupferstichkabinett, Basel. Gemeinde-Protokoll der Korporation Zug. PKZg. Band 1860—69. Dr. R. Grob: »Geschichte der Schweiz. RG. Kartographie.« Bern 1941. (Stadt-)Rots-Protokolle Zug; im BürgerRP. archiv Zug. Dr. R. Wolf: »Geschichte der VermessunRW. gen in der Schweiz . . .« Zürich 1879. »Seckell-Ambts-Rechnung«; im BürgerSAR. archiv Zug. Dr. C. Brun: »Schweiz. Künstler-Lexikon.« SKL. Frauenfeld 1905. 4 Bände. Stiftsarchiv Einsiedeln. StA. E. Stadt- und Amts-Rats-Protokolle; StaatsStARP. archiv Zug. Dr. Anna Hug: »Die St. Urbaner SchulSUS. reform . . .« Zürich 1920. Dr. F. K. Stadiin: »Topographie des KanTop. tons Zug.« Zug 1818—24. 4 Bände. Dr. W. J.Meyer: »Zuger Biographien und WJM. Nekrologe.« Zug 1915. ZASK. »Zeitschrift für Schweiz. Archäologie und Kunstgeschichte.« Basel 1944. Zg. Kai. »Zuger-Kalender.« = Z g. N. »Zuger Nachrichten.« Zg. Nj. = »Zuger Neujahrsblatt« KDZg.

Saftnadjt war'«. $ie tollen Anette — 9Jod> ben |>umpen rjielt bie Dlcd)te 2(u* ben £änbetn öd)ii>nj unb Uti SBoßten übet 3ug unb 3Ruri Warf) be« 18clfrt)I8 reichen (Sauen, 6e(b unb Süfle fiel) ;u (lauen. (Sammelten fid> oor bem ßtäbtcfjcn, (Soffen mattet, neetten OTä'bdjen. „!>a! (SaDOBen roitt nidjt jaulen? SBcrben mir bie 9m1)tiuna malen Jluf bie §äffer, auf bie Stauen! ba« bannet mit ben ©auen!" (5d)aubetnb mieb fie bet Gerechte, 911* bie <3d)ar bet taufenb Sncrfjfc ötitylenb inirel) bie Sriifjlingtffturen "Seitwärts 309. 3ln Ujren (Sputen •Ratten (Sdjioeine nur öcfciUen. „|>od> ba« Sännet! öcnf mufj faden!" 3n bem tordte(nben 6efd)Ied?te Janb man balb nur nod> JBejed&te, 91IIe, bie bie Arbeit jagten, <5'ar) man ba mit ilinen raffen. „?luf il)r trüber in ben öaucn! Sofgt bem 35annet mit ben ©auen!" Salb etjittetten bie OTädjte, 6enf erlebte Sdjrcefengnädjtc, OSaabflanb, DJeuenburg fd)on roarcn 3ummcI|>Ia& bet tollen icdiaten. 3n bet Sagfafcung. mit Stauen ©ud)f man ben befonbct« (Schlauen. Gnblid)fllücftee«, — jum Segen! (Sie jur llmfcfet ;u bewegen. 6enf Berfprarf) adjttaufenb öiilbcn. Moth um ciele anbte |>ulben 'Seilfdjten bie Safinad)t*Dafa(ten, SiJ e£ cnblid) pa§te allen. (So: tin Xcrfel allen ^ncd)ten Unb ein Stunf, boa> nid)t »om (Sd)(ed)ttn! '?ann crfi war bie (rchnr jufticbcn, (öenf iinuV autb, wenn fie'^ nuc mieben!) Sc()tte fteimwärtä ftolj wie ^fauen: ba« 9Jannei mit ben 6auen!" JRolf Selber.

Das Bild der Dorfschaft Walchwil in ihren Hof- und Hausnamen Von Guntram Saladin.

N den Siedelungs- und Flurnamen einer Dorfmark liegen wesentliche _i\m>4 Aufschlüsse geborgen über ihre Gründer, ihre zeilliche und örtliche • Entfaltung, ihre Wirtschaft, ihre natürliche Gestaltung und Beschaffenheit, kurz, über ihr ganzes Wesen und Werden. Es ist daher nicht recht vernünftig, diese Namen als leeren Schall zu gebrauchen und dabei nichts zu denken, wie man es im allgemeinen gewohnt ist. Freilich müßte das Nachdenken über den Sinn dieser Wortgebilde in sehr vielen Fällen abprallen an der Tatsache, daß sie eben Überbleibsel der Sprache von Leuten sind, die vor vielen Jahrhunderten gesprochen haben. Die Orts- und Flurnamen erwuchsen unabsichtlich und unwillkürlich aus dem Schaffen und Erleben des mit Natur und Gelände eng verbundenen Menschen der geschichtlichen Frühzeit, aus dem täglichen Umgang der Haus- und Dorfgenosscn. Sie blieben haften an Flur und Heim, wenn auch die natürlichen, wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse im Lauf der Jahrhunderte sich vielfach änderten. Damit lösten sie sich aus dem lebendigen Zusammenhang mit der Umgangssprache, sie wurden isoliert und erstarrten zu bloßen Marken, die in uns nur die Vorstellung der bezeichneten örtlichkeit erwecken, während wir nicht nach dem Sinn und Grund der Bezeichnung fragen. 1 ) Nun gingen mit der Zeit der Umgangssprache Wörter, Wortbildungselemente, ja selbst Lauterscheinungen verloren, Bedeutungen entwickelten und veränderten sich, die Namen aber bewahrten altes Wort-, Formen- und Bedeutungsgut: Asch, Lotenbach, Secki, Juhen, Wihel,Underbach. Natürlich machten sich die in der Mundart wirkenden, z.T. gesetzmäßigen Lautvorgänge auch im Namengut geltend und zwar gerade wegen seiner isolierten Stellung in besonderm Maße. Dazu kommen gelegentlich Gedankengänge, die zu Umdeutungen, Anlehnungen und Vermischungen geführt haben, uns aber verschlossen sind. Überhaupt ist das Beobachten und Denken des ungeschulten, von sogenannter Zivilisation unverbildeten Bauern der alten Zeit ganz anders als unser heutiges; sein naives Naturerlebnis, seine bildhafte Phantasie, auch sein unzimperlicher Humor ist uns Heutigen meist abhanden gekommen. All das trägt dazu bei, unsere Heim-, Flur- und Ortsnamen dunkel und rätselhaft zu machen. Dieses Dunkel aufzuhellen, die verborgenen Erkentnisse herauszuarbeiten ist Aufgabe der sprachgeschichtlichen Untersuchung und der Betrachtung des Geländes. Es gibt aber tausend andere Flur- und Heimnamen, die dem Auf31

geschlossenen ohne sonderliche Mühe reizvolle Dinge aus Natur, Geschichte und Volkstum der Heimat zu künden vermögen, an denen der große Haufe achtlos vorbei geht. Schuld daran ist ein gewißer papierner, stubenhockerischer Geist unserer Schule, die zwar Geographie, Geschichte und Staatsbürgerei doziert, aber über die natürlichen und wirtschaftlichen Grundlagen der Dorfgemeinschaft, über die Eigenart und Schönheit der Heimat hinwegsieht. Hier muß die richtig aufgefaßte Heimatkunde einspringen, die am Nächstliegenden beobachten und denken lehrt und Geist und Gemüt gleich anzuregen vermag. Der folgende Beitrag soll die Namen der stark zerstreuten Siedelungen unserer Gemeinde in sachlich verwandte Gruppen zusammenfügen und zeigen, wie uralte Natur und junges Menschenwerk in diesem eigenartigen Sprachgut sich wiederspiegelt, das zwar in aller Munde und doch dem rechten Verständnis entrückt ist. Der Beitrag im Zuger Neujahrsblatt für 1943 »Ein Gang durch die zugerischen Ortsnamen« hat gezeigt, daß beide Glieder des Namens Waldiwil dafür zeugen, daß wir hier auf römischem Kulturboden stehen. Wo der Hof dieses Romanen stand, könnte uns nur ein zufälliger Fund und dann der Spaten des Forschers verraten; er wird wohl im Kern des Dorfes, im Umkreis der Kirche gestanden haben. In Dunkel gehüllt bleiben wird auch der Zeitpunkt, da alemannische Siedler in diesem mit Sonnenwärme gesegneten Hang einzogen. Man darf mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß hier wie überall in unserm romanisch-germanischen Grenzlande in einer Übergangszeit Galloromanen und Alemannen nebeneinander lebten. Namenzeugniße deutscher Siedler treten nicht im engern Dorfbereich auf, sondern in der Mittellage des nördlichen Hangabschnittes, was wohl auf die erste Erweiterung des Kulturlandes durch die Einwanderer deutet. Es handelt sich um die Namen Gossenlingen und Utigen, die Siedelungen eines Gossilo und eines Uto, die erste in auflallend steiler Lage fast am Rand eines Bachtobels, die zweite an freierer, sanfter geneigter Stelle. Die Grundform des verkleinerten Gossilo erscheint in den Ortsnamen Gossau (824 »Gossesouwa«), Gosswil und ändern; sie stellt die hochdeutsche Verschiebungsform des ursprünglichen Stammesnamens Gote dar. Utigen, ein Name, der sich bei Walterswil wiederholt, enthält den in Ortsnamen häufigen verdunkelten Kurznamen Uto. Über die Namenbildung auf-ingen wurde im Neujahrsblatt 1943, Seite 6, gehandelt. In der unbetonten Stellung des dreisilbigen Namens ist die Ableitungssilbe -ingen zu -igen erleichtert worden, während sie im viersilbigen Wort einen Nebenton bekam und erhalten blieb. Der Alemannenhof Utigen hat zwei bemerkenswerte Ableger. Auf ungefähr gleicher Höhe des südlichen »Hinterberges« liegt etwas abschüßig aber schön geborgen der Utenberg*}, der wohl erst in späterer Zeit in Ober- und Underutenberg geteilt wurde. Eine noch jüngere Gründung ist sicher das Utlgli, wenig oberhalb der Muttersiedlung Utigen, eine Bezeichnung, die rein äußerlich, wider alle Formgesetze abgeleitet wurde, da man doch zu einer Dativ-Mehrzahlform 32

(»bei den Leuten des Uto«) kein Diminutiv bilden kann; daß es dennoch geschah, beweist eben, daß die Flexionsform Utigen schon ganz dem Verständnis entzogen und erstarrt war.3) Damit ist die Zahl der auf alte Siedler weisenden, also der Siedelungsnamen im engern Sinn schon erschöpft. Alles andere gehört dem Typ der Flurnamen an. Die Bezeichnungen der Fluren gingen einfach auf die Siedlungen über; auch das zeigt, daß die Hof- und Ortsnamen nicht, wie manche Namendeuter zu meinen scheinen, mit Absicht und Überlegung gewählt und beigelegt wurden. I. Bezeichnungen nach natürlichen Verhältnissen. Im Vordergrund stehen für uns die Bezeichnungen, die sich auf Geländeform und Bodengestalt beziehen, denn von diesen natürlichen Gegebenheiten hängt die bäuerliche Wirtschaft ab, deren Kern der Getreidebau war. Von diesem Gesichtspunkt gesehen ist das beste Walchwiler Gelände die sanft geneigte Hangstufe, deren Winkel linker Hand das »Oberdörfli« mit der Sankt Antonskapelle einnimmt. Sie ist nördlich vom Sagenbachtobel, südlich und westlieh von der »Halten« und vom Steilhang unter der »Chilchmatt« begrenzt. Dieser behagliche Erdenfleck trug im Mittelalter eine treffende, heut vergessene und verdunkelte Bezeichnung. Das Habsburger Urbar aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts 4 ) hat folgende Eintragung: »Ze Teninkon, ze Knonowe, ze Walchwile und ze Emmuton hat diu herschaft ze richtenne düb und frevel«, d. h. die höhere und niedere Gerichtsbarkeit. Das Jahr/eitbuch von St. Michael in Zug aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts nennt häufig einen Namen »Emnotten«, »Einmotten«. 6 ) Nie verrät es, daß diese Siedelung mit Walchwil etwas zu schaffen hat; der heutige Dorfname ist immer scharf davon getrennt. Nach beiden alten Quellen muß man annehmen, daß es sich um zwei verschiedene Dorfgenossenschaften handle. Zwei für die Geschichte Walchwils grundlegende Urkunden machen die Sache klar. Die von 1379 spricht von den »dörfern ze Walchwile und ze Emmetten«, die von 1398 fängt an: *Wir, die hoflütte ... der zweiger dörfer ze Walchwile und ze Emmotten.« 6 ) Das Jahrzeitbuch verzeichnet auch viel mehr Bewohnernamcn für »Emnotten« als für Walchwil, so daß es scheint, das heutige »Oberdörfli« sei größer und auch gesellschaftlich bedeutender gewesen. 7 ) Es ist daher vielleicht nicht zu kühn, zu vermuten, daß in diesen auffallenden Tatsachen die Unterscheidung zwischen einer romanischen untern und einer deutschen obern Dorfschaft nachklingt. Der untergegangene Name erklärt sich aus der altdeutschen Ableitung »ebanoti« 8 ) zum Eigenschaftswort eben, mundartlich äbe(n), einer Bildung sächlichen Geschlechts, neben der weiblichen »ebani«, Ebene. Das Wort lebt als Äbnet, Äbnit in einer Menge von Flur- und Ortsnamen weiter. Ebenso häufig sind aber die Fälle, wo sich - bn zu - mm - assimiliert hat, wodurch die Form Ämmet entstand. In der Schreibung Emnotten ist die Anglei33

chung der Konsonanten noch nicht vollständig. Die Vokale zeigen den bekannten Hang der Schreiher zum Altertümeln 9 ); die - u - und - o - der alten Belege sind schon im 13. Jahrhundert nicht mehr gesprochen worden. Zur Zeit der Urkunden lautete der Name sicher schon Ammeien. Woher kommt aber die Endung —en? Sie ist vielleicht durch Anlehnung des verdunkelten Wortes an »Matten« entstanden, das sich hier wie in der Innerschweiz mehrfach aufgedrängt haben mag. Der Name Ämmet (gewöhnlich mit E geschrieben) haftet im Zürichbiet und im Aargau häufig an erhöhten Flächen und schwach geneigten Hangstufen. Auch an ändern Emmeten wie dem hoch über Erstfeld 10 ) und dem bekannten von Nidwalden 11 ) lassen die Kartenbilder keinen Zweifel. Giswil hat an charakteristischer Stelle eine Verkleinerungsform Emmetti.12) Daß unser Bergabsatz den alten Siedlern verhältnismäßig eben vorkommen mußte, ist begreiflich. Wir werden dem wirtschaftlich wertvollen Geländeabschnitt in ariderm Zusammenhang wieder begegnen. Gegen Süden biegt sich diese Ebnet/lache in einen brettgeraden Steilhang ab, unter dem wir eine jener Sandsteinschichten ahnen, die wir am ganzen »Vorderberg« verfolgen und im Querschnitt an der Fluh des Grindwäschibachfalles schön beobachten können. Es ist die Halten, die besonders die Wintersonne zu fühlen bekommt und einst einen Rebberg trug. Das Zuger Jahrzeitbuch verzeichnet eine »matten, genannt an der Halten« 13 ). Die Bezeichnung der Geländcform ging mit der Zeit auf drei Heimwesen über: Ober-, Mittlerhalten und zuunterst das Haltli, heute das größte und beste der drei Häuser. Zu den großen Formen gehört auch der Büel, die mächtige Nagelfluhrippe, die das Sagenbachtobel auf seiner rechten Seite begleitet und auf einem Absatz das Schützenhaus mit seinem prächtigen Ausblick trägt. Hier windet sich der älteste Weg ins Dörfchen Emmeten hinauf, auf dem Maultier oder Esel ihre Lasten trugen. Nach dem »Büel» werden einige Häuser an seinem Fuß benannt. Beim Heimwesen Hohbüel hat sich die Erhöhung schon mit dem Berghang ausgeglichen. Fräebi'iel heißt ein Südwesthang unter dem Flachrücken der Bergallmend, wo die Frühlingswärme zuerst den Graswuchs weckt; die Bezeichnung ist in neuester Zeit auf die militärische Strafkolonie übergegangen. Von den konvexen zu den konkaven Formen. Im Sec/a14) hieß einst ein Heimwesen, das dem Bahnbau weichen mußte. Das Wort meint die große Einsackung und Einbuchtung des Ufergeländes südlich vom Kurhaus; über ihr lag das Gütchen, das jetzt vom Geflügelhof des Herrn Walder eingenommen wird. Secki ist wie die Ortsnamen Waldi, Bächi der Nachklang eines altdeutschen Biegungsfalles (Lokativ): az sackiu(=lat. ad saccum), am Sack. Die Bezeichnung muß früh nicht mehr verstanden worden sein, so daß sie als Name links und rechts auf Häuser übertragen wurde, wo sie nicht recht paßt. Zum Vordersecki werden die Häuser vor dem Kurhaus gezählt; Hindersecki heißen die letzten Häuser hinter demselben. Ebenfalls am obern Rand einer sehr abschüssigen Hohlform liegt das kleine Heimen ChelLen' hinter dem Ferienheim Aesch. Daß unsere Ahnen ohne kleinliche Bedenken Gelände34

formen mit Hausgeräten verglichen, ist eine bekannte Tatsache. Vom Hof Utigen ebenaus spazierend gelangen wir zum schönen Heimwesen Tal. Namengebend war hier die breite Mulde, die, rechts von einem glatten Südhang, dem »alten Wiberg« abgeschloßen, sich gemächlich senkt und durch den beim Bahnbau angelegten Fahrweg der Fluh entlang zur Grafstatt führt. Ein gutes Beispiel, wie Hofnamen ohne Rücksicht auf den Sinn, eben als erstarrte Marken auf eine Neugründung übertragen werden können, ist der Name Obertal des weit oberhalb an der Bergstraße gelegenen Hofes, wo von einem »Tal« keine Rede sein kann. Das sehr mäßig geneigte und ausgeglichene Gelände zwischen den beiden Höfen gehört zum schönsten der ganzen Gemeinde; es ist freilich etwas wasserreich und stellenweise ricdig; dennoch fällt es auf, daß die beiden Siedelungen so belanglose Flurbezeichnungen tragen. Vom Hof Tal, der jetzt meist als Undertal näher bestimmt wird, führt ein Pfad durch das Tobel des Grindwäschibaches auf den schmalen Geländestreifen zwischen diesem und dem mächtig eingeschnittenen Lotenbach.Die heimliche Geborgenheit dieses Geländes, das Rauschen und Gurgeln der Wasser in den dunklen Waldschluchten, die altersschwachen spinnwuppigenGädchen, wo man nur das »Spiegelgutzli«, das »Gaderöteli« und etwa einen »Gwättipoppel« ankehren sieht, schließlich der Name Wolfgrüebli des Heimwesens, weben ein Stück romantischer Märchenstimmung. Das »Grüebli« meint wohl die unterhalb des Hauses sich stark vertiefende und zum Lotenbach abstürzende Bachrunse. Entweder hat der Bauer hier einst den Meister Isegrimm entwischen gesehen, oder ihn in die Falle bekommen. Wenig einladend mag einem Zimperlichen auch das Höfchen vorkommen, das, wie sein Name Blatten verrät, einen knappen Absatz des jähen Hanges zwischen dem Lotenbachsturz und dern Bächlein einnimmt, das in der Urkunde von 1379 als »Blatterbach« und Gemeindegrenze auftritt. Die Ruine des vor einigen Jahren abgebrannten Wohnhäuschens und die angeschnittenen Sandsteinflühe unterhalb tragen dazu bei, dem verlorenen Winkel, den früher der Volksmund nach dem Besitzer als »i's Bäsetonis« bezeichnete ein groteskes Gesicht zu geben. Platten im eigentlichen Sinn von Vorsprüngen des felsigen Ufers sind das Eichplättli mit dem Fischerhaus am Engpaß des nördlichen Dorfeingangs, dem einst eine Eiche ein malerisches Gepräge gegeben haben wird, ferner die Roßplatte am südlichen Ausgang, nach der ebenfalls ein Haus benannt ist. Hier ragt ein mächtiger Felsbuckel in den tiefen See hinaus; vor einigen Jahrzehnten zierte ihn noch eine hohe Pappel. Daß er nun auch seine freie Zugänglichkeit verloren hat, ist weniger zu verschmerzen, als der Umstand, daß es kaum auszumachen ist, was er mit einem Roß zu schaffen hatte15). Weniger stark ausgeprägt ist der Eckpunkt der bergabkommenden Erhöhung, der zur Bezeichnung Hörnli Anlaß gab; sie ist auf ein ganzes Quartier übergegangen. Eine Fluh anderer Art. Das Jahrzeitbuch von Zug nennt beisammen einen »Cuonrat an der Huntsc/iüpfen«., einen Jenni Huntschüpfer und eine

35

Metzi Huntschüpferin 16 ); sie gehören zum Dörfchen Emmeten. Der Schöpf, die Schüpfe(n) sind häufige bildliche Bezeichnungen für überhängende Flühe, Höhlen, Felswände überhaupt. Der »Hund« hat in solchen Verbindungen weiter nichts zu bedeuten als das Garstige, Schlechte; einen Ort, wo sozusagen nur ein Hund Unterschlupf sucht. Der Volkswitz hat sogar »Hundschilen« hervorgebracht. Hinter dem untersten Bauernhaus des Oberdörfleins bricht die Fläche plötzlich zum tiefen Sagenbachtobel ab. Nach dieser Fluh ist das anstoßende Heimwesen benannt, dessen Name einen, wie man sieht, noch unfesten Familiennamen hervorrief, dem aber begreiflicherweise kaum ein langes Leben beschieden war. Heute ist das Wort durch irgend einen Gedankengang zu Muntschöpfi verschönert worden; doch wird dieser Name wenig gebraucht. Wir steigen und klettern auf rauhen Pfaden den Schachenwald hinauf und gelangen an die Schönegg. Hier stehen wir am Rand des Kulturlandes; das Gelände buchtet sich einwärts in das waldige Runsengebiet und die nackten »Brechen«, die dem Sagenbach das Geschiebe der losen Moränenschicht liefern. Sattel kennzeichnet treffend den schönen Berghof, der sich in die Senkung eines Moränenrückens duckt. Der Sdiafboden ist ein Absatz des offenbar in der Vorzeit einmal durch ein Erdbruch abgesackten Bergrandes. Das verborgene Gelände ist links und rechts von den Ästen des Wihelbaches umfasst, die wohl einst den Abrutsch mitverursacht haben; daß es auch als »Loch« bezeichnet wird, ist treffend. Der Hof Gutsch liegt am Fuß eines Gutsches oder rundlichen »Hogers.« Er bildet den Ausläufer eines breiten Moränenwalles, der sich über den ganzen Hinterberg zieht und dann plötzlich mit scharfer Kante zum mächtigen Trichter des Rufibaches abbricht. An den Westhang dieses Walles lehnt sich das abgelegenste Gütchen der ganzen Gemeinde, das Hasenloch. Der Name meint kaum die von Wassergräben durchzogene Mulde unter dem Gehöft, sondern eben jenen teils grasigen, teils dünn bewaldeten Sammeltrichter. In diesem Revier mögen sich Füchse und Hasen gut Nacht sagen. An diese ironische Redensart mag der Gemütsmensch gedacht haben, der für das Heimwesen den Namen Hasenguetnacht aufbrachte, der jetzt auf der topographischen Karte steht. Ein Phantasiegebilde ist auch der Name, den das große Gehöft auf der westlich vorgelagerten mittleren Bodenwelle trägt, »im Turnli«. Unweit hinter der Sennhütte ragt unvermittelt und z.T. hohl liegend ein ansehnlicher Nagelfluhblock aus dem Hügelrücken empor. Das ist das »Türmli«, nach dem die nahe Siedelung benannt wurde. Damit schließt unsere kleine topographische Formenlehre ab. Nahe damit verwandt sind die Namen, die sich aus der Lage der Siedlungen ergeben haben. Dabin gehören besonders die Namen auf -berg, die sich in eigentlichen Höhenlagen dem Bergrücken entlang aufreihen: Turnliberg, Chatzenberg, Balisberg, ölberg, Lienisberg. Das Grundwort gehört z.T.mehr der Amtssprache als dem Volksmund an. Man spricht gewöhnlich »im Turnli«, »i's Balis«, »i's Lienis«. Bali ist die alte volkstümliche Form von Pauli, Lieni Kurzform von Lienhart. Die Katze im ', 36

Chatzenberg hat eine ähnliche Funktion wie der Hund in »Hundschüpfen« : ein geringer »Berg». Das Gehöft sitzt auf einem Querriegel, der die Nebenbäcblein des Seckibaches und des Wihelbaches südwärts und westwärts abfließen läßt. Dazu kommen der schon genannte Utenberg, der Freudenberg hoch überm Oberdörfli und der noch zu besprechende Spiegelberg. Einige Namen dieser Art setzen zu ihrem Verständnis einen bestimmten Standort voraus, von dem man die Lagen zu betrachten hat. Das Gütchen Zipfel liegt im südöstlichen Winkel des »Ebnet«, wo er in den Steilhang übergeht und rechts schroff in die Fortsetzung der »Halten« abbiegt. Wenn man gegen das Oberdörfli hinaufsteigt, so leuchtet besonders im Abendscbein vom Berghorizont das Haus zum Ober Gibel herunter; es sieht wirklich aus als ob es an einem Dachgiebel klebte. Die unterhalb der neuen Bergstraße am alten Saumweg, dem sog. Chanel, der z.T. tief ausgetretenen Fortsetzung des Büelweges, gelegenen ärmlichen Gütchen Mittler- und Undergibel sind wohl Ableger des obern. Andere Namen mit relativer Lagebezeichnung wie vorder, hinder, under und ober, Zeugen der Verzweigung und Verdichtung der Wohnstätten, sind schon genannt worden und werden weiterhin zur Sprache kommen. Daß der Name des versteckten Höfchens Underbach als »Under Bächen«, d. h. zwischen den Bächen zu verstehen ist, wurde schon im Neujahrsblatt 1943 gezeigt; ebenso die bemerkenswerte Tatsache, daß der untere Abschnitt dieses Zwischengeländes als »Winkel« bezeichnet ist, ein Wort, das in den Namen der beiden stattlichen Hofstätten Under Wihcl und Oberwihel in alter Mundartform erscheint. Der ursprüngliche Zustand des Geländes ist durch die Bahnanlage stark verändert worden. Eine letzte Gruppe von auf Naturverhältnissen beruhenden Namen sind von der Bodenbeschaffenheithergenommen. Der Berghang mit seinen starken Ablagerungen von Gletscherschutt ist naturgemäß reich an Quellwasser. Besonders stark trat es zutage im mannigfaltig durchfurchten Gelände rechts und links vom mittlern Dorfbachlauf. Bei Anlaß der Wegbauten der letzten Jahre ist es gefaßt und das Land verbessert worden. Der Name Allmigried verrät mit seinem Grundwort die nasse Beschaffenheit dieser Stelle, die im Regenjahr 1910 gefährlich »läbig« wurde. Ein schönes Bauernhaus im Oberdörfli führt den Namen Blimos; von einem Moos ist aber nichts mehr zu erkennen; auch vermag ich den Sinn des ersten Gliedes mangels älterer Form nicht zu erklären. Der Name findet sich auch im Gebiet des Hüribaches unter dem Roßberg. Vom Oberdörfli führt Weg und Steg in einen anheimelnden Winkel hinüber, der sich wie eine Wanne an die Fluh unter der »Dürrenburg« und den Grat des »Büels« lehnt. Wir stehen in der Suren. Nach dem Schweizerdeutschen Wörterbuch (Bd VII 1282) werdenSauerampferarten in verschiedenen Alpengegenden »Suren«, »Suren« genannt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der der Siedelung vorausgehende wilde Zustand dieses feuchten Winkels solches Gewächs begünstigte. Aus der Mehrzahlform wäre, was häufig vorkommt, eine neue Einzahl entstanden. Einige sachliche Schwierigkeit 37

macht der Name Suren zweier Bergheimen: Obersüren auf dem Rücken des Höhenzuges beim Balisberg, Untersüren unterhalb, schwach erhöht über den Wiesengrund, worin ein Arm des Wihelbaches z.T.in moosigem Boden sein Wasser sammelt. Vielleicht steht der Name hier im Zusammenhang mit dem ehemals »sauren« Boden und entsprechender Vegetation, wie überhaupt in solchen Bezeichnungen Bodenbeschaffenheit vom Pflanzenwuchs nicht zu trennen ist. Riet, mundartlich auch Ried bedeutet Schilfrohr, Sumpfgras und das damit bewachsene Gelände. Eine Kollektivform dazu ist der Name des Heimwesens Rietach, mundartlich Rietech ob Utigen. Das Gelände ist wohl im Lauf der Bewirtschaftung stark verbessert worden. Warum das auf einem kleinen Boden am Rand eines Schachengeholzes lieblich gelegene Gütchen Mägerl heißt, der Grund also mager war, ist heute kaum mehr erfindlich. Auf einem Bergvorsprung, in den unten das Bahngeleise eingesprengt ist, liegt das Heirnwesen Hof, das noch auf der topographischen Karte von 1890 als Lauihof verzeichnet ist. Der Name setzt eine »i der Laui« genannte Stelle voraus, also einen Erdschlipf. Wir sind aber wohl einige Jahrhunderte zu spät, um die Wirkungen eines solchen Vorganges hier sicher zu erkennen. Rätselhaft ist auch, was für eine sachliche Grundlage der Name Winterstein des Gehöftes hat, das im Einzugsgebiet des Tilibächlis liegt und an das Horbachgut stößt. An »Steinen«, d. h. Fluhköpfen, die noch heute aus den Matten hervorschauen, fehlt es zwar nicht; die Wintersonne ist aber dort oben recht ergiebig bis sie sich hinter dem Pilatus verkriecht, so daß die Lage durchaus nichts Winterliches hat. Vielleicht ist aber der »Stein«, hinter dem sich der Winter versteckt hielt, längst den noch härtern Bauern zum Opfer gefallen. So scheinen oft genug Flurnamen sozusagen in der Luft zu hangen, da wir zwar das Wort oder die einzelnen Wortglieder verstehen, aber den realen Verhältnissen nicht beizukommen vermögen. Beim Taglöhnerhäuschen Steibrucfi ob dem Dorf ist das ohne besondern Scharfblick möglich. Schließlich gehören hieher noch zwei Namen, die mit natürlichen Gegebenheiten in klarem Zusammenhang stehen. Auf dem kleinen Boden oberhalb der obgenannten Chänzeli-Fluh, liegt verborgen und schwer zugänglich das Gütchen Tschachen. Das Wort ist eine verbreitete Nebenform zu »Schachen« und meint ursprünglich den waldigen Graben eines kurzen Bächleins unterhalb des Hauses. Das Höfchen Plinderwald liegt vor dem »hintern Wald« vom Obergaden aus gesehen: Die Bezeichnungen sind auch hier vom eigentlichen Objekt losgelöst und haben sich als Namen auf die benachbarte Niederlassung verschoben; aus dem Bauer »am Tschachen« wird der Bauer »im Tschachen«.

II. Namen wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Die alte bäuerliche Wirtschaft beruht wesentlich auf dem Kornbau. Der Inbegriff der Saatflur ist das Wort Zeig, das mit seinen Unterscheidungen Winterzeig, Sommerzeig, Brachzeig auf das mittelalterliche System der Dreifelderwirtschaft weist. 38

Darnach war die eine Zeig mit »Korn« oder anderer Winterfrucht, im folgenden Jahr mit Hafer oder anderer Sommerfrucht bestellt, im dritten Jahr lag sie brach und wurde als Weide benutzt; in der zweiten Zeig folgten sich während derselben drei Jahre Sommerfrucht, Brache, Winterfrucht; in der dritten Brache, Winterfrucht, Sommerfrucht. Natürlich waren innerhalb dieser Regel verschiedene Variationen möglich und je nach der Ertragsfähigkeit gebräuchlich; in die Sommerzeig konnten auch Hülsenfrüchte gesät werden (Hirse, Bohnen), die Brachzeig konnte mit Rüben bepflanzt werden. In kaum einer Landschaft sind diese drei Felder von Dorf zu Dorf schon an Hand der topographischen Blätter so schön erkennbar wie im benachbarten Knonaueramt. Dort hat das allgemeinere Wort Feld das speziellere Zeig ganz verdrängt, während im östlichen und nördlichen Zürichbiet Zeig herrscht. Ob an unserm Berghang diese Wirtschaftsform des Hügellandes gepflegt wurde, wird sich schwerlich nachweisen lassen. Sicher ist nur, daß wir die alten Kornfluren auf den verhältnismäßig schwach geneigten Abschnitten unseres Geländes suchen müssen. Da kommen uns nun einige auf Gehöfte übergegangene alte Flurbezeichnungen schön zur Hilfe. Wenn der Walchwiler das Wort Oberfeld braucht, so meint er damit das schöne Heimwesen zu äußerst rechts im Oberdörfli; die »Oberfelder« sind eine der ansehnlichsten Familien der Gemeinde. Aber die Bezeichnung umfaßte sicher ursprünglich das oben umschriebene »Ebnet«. Sie hat offenbar den verdunkelten Namen Ämmetten verdrängt. Daß hier einst der Ackerbau herrschte, bezeugen die Erwähnungen von Äckern und Ackernamen im Zuger Jahrzeitbuch sowie in der Urkunde von 1487, mit der sich der Appcnzeller Hürlimann einkauft. Der Name Oberfeld läßt vermuten, daß es auch ein »Underfeld« gegeben habe. Es könnte nur die schwach geneigte Uferfläche zwischen dem Dorfbach und dem Seckibach gewesen sein. Der ganz unangebrachte Name Seefeld eines Hauses im ehemaligen »Bruederlochf südlich vom Kurhaus, sowie der Dorfname »s Felders« einer großen, heute stark verstreuten Familie scheinen Nachklänge eines wirklichen ehemaligen »Seefeldes«, d. h. Ackergeländes am See zu sein. Ein deutliches Zeugnis für den alten Kornbau ist der Name Asch des schön gelegenen Gutes mit dem Ferienheim. Der Bergabsatz, den es einnimmt ist das kleinere und weniger ausgeglichene Gegenstück des »Ebnets«. Das allerorten häufige Namenwort, das immer an gutgelegenen, trockenen Flächen haftet, sozusagen greifbar klar den alten Konifluren, geht zurück auf die mittelhochdeutsche Form ezzisch, der im Gotischen des 5. Jahrhunderts atisk entspricht. Es findet sich, schon früh zu esch kontrahiert, in Zusammensetzungen wie eschheic, Flurhüter, eschtor17), eschtürlin, Feldgatter, aber merkwürdigerweise viel häufiger mit Sekundärumlaut in den Ortsnamen Asch. Von diesem wichtigen Ackerbaugehöft aus versteht sich die Bezeichnung Obergaden des unmittelbar oberhalb gelegenen Heimwesens. Sie muß ursprünglich nur ein speicherartiges Nebengebäude der Muttersiedlung gemeint haben. Das stattliche Bauernhaus ist in dem vor mehreren Jahrzehnten gegründeten

39

»Elisabethenheim« aufgegangen. Tief unterhalb liegt der Hof Juhen. Das Wort ist die Dativform des schon im Mittelhochdeutschen auch weiblichen »jiuch«, dem Grundwort von »Juchart«, und bedeutet ein ungefähres Ackcrmaß, eigentlich soviel als ein Joch Ochsen im Tag zu pflügen vermag. Das Zuger Jahrzeitbuch nennt die drei benachbarten Namen miteinander: »uf ein matten ze Walchwil genempt Juch, stosst einhalb an Obergaden und nebend an Peter Z Rollen Esch.« Daß die »Esch« gerade einem Peter gehört, der den Beinamen zer Rollen 18 ) hat, kommt kaum von ungefähr, denn ein Kornbauer muß auch eine »Rolle« 19 ) haben, um die Fesen des Dinkels zu rellen, d. h. die Spreu von den Kernen zu lösen. Eine weitere Erinnerung an den Kornbau bewahrt der Name Rägetcn, der heute Heimwesen und Sennerei jenseits des Hofbachtobels bezeichnet, in älterer Zeit aber sicher eine nördlich vom Haus sich ausdehnende Flur meinte. Daß sie gerade im Bereich der alten Siedlungen Gossenlingen und Utigen lag ist bezeichnend. Das Wort ist sprachgeschichtlich merkwürdig. Aus der vollständigen Bestimmung »uf der«, oder »an der Ägerten« ist das r des Artikels durch falsche Trennung an das Hauptwort gewachsen, worauf das zweite -r- durch Dissimilation schwand. Die vielen Ägerten waren einst Saatfelder, die aus irgend einem Grund (geringer Ertrag oder ungünstige Lage) zeitweise oder dauernd brach liegen gelassen wurden. Hier war vielleicht die etwas abschüssige Lage nicht mehr genehm. Ackerbezeichnungen scheinen sich hier auch in Flurnamen keine erhalten zu haben, was ebenfalls auf die tiefgreifende Veränderung der Wirtschaftsform hinweist. Dagegen sind mehrere Mattbezeichnungen auf Siedelungen übergegangen, die sicher meist Jüngern Ursprungs sind. Vom Utenberg aus haben sich die Hindermatt und das Obermatlli abgezweigt. Chleimattli hieß ein stilgerechtes altes Kleinbauern- und Fischerhaus am schönsten Uferplatz vor dem Hörnli; es mußte der Straßenerweiterung weichen und ist jetzt durch eine stillose Sammlung von Behausungen abgelöst. Das Rebmatili am Steilhang vor der Grindwäschi zeugt für den Übergang des alten Weinbaues in die Graswirtschaft. Ein Ableger der altern Höfe »Bossen« ist die abgelegene Obermalt, deren ärmliches Häuschen lang verlassen war, jetzt aber goldbraun und blitzsauber auf die Bergstraße hinüber guckt. Durch ihre beherrschende Lage auf dem südwestlichen Vorsprung des »Ebnets« zeichnet sich die Childimatt aus. Im Lauf des 13. und 14. Jahrhunderts rückten unsere Bauern mit Axt und Haue dem Wald /u Leibe und erweiterten ganz bedeutend ihr Matt- und Weidland. Die ältesten Zeugen dieses Vorganges, der wahrscheinlich um 1400 im wesentlichen abgeschlossen war, sind die ungefähr in gleicher Höhe gelegenen drei Rütinen: die Ochsenrüti ob der Halten, die Näbetsrüti auf einem Fluhabsatz des obern »Büels« mit ihrer prachtvollen Aussicht und die »Bossenrüti« am Hochrand des Lotenbachtobels. Der letzte Name findet sich im Zuger Jahrzeitbuch 20 ); heute spricht man einfach i(n) der Bossc(n). Das Bestimmungswort ist der erstarrte Wessenfall eines Spitznamens Poß, der nach dem Schweizerdeutschen Wörterhuch (Bd IV, 1730/31) einen frischen, 40

mutwilligen und eben zu Possen geneigten Burschen bezeichnet. Auch diese Niederlassung hat sich in eine »untere« und »obere« geteilt, die freilich ganz nahe beisammen liegen. In etwas späterer Zeit vollzog sich die wahrscheinlich weniger »radikale« Arbeit des Waldschwentens, von der die starke Gruppe derHofnamen auf »Schwand« und »Schwändi« ein eindrucksvolles Bild geben. Das geht schon aus der Tatsache hervor, daß diese Siedelungen alle bedeutend höher liegen als die Rütinen; sie vor allem bezeugen, wie der Berg für die Gras- und WeidWirtschaft erobert wurde. Sprachlich betrachtet handelt es sich um Ableitungen aus dem starken Verb schwinden. Zum Perfekt schwand gehört das Hauptwort (der oder die) Schwand und das schwache Verb schwänteri, schwänden, d. h. schwinden machen. Von Schwand geht die Kollektivform (das) G'schwänd, von schwänden (die) Schwändi aus. Schon beträchtlich über der halben Berghohe liegen die Höfe Ober- und Unter Dietschwand zwischen zwei Kehren der Bergstraße, und Erletschwand jenseits des Lotenbachs. Beide Namen finden sich im Jahrzeitbuch: »Ulrich Gottschalk von Emnoten hat gesetzt uf ein matten genannt in Diettiswand« ; »von dem guot Erliswand«, »uf einem guot Erletschwandt«. Der erste Name zeigt noch eine Spur des Genitivs /um Namen Diet(cn), der vielleicht die Kurzform ist zu dem in Emmeten mehrfach genannten Diepold (aus Diet-bald). Der zweite Name ist mit seinen verschiedenen Schreibungen ein Beispiel, wie wenig sicher und konsequent die alten Schreiber sind. »Erletschwand« war offenbar schon damals die Sprechform. Sie verrät einen sehr bemerkenswerten Lautvorgang. Die Lautverbindung tsch läßt sich nämlich nicht aus der Bildung des Wortes selbst, sondern nur durch äußere Einwirkung und Ansteckung durch Dietschwand erklären, wobei »d'Schwand« als feste Verbindung mit im Spiel war. Daß an dieser Stelle Erlen geschwentet werden mußten, ist sehr begreiflich. Das Gehöft liegt auf dem aufgestauten Grund eines vorzeitlichen Erdschlipfs. Das beweisen die besonders am Eingang des Hofgeländes noch vorhandenen Nagelfluhblöcke und die scharfe Abbruchkante, welche die March gegen den »Winterstein« bildet. Die Fluh, die den Kern des »Gutsches« bildet, hat den Schub aufgehalten und so einen behaglich abgeschlossenen Boden geschaffen, der mit der Zeit zur Siedelung einladen mußte. Zuerst mußte er aber vom Erlengehölz befreit werden, das sich mit Vorliebe solches Schuttbodens bemächtigt. Die Schwändi-Höfe reihen sich alle am obern Bergrand. Das Jahrzeitbuch verzeichnet ein »guot uf Walchwilerberg, genannt Schwendi, stoßt einhalb an den Lerchenbüel, anderhalb an des Sutters Scheidegg«. Der letzte Flurname steht noch auf der Karte oberhalb Schöncgg. Heute unterscheiden wir die Höfe Sdiwändi am Rand des Westhanges, Mittler-sdiwändi auf dem schönen, dem obern Rücken entlang laufenden Boden und Obersdiwändi auf dem Rücken selbst, der sich nördlich zum »Sattel« senkt. Auf dem vertieften Boden folgt gegen Norden die Tossetsdiwändi, gegen Süden die Wißensdiwändi, auch Wissetschwändi genannt. Die erste wird im Jahrzeitbuch genannt: »Guot uf Walchwiler Berg, genant Tossers Schwendi; stoßt 41

einhalb an den Lotterbach (!) al ) anderhalb an Helds bongarten«. Das — tsch— gehört in die oben genannte Gesellschaft; der Familienname Tosser ist wohl eine Ableitung zu dem im Jahrzeitbuch mehrfach vorkommenden Toß mit dem Wessenfall in den Namen Oswald, Jerman, Froneck Tossen. Wißenschwändi enthält wohl den Familiennamen Wiß. Ein kleines Stück unterhalb stoßen wir noch auf das Sdiwändcli. An der Innern Seite des Bergrandes am Hinterberg liegt die Hessetschwändi mit der nahen Sennhütte. Das Bestimmungswort wird hier wohl der Name Heß sein, der von Ageri herüber gekommen sein mag. Damit liegt der vierte Fall dieses »unrichtigen« tsch vor. Daß seine ansteckende Wirkung einen noch großem Sprung machte, zeigt die Mundartform Otcrtschwil von Otersvvil aus Otharis-wilare. Das Jahrzeitbuch hat noch weitere Schwandnamen. Das »Gschwänd« des Beleges: »Von einer matten an Walchwilerberg genempt im Geswende« vermag ich nicht zu lokalisieren. Besonders interessant ist folgende Stelle: »zuo Walchwil uf einer matten genannt Drittschwendi, stoßt an Peter Z'Röllen Drittschwendi, an Vogelsang und an die Allmend.« Da der poetische Flurname Vogelsang heute noch an einem Gehölz am alten Bergpfad haftet, der vom Utenberg-Obermattli zum »Chatzcnstrick« und zur »Hessetschwändi« führt, und »Allmend« wohl den obern Bergrand und den Wald gegen den Rufibach hinunter meint, wage ich zu vermuten, diese »Drittschwendi« des offenbar an Grundbesitz reichen Peter zer Rollen, mit deren Bestimmungswort ich nicht, viel anzufangen weiß, sei das Gelände des Hofes Chatzenstrick. Dieses sonderbare Wort ist nämlich kein Hofname, sondern ein Wegname, der die alte Flurbezeichnung aus dem Feld geschlagen hat. Das Heimen »am Chatzenstrick« ist selbst, unbekümmert um den Sinn, zum Chatzenstrick geworden. Das Schweizerdeutsche Wörterbuch wird nächstens den bemerkenswerten Fall bringen, daß das Wort Strick ein einziges Mal in freiem Gebrauch mit dem Sinn Pfad belegt ist, aber eine große Menge von Weg- und Flurnamen bildet. In einem Berner Missiv von 1445 ist die Rede von »den stricken und wegen, so bi der Kander abgant«. Auf den topographischen Blättern ist die Bedeutung des Wortes natürlich meist leicht erkennbar.22) Es handelt sich einfach um eine bildliche Übertragung des bekannten Sinnes auf schmale, krumme, rauhe Wege. Chatz hat hier wieder die bekannte verschlechternde Bedeutung; wir reden ja auch von einem Chatzewegli; dazu gibt es auch »Chatzensteige«. Die Bauern dieser Berghöfe trieben auf den breiten Rücken und saftigen Mulden eine ausgedehnte Weidwirtschaft. An drei Stellen sind auf Weiden Hofstätten gebaut worden. Zwischen dem »Chatzenberg« und der »Suren« dehnt sich das Heimwesen Wald. Unter der »Schwändi« liegt das Höfchen Underweid. Unterhalb des »Wintersteins« versteckt sich das Höfchen Weidli im Waldwinkel. Der schon genannte Schajboden zeugt für die frühere Schafzucht. Der Name Stafel, mit der sicher Jüngern Unterscheidung in Ober- und Understafel, führt uns schon in die Nähe der Alpwirtschaft, an die uns auch der Rigi-Stafel28) erinnert, denn dieses aus dem Roma42

nischen (lateinisch stabulum, später stavel) übernommene Wort bedeutet Standort der Alptiere, Hütte, wo sie zum Melken zusammengetrieben werden. Natürlich möchte man gerne erfahren, wann ungefähr diese Weiden mit Haus und Stall überbaut wurden. Eine Gruppe von Namen bezeichnet bäuerliche und gewerbliche Gebäude. Auf der topographischen Karte von 1890 steht an Stelle des heutigen Lienisbcrg der Name Gsäß, d. h. Wohnhaus. Wahrscheinlich bezieht sich auf diesen Ort eine Stelle des Jahrzeitbuchs: »An Walchwiler (wohl zu ergänzen ,Berg') nämlich genempt am Gesäßi«. Der Name erinnert vielleicht an den Zeitpunkt, da zum alten Weidstall auch eine menschliche Wohnung gebaut wurde. An der ersten Straßenkehre, wo jetzt das Erletschwandsträßchen abzweigt, steht das Heimwesen Under Seilen. Die wenig oberhalb allzunahe am gefährdeten Rand des Tobels liegende Obersellen wurde vor etwa 20 Jahren aufgegeben und ist jetzt zerfallen. Das Wort geht zurück auf das altdeutsche selida, selde, (kleines) Bauernhaus, das auch in Dagmersellen, Walisellen, Altsellen (j. Altzellen) erscheint. Ein hübsches »Stöckli«-Häuschen neben dem Wohnhaus im »Undertal« heißt Spier, d. h. Spichcr, (Korn-)Speicher. Das Steinhauerhäuschen beim Gasthaus am Lotenbach wird noch heute 'sMüleli genannt und gibt Kunde vom alten Müllergewerbe und Kornbau; der Familienname Müller, der schon im Jahrzeitbuch als »Jakob Müller von Lotlerbach« und wieder 1616 »des Müllers zu Loterbach Weid« auftritt, bestätigt das alte Wirtschaftsbild nach Wunsch. Es ist sehr bemerkenswert, daß nur die zwei mit dem »täglichen Brot« zusammenhängenden Namen Müller und zer Rollen = Rölli in die Frühzeit der schriftlichen Überlieferung zurückreichen. Längst verschwunden ist auch die Einrichtung, von der der Name i (n) der Sagen und der Sagenbach Kunde geben. Liegt das so bezeichnete Haus wenigstens in der Nähe des alten Betriebes, so hat das kleine Heimwesen Obersagen unter der Chilchmatt auch diesen Zusammenhang nicht; ein Beispiel von Übertragung eines Namens, der seinen eigentlichen Sinn verloren hat, wie im Fall von »Obertal«. Das unterhalb des Bahndammes gelegene Steinhaus, das man jetzt einfach als »im Damm« bezeichnet, hieß einst, so noch auf der Karte von 1890 Löffler, d.h. beim Löil'elmacher, der wohl Hausgeräte aus Nußbaumholz schnitzte, das damals in Walchwil noch reichlich vorhanden war. Der Weinberg des Kartenbildes und der große Trottenraum weisen aber auch auf einen Weinbauern. Ein köstliches Erzeugnis der »guten alten Zeit« ist auch das Nußöl und der Nußkuchen, die aus der öltrolten hervorgingen. So heißt amtlich heute noch das Molkereihaus beim Bahnhof. Mit einem gewißen Ärger über die Verflachung und Verarmung der ursprünglichen Natur denkt man hier an die stolze Reihe von Nußbäumen, die die alte Straße über den Sagenbach festlich begleiteten. In die Gesellschaft von Brot, Wein, Ul und Edelholz gehören auch die feinen Gaben der Fischerei. Auch sie hat in unserm Namcngut eine Spur hinterlassen. Auf der alten Karte heißt das Wirtshaus zur Grafstatt noch Grafensatz. In einem Sceabschnitt vor 43

dieser Uferstelle setzte ein Fischer vom Geschlecht der Graf, dem wir in Emmeten begegnet sind, seine Netze. Zu den gewerblichen Namen gehört schließlich noch das Haus zur Gerbi am obern Dorfrand; von einem Gerbereibetrieb wird kaum jemand noch eine Erinnerung haben. Die Namen Grafensatz — Grafstatt führen uns auf eine kleine Gruppe von Namen, die auf alte Besitz- und Rechtsverhältnisse deuten. In amtlichen Akten figuriert das »Hörnli« immer noch als Grauenstatt. Die Schreibform beruht auf dem irrtümlich verstandenen v von Graven, das ja in der alten Sprache mit f beliebig wechselt. Einer der »Grafen« von Emmeten wird also an diesem hervorragend schönen Punkt des Ufers eine Hofstatt gegründet und neben dem Bauernauch das Fischergewerbe betrieben haben. Im Volksmund hat die topographische Bezeichnung die besitzrechtliche abgedrängt. An den Gemeinbesitz erinnert der Name Allmigrled™} des schon genannten Gütchens am Riedland. Widern der Kirche war offenbar die Chilchmatt. Die Ochsenrüti war vielleicht einem verschnittenen Stier zur Weide bestimmt; daß sie von der Gemeinde dem Zuchtstierhalter verliehen gewesen wäre, ist weniger anzunehmen, weil der Ochse gewöhnlich von diesem unterschieden wird. Auch Familienbeinamen können rcchtsgeschichtliche und andere bedeutsame Erinnerungen bewahren. Die Träger des Zunamens 's Undervogts sind aus dieser Welt abgeschieden 25 ), aber noch brauchen die Bodenständigen statt des sicher neuern Namens Elchhof die Bezeichnung is Undervogts und bewahren so die Erinnerung an die Zeit vor 1798, da die gnädigen Herren von Zug auf die Walchwiler noch ein wachsameres Auge hatten. Auch militärische Klänge freilich etwas idyllischer Art werden aus einigen Namen wach. Das sogenannte Schützenhus im Hinterdorf kam zu seinem Namen durch Übertragung von einem Schießstand hart am See, von dem aus man auf die auf der »Roßplatten« aufgestellten Scheiben schoß. Anstatt der Bezeichnung Weid für den Berghof brauchte der Volksmund gewöhnlich den Beinamen 's Tambure. Die Brüder Roth, deren Nachkommen noch auf der Dürrenburg und der Nebetsrüti sitzen, wurden unter dem Zunamen 's Wachtmeisters zusammengefaßt. Dieses Amt steht im Zusammenhang mit einer Geländestelle der Nachbarschaft, die ein geradezu aufreizendes historisches und topographisches Rätsel bildet. Im Schachcnwald des Sagcnbaches etwas oberhalb der Nebetsrüti führt uns der Pfad auf einen kleinen ebenen Platz mit dem verdächtigen Namen Hexentanz 26 ). Hier hat der »Trüllmeister« nach der Aussage von Kirchenvogt Roth (-{•) nach der alten kantonalen Militärordnung die Rekruten in den Gebrauch der Waffen eingeführt. Es »tanzten« hier aber wohl noch andere Gestalten als Soldaten und »Hexert«. Links und rechts vom Platz ragen hohe Felsblöcke auf; man hat das sonderbare Gefühl, man befinde sich inmitten eines alten Burgstalles, die beiden Klötze müßten einst mit Mauern verbunden gewesen sein. Und dann der Name Dürrenburg! Er bedeutet offenbar »zerfallene Burg«. Stand sie hier? Was für »Strauch«-Ritter hausten in diesem unwirtlichen Schachen und hatten ein Auge auf die Bauern, die den »Büel« und den »Chanel« hinauf und 44

hinunter stiegen? Ahnungen von Zwingvögten und Burgenbruch steigen in uns auf. Heute aber haftet der altersgraue Name an einem friedlichen Bauernhaus, das freilich auch einen Hochsitz über dem Büelweg einnimmt. Gibt es keine Urkunden, die wenigstens ein Lichtlein in dieses Dunkel werfen? Wann kommt der mit bescheidenen Schätzen zufriedene Bodenforscher, der uns wenigstens Spuren der Burg nachweist? Ein historisches Geheimnis birgt auch der Name Spiegelberg. Er meint heute ein Haus an der Straße gegenüber der Bahnstation, muß aber früher die vorspringende Anhöhe der Ussern Egg bezeichnet haben, denn Spiegel ist verdeutscht aus einer volkslateinischen Form (mit langem -e-) des klassischen specula 27 ) (mit kurzem -e-), Aussichtswarte. Da der Name in der Schweiz mehrfach an Anhöhen haftet, muß man Spiegel auch in diesem Sinn als gewöhnliches Lehnwort ansehen und darf es nicht als eine unmittelbare Spur romanischer Bevölkerung betrachten. Dennoch reizt einen die sachliche Frage: Wer hat nach wem ausgespäht? Nicht leicht zugänglich ist uns auch die Geistesverfassung und die Stimmung, die hier und anderswo den poetischen Namen Freudenberg geschaffen hat, insofern er, wie es bei uns der Fall ist, ein geringes Gütchen an einem nicht ohne beträchtlichen Aufwand an Schnauf erreichbaren Rain verklärt. Oder wäre es ein Euphemismus, ein beschönigendes Mäntelchen für die gegenteilige Meinung? Wir schließen unsern Streifzug »über d' Hof« ab mit zwei harmlosen Spottnamen. Am Aufstieg zur »Halten« steht hart am Dorfbach der Schnägg. Vielleicht hauste in diesem Schnäggehüsli ein Freund und Sammler der echten Weinbergschnecken. Gegenüber der Station drängt sich nahe an die Geleiseanlage das Mütschi. Das Kosewörtchcn deutet auf etwas Kleines, Niedliches, was hier sehr angemessen ist.28) Was sich aus dieser Zusammenstellung ergeben hat, ist die Natur- und Wirtschaftsgeschichte der Gemeinde im Rohbau. Der Geograph und Geologe, der Historiker, der aus archivalischen Quellen kleingeschichtliche Notizen und alle Flurnamen zusammenträgt, könnten noch manches beitragen um dieses unfertige Haus auszustaffieren und zu beleben. Anmerkungen !) Es ist aus diesem Grunde und vor allem wegen ihrer kartographischen Funktion verfehlt, die Flurnamen in der Schreibform mit lebender Mundart gleichzustellen, wie gewisse buchstabengläubige Leute in ihrem „Dialäkf-Ubereifer gefordert haben. 2 ) Im Neujahrsblatt 1943, S. 7, ist auf gleiche Fälle aufmerksam gemacht worden, wo sich Personennamen in ändern Zusammensetzungen wiederholen. 3

) Ein Seitenstück zu dieser Namenbildung ist der Name Vockigli zu Vockigen in Nidwaiden.

<•) Geschichtsfr. VI (1849), S. 35, und Gesamtausgabe von R. Maag, 1894, S. 153, mit der unrichtigen Lesart Emmuoten. 5 ) Das Engelbcrger Urbar von 1190 (Geschichtsfr. XVII, S. 248) führt zwischen den luzernischen Orten »Hutinsulze«, »Buocholz« und »Wellinberclu »de Ebinotin Zuge« an. Wenn damit unser Dörfchen gemeint wäre, so lüge hier die ursprüngliche Wortform vor, abgesehen von dein unrichtigen —n.

45

6

) Geschichtsfr. VII 186, I 317. Man beachte, wie die Lesungen unsicher schwanken, dazu noch »Emuotton« in einer Zuger Urkunde von 1434 (Geschichtsfr. XVII 275) und »Emmert« in einer Hünenbcrger Urkunde von 1309 (Geschichtsfr. VII 173). 7

) Die Familiennamen sind im Vergleich zu den wenigen von heute erstaunlich mannigfaltig: Held, Diepold (aus altem Dietbald), Zeyo (Zäi), Ur, Verr (= Fehr, Fährmann), Zobrost (z'obrist, zu oberst), Metziner (zum weiblichen Kurznamen Metzi aus Mechthild, wie Elsencr und Gretener), Graf, Muntschüpfer (Beiname nach dem Haus an der Hundschüpfen), Strütz, Sweigcr (Inhaber eines Schweighofes), Obcnus, Inihof, Gottschalk, Spillmann. 8

) Die an Eigenschaftswörter tretende Bildungssilbe »oti« ist unter veränderten Gestalten erhalten in Heimat, Zierat, Kleinod, Armut, Einöde. n

) So sind gelegentlich zu falscher Betonung Anlaß gebende Schreibungen von Familiennamen entstanden : Nideröst, Ebnöter. 10 n

) Das postamlliche Orlsbuch verzeichnet den Namen Emmetten auch für Attinghausen und Bürglen.

) Emmetten in Nidwaiden ist für 1190 als »Emmoutin« (!) bezeugt im Geschichtsfr. XVII, S. 248.

12

) Sie wiederholt sich ganz in der Nähe in der Umdeutung Emmätli. Auch im Zürichbict findet sich eine falsche Deutung auf Emmatt. ls

) Formen wie Halten, Chellen, Blatten. Ägerten §ind erstarrte Dative im Gegensatz zu den luutgesetzlich einsilbigen Nominativen Matt, (Buech-)Nas usw. ") Die Angabe, »i der Secki« im Neujahrsblatt 1943, S. 41, beruht auf einem Irrtum. 1S

) Die Roßplatte bildet die scharfe Ecke der vorragenden Fluh, die der Volksmund vielsagend als Chänzcli bezeichnete. Diese schloß einst den Dorfbereich wie mit einer Letzimauer ab und war mit ihrem alten Baumbestand und ihren reizvollen Wcganlagen und Plätzchen ein Kleinod landschaftlicher Eigenart und Schönheit. Leider wurde sie bei der Straßenverbrciterung durch Sprengung und Absturz zerstört, ohne daß der Naturschutz sein Recht geltend machte. iß) Ein Walter Huntschüpfer war schon 1434 Vogt zu Walchwil (Geschichtsfr. XVII 275/6)-. 17

) Man vergleiche den Namen Esterrnann.

18

) So mehrfach aus sze der Rollen«.

1(l

) Man vergleiche den Artikel Rännlen im Schweizerdeutschen Wörterbuch Bd VI 969/7.

20 21

Fritz Kiinz: DIE ÄLTESTEN. Ausschnitt aus dem Chorgemillde der Liebfrnuenkirche Zürich

) Nach A. Iten (Heimatklänge 1939, 25) erscheint »Bossenrüti« urkundlich schon 1362.

) Zur falschen Schreibform vergleiche Neujahrsblatt 1943.

22

) Es ist bezeichnend für den Mangel an topographischer Beobachtung, an dem unsere Flurnamendeutung vielfach krankt, daß einer unserer besten Forscher zu Namen wie Strickhalde, Katzenstrick bemerkt: »Bedeutung unklar« (!). 2n

) Rigi-Stnflel ist eine falsche, irreführende Schreibung; das ursprünglich lange a (man vergleiche die ostschweizerische Mundartform Stofel) ist hier sekundär gekürzt. 24

) Zu den Lautvorgängen im unbetonten zweiten Glied: Allmeind Allmend Allmed Allmig vergleiche Hochzit Hochsig, Hofstatt Hostet Hostig. 2r>

) Der letzte Träger eines Nachklangs der Amtsbezeichnung, ein Hürlimann des Beinamens 'sUndervogts Träers Josef, ist jüngst gestorben.

FRITZ KUNZ 1868-1947

2li

) Der Name Hexentanz haftet bedeutsamerweise häufig an heidnischen Kultstätten, an Fundorten v.orund frühgeschichtlichcr Altertümer u.a.; vergleiche Schweizerde.utsches Wörterbuch, II 1827. s7

) Zum Lautwandel vergleiche Ziegel, Brief aus latcin. tcgula, brevc.

a8

) Ein ähnlicher Fall iat der Name Murpfli, Zusammengeschrumpftes.

46

des Häuschens bei Otcrswil; er bedeutet etwas Kleines,

IN MEMORIAM

Mein lieber Freund! Und nun ist er dahingegangen, still, ohne Abschied zu nehmen, er, den wir, Du und ich und viele andere seit je verehrten als einen ganz großen Meister und lieben, treuen Menschen, vor dessen Kunst und Charakter sich schließlich doch beugen Freund und Feind, er, dessen Schöpferkraft in zähester Energie ein Werk aufbaute, das unsere Zeit und Jahrhunderte überdauern wird. Einfach ist sein Leben: Geburt und Kindheit in Einsiedeln, im »Schlüssel«, ganz nahe, gleichsam zu Füßen der Gnadenkapelle. Zwei Jalire Kunstgewerbeschule Zürich und München, sieben Winter Akademie München, Künstlerweihe in Rom, Rückkehr nach München und dann in die Heimat: Zug. Aber mit welch reicher Fülle von Werken stattete er es aus! Wir erinnern uns da an die Meisterbilder, mit denen er in den ersten Jahren die großen internationalen Ausstellungen in Rom, Venedig, München, Berlin, Düsseldorf und Paris beschickte und mehr als eine goldene Medaille holte. Es taucht vor unserm Geiste auf der tief ergreif ende Franziskuszyklus, der jetzt im stimmungsvollen Kapitelsaal der Menzinger Schwestern hängt, und in ungezählten Reproduktionen den Siegeszug durch die ganze Welt antrat. Es entstehen in rascher Folge die mächtigen Altarwerke in St. Otmar und Sta. Maria-St. Gallen, St. Josef-Basel, Romanshorn, Gerliswil. Daneben will so manche stille Stube und mancher vornehme Salon ein keusches, frommes Bild von seiner Hand. Mehr und mehr öffnen sic/i ihm Kirchen und Kapellen, und er, so recht in seinem Element, schmückt sie, drückt ihren Wänden durch seine großen Freskcnfolgen den Stempel des Heiligen und Erhabenen auf und bringt ihre Seele zum Klingen. »Freskenfolgen« sage ich — und Du, mein Lieber, weißt, daß ich bei diesem Ausdruck nicht im Geheimen zu erröten brauche, als ob ich Hin, wie es heute oft geschieht, im unredlichen Sinne anwendete. Nein: bei unserm Meister darf man dieses Wort in seiner wahren Bedeutung nehmen. Anmerkung: Zum Hinschiede des Meisters erhielt sein Sohn, hochw. Herr Leo Kunz, Rektor des Kollegiums St. Michael, diesen Brief, den wir mit der Erlaubnis des Empfängers veröffentlichen, da wir uns keine gemäßere Ehrung des großen Toten vorstellen können, als diese aus dem Herzen eines Mönches und Malerfreundcs geflossenen Worte. D. Red.

48

»II bon fresco« sagten die Alten und meinten damit jene Malerei auf den nassen Kalkverputz, die als natürliche königliche Technik die ganze Kunstgeschichte von ihren Anfängen in den Grabkammern Ägyptens an über Pompei, die Wandmalereien des Mittelalters, über die Klassiker der Renaissance und die Virtuosen des Barocks bis ins 18. Jahrhundert begleitet. Wie hat er diese herbe, männliche, die Künstlerkraft zu Spitzenleistungen herausfordernde Technik geliebt! Nach einigen Versuclien in Kasein fand er als einer der Ersten unserer Zeit für immer den Weg zu ihr zurück und bändigte durch dreißigjährige Erfahrung mehr und mehr all ihre Schwierigkeiten und Tücken. Er scheute den entsagungsvollen Weg, den diese Malweise gebieterisch von ihren Getreuen fordert, nicht. Immer wieder bewunderten wir ihn dabei. In harter Winterarbeit erstellte er die Ideenskizze, zeichnete nach einläßlichen Naturstudien die Kartons, vergrößerte sie und legte die malerische Behandlung fest. Kaum waren dann die ersten, warmen Sommertage gekommen, packte er seine Kisten und stand von nun an monatelang, ununterbrochen, Werktag für Werktag wie ein Schwerarbeiter im sclimutzigen Kittel auf dem Gerüste. Bis zur letzten Nuance mischte er seine Farben zum voraus, prüfte schon am frühen Morgen den Verputz, den ihm der Maurer in langer Nachtarbeit aufgetragen, untermalte in den ersten Stunden und vollendete dann in emsiger Arbeit das Teilstück des Tages. Wehe, wenn die Farben nicht »ziehen« wollten, wenn sich, manchmal erst am Abend oder am folgenden Tag, Risse zeigten! Dann blieb eben nichts anderes übrig, als, wenn auch wunden Herzens, zur Spitzkclle zu greifen und, was so viel Mühe gekostet, den Kopf, die Hand, das Kleid herauszuschneiden und von neuem zu beginnen. Allein, wohin komme ich? Solche Ausführungen interessieren wohl nur den Fachmann. Nur e r Jeann sie richtig würdigen. Hauptsache trotz aller Bravour ist und bleibt doch und geht alle an der Geist, der das Kunstwerk gebiert, die große edle Form, in der es sich darstellt, die restlos beglückende Lösung der einmal gestellten Aufgabe. Wer sich hierin bewährt, dem erkennen wir, erkennt jeder gerechte Beurteiler die Ehrenkrone' zu. — Und wie steht es nun damit, wie steht es in

l'Yii/ K i m / : TU DI'jL'M. Aus.sclmilt aus dein Apsisgerniilde der Institulakirche Ingcnbolil

bezug auf diese drei Grundbedingungen des Kunstwerkes bei Kunz? — Durchgehen wir das Einzelne! In Zürich wurde um die Jahrhundertwende die Liebfrauenkirche gebaut ... im. Basilikastil. Du weißt es, wie wir heutzutage über diese Verirrung, alte Kunstepochcn wieder »aufzusagen«, lächeln. Aber damals tat man es, und wir, Du und ich, hätten sicherlich nicht gegen den Strorn geschwommen. Übrigens sind die Verhältnisse dieser ersten modernen katholischen Kirche von Limmatathen und der sakrale Eindruck ihres Inncnraumes gar nicht so schlimm. Unserrn Meister wurde die Ausmalung anvertraut. Wie ernst, er seine Aufgabe nahm! Eigens begibt er sich nach Ravenna, studiert dort an den Mosaiken der alten Basiliken die Grundgesetze der diesem Stile eigentümlichen Dekoration und wendet sie in genialer Anpassung an neuzeitliches Empfinden in Zürich an: Er setzt hoch in die Apsis ein wirkliches Mosaik, verteilt symmetrisch seine Apostel, Symbole, Engel, die apokalyptische Prozession der 24 Ältesten an den Chor- und den Triumphbogen, läßt nach Jahren noch einen sich durch das Schiff hinziehenden Wandjries mit vielen verbindenden weißen Akzenten folgen und unterstützt, hebt, bereichert so die feierlichstolze Wirkung der Architektur. — Im Kloster Ingenbohl sollte der intime Raum der Institutskapelle zu einem Heiligtum der Immakulata ausgestaltet werden. Leitender Gedanke dabei war, das Bild der himmlischen Herrin, der sich die Kinder und Töchter in der marianischen Kongregation weihen, möglichst lieb und begeisternd vor sie hinzustellen, damit es ihnen unvergeßlich durch alle Wogen und Stürme des Lebens leuchte. Und der Meisler schuf jene wunderbar reine und doch königlich hohe Mädchengestalt in goldener Sonne, gekrönt von der heiligsten Dreifaltigkeil, umltaucht vom Dufte blühender Magnolien, bejubelt von schimmern-' den Engelscharen, bewundert von glühenden heiligen Verehrern auf dem Blumengarten der Erde. — In der St. Mariinskirche in Ollen hatte Architekt Hardegger die Apsis mit. drei Fenstern durchbrochen, in St. Anton-Zürich Dr. Moser umgekehrt die riesige Koncha mit einer auszumalenden Fläche von über 200 Quadratmetern ganz ohne Gliederung gelassen, dem Maler gleichsam zurufend: Schau, wie du mit ihr fertig wirst! . . . Dort hilft sich unser Freund, indem er das Motiv des Altarbaldachins, einzelne stehende Figuren, stu-

fenweise angeordnet, auf der Rückwand durch große Engelsgestalten, Medaillons und eine streng und einfach gehaltene Anbetungsszene in der obern Rundung weiter abwandelt, so die Fläche auflockert und mit dem Aufbau des Altares zu einem Ganzen verbindet. — In St. Anton aber belegt er, wie der in Kunstsachen wohl versierte jetzige Pfarrherr in einem Aufsatz der »Christlichen Kunst« schon 1924 treffend bemerkt, mit einem nach dem Schema des dreifachen Papstkreuzes komponierten Himmel von schwebenden, sitzenden, knienden und stehenden Gruppen: Engeln, Aposteln, Heiligen — ein mächtiges Te Deum, eine Huldigung an Christus und den dreieinigen Gott, der in der Mitte erscheint. O dieses Lied der Ewigkeit möchte ich einmal aufblitzen sehen, wenn bei einer großen Feier Haupt- und Nebenschiffe des Gotteshauses von Andächtigen angefüllt sind, der Weihrauch steigt und die Scheinwerfer spielen. Es muß ein überwältigender, an die Herrlichkeit des jüngsten Gerichtes gemahnender Eindruck sein! — Weiter! — Ist St. Anton ein ganz moderner Bau, so stellt man dem Künstler in Romanshorn wieder einen romanischen Innenraum zur Verfügung. Deshalb zieht er, offenbar angeregt durch die Münster der Reichenau, Ober- und Mittelzell, die über den Bodensee her grüßen, einen Kranz von einzelnen Bildern aus dem Leben Jesu über die Wandflächen des Chorbogens und der Schiffe. — In Rieden und Disentis soll er, der von Natur aus streng liturgisch Empfindende, sich mit einer barocken Umgebung und riesigen Gcwölbef eidern abfinden. Aber unbedenklich tritt er auch an dramalisch bewegte Historienbilder heran und schildert — mit welchem Erfolge — hast Du selber erfahren. Entzückt standen wir ja Anno dazumal vor diesem kühn herandringenden Aufzug der Sieger an der Kalven, vor dieser unheimlichen Naclitszene, wo der Iiingemordete Plazidus, das Haupt in den Händen tragend, seinem Sigisbert erscheint, vor dem Klosterbrand mit seinen Flammenfctzcn und den hohnlachenden, beutebekidenen Awaren. Und so geht es forl und fort. Wir kämen an kein Ende, wollten wir alle diese Werke einläßlich an unscrm Geiste vorüberziehen lassen, die unser Freund jedesmal im engsten Anschluß an den Baucharakler, Idee und Aufteilung aus ihm herausholend sozusagen Jahr für Jahr, mehr als ein halbes Säkulum lang schuf.

49

Ist er dabei zum Allerweltskünstler, zum Tausendsassa geworden? Dem, der ihm auch nur einmal ins blitzende Auge und weiter hinein in die hochgemute Seele schaute, erstirbt eine solche Frage auf den Lippen. Ja, gewiß, er bequemte sich der jeweiligen Aufgabe an, aber blieb doch ganz sich selber, sui gmeris. Groß, stolz, rein, vornehm stehen seine Gestalten da, aus dem Leben geschöpft und doch ivieder von einem Hauch der Ewigkeit durchglüht. Mächtig, in kühnem Kontrapunkt, bald locker zusammengefaßt, bald wuchtig geballt spielen seine Gruppen ineinander und gegeneinander. In unerliörter satter Pracht und doch wieder von scharf hervortretenden Leittönen beherrscht, rauschen seine Farbenakkorde durch den heiligen Raum. Stilelemente, die unser Künstler in allen verschiedenen Stilarten, die er zu betreuen hat, wie kaum ein anderer zu wahren und zu einen weiß. Wie brachte er es zustande, woher hatte er diese Gnade? Du versiehst mich, wenn ich sage: aus Gnade. Ja, steigen wir hinunter zum Urquell seiner Kunst und aller Kunst! So etwas kann man sich nicht geben, ein Höherer muß es von Anfang an genau bernessen und ausgerichtet hineinlegen in den Grund der Seele. Des Künstlers Aufgabe und, sagen wir es in einem Atemzuge, strengste PflicJit ist es, diese Gnade demütig und dankbar zu bewahren, zu hegen, mit ihr zu wuchern, äußere Einflüsse, welcher Art auch immer, zu verarbeiten und ihr anzugleiclien. Ich komme aus Italien. Ich Iiabe wieder einmal bewundert in Rom die gelicimnisvoll schimmernden alten Mosaiken im, Lateran, in St. Pudentiana, Maria. Maggiore, S. Paolo, S. Prassede und wie sie alle heißen, und die großartigen Offenbarungen eines Michelangelo und Rapltael im Vatikan, in der Capella Nuova des Domes von Orvieto, die vom Schrecken des Weltgerichtes durchzitterten Schildereien Signorellis und gleich daneben und in der Kapelle gegenüber die ruhigfeierlichen Figuren und Bilder der vorhergehenden Jahrhunderle, in Florenz die unsterblichen Fresken eines Orcagna, Ghirlandaio, Filippino Lippi in S. Maria Novella und Giotto in S. Croce, in Mailand die Malereien Luinis in Monastero

Maggiore und die liebevoll restaurierte und sehr fein wirkende Dekoration von S. Maria delle grazie. — Mehr und mehr schienen sich mir bei diesen Studien die Künstler in zwei große Heerlager zu scheiden, die beide ihre Berechtigung haben: Die einen, die Subjektiven, die laut und eindringlich, in möglichst bewegten Formen und reicher Farbenskala ihr inneres Gefühl hinausruf cn in die Welt, um sie dem Allerhöchsten in die Arme zu treiben, wie einst Johannes der Täufer, der glühend vor Eifer am Jordan und im Königsschloß des Herodcs für das Lamm Gottes warb. Und die ändern, die Objektiven, Stillen, Beherrschten, deren Vorbild der andere Johannes ist, dem der Adler mit funkelnden Augen den Kopf ans Knie legt — der wohl, erschüttert von der Majestät der Gottheit, ihrer Fügung und Führung, es doch versteht, die Visionen, die er schaut, still und verehrend zum goldenen Teppich zu weben, den er vor der staunenden Welt ausbreitet. Wohlüberlegt suchen sie, ihre Kunst als einen Teil des Ganzen zu betrachten, die Komposition durch ein unaufdringliches System von Senkrechten und Wagrechten dem Bauwerk einzuordnen, verzichten auf überbordende Affekte und legen sich in der Wahl der Farben die größte Reserve auf. Kunz gehörte zu ihnen. Seine natürliclie Anlage, seine Ehrfurcht vor dein Bauganzen und seinem Zweck, seine stillglühende heilige Überzeugung und männlichkeusche Begeisterung für die hehren Geheimnisse, die er darzustellen hatte, drängten ihn in diese Bahn. Daß er auf ihr blieb und ausharrte, erwirbt ihm nach meinem Dafürhalten unsere Verehrung und unsern Dank. Mein sehnlichster Wunsch wäre nach all dem nur der: daß ich nach zwei-, dreihundert. Jahren sehen könnte die von unscrm geliebten Meister geschmückten Kirchen, wenn die Patina der Zeit ihre Farben gemildert und da und dort sogar Risse und Brüche sie doppelt ehrwürdig gemacht hätten, schauen könnte die Generationen und Generationen, die schon zu diesen seinen Werken aufgeblickt, und dadurch reiner und froher und lieiliger geworden wären, treffen dürfte diesen oder jenen Künstler, der noch nu>hr als Du und ich sich in sie vertieft und dabei gedacht, und gebetet hätte: So möchte ich auch sein und wirken! Dein Freund P. Bernhard Flüeler 0. S. B.

50

Katalog der Hauptwerke von Fritz Kunz Von Leo Kunz

A. Lebcnsdateii. Fritz Kunz, aus Dornach, Solotliurn, geboren 30. April 1868 in Einsiedeln, besuchte die Kunstgewerbeschulen Zürich und München 1885—88 und die königliche Akademie der b Künste in München 1891—98, hielt sich auf in lloni und Anticoli Corrado 1898—1905, in München 1905—19, in Zug, Villa Lauried 1919—47. Gestorben am 4. Mui 1947.

B. Das Werk des Meisters. I. Studienzeit, an der Akademie München. Übergang von der Nazarenerkunst zu einer mehr realistischen Historienmalerei (P. Rudolf Blättlcr, Descl'.wandcnschüler — Prof. Liezcnmayer, Pilotyschüler). 1893

Entwürfe zur Illustration einer Kindheit Jesu und einer Kindcrlegende für die Verlagsanstalt Benziger, Einsiedeln 1894—96 Deckcnbilder aus dein Leben Jesu in der Pfarrkirche in Arth 1898—99 Entwürfe zu den Wandgemälden in der Institutskirche Menzingen

II. Römischer Studienaufenthalt. Berührung mit der Neuklassik und Plainairmalerei — Verbindung klassischer Kompositionen mit mystischen Naturstinimungen (Feuerbach — Böcklin — Puvis de Chavannes —• Klinger). 1901—04 Zyklus aus dem Leben des hl. Franziskus: Franziskus von den Klarissen beweint Stigmatisation des hl. Franziskus Franziskus in der Einsamkeit (Institut Menzingen) Conversatio spiritualis Rückkehr vom Berge Alverna (Franziskushaus Solothurn) Altarbilder in der Instilutskirche Menzingen Die drei Marien am Grube Römische Wasscrträgerin Abendfriede in Nazareth Die Vision des Fra Angclico Betender Abcl Jugendlicher Johannes Sahinisches Volkslied (Kunstmuseum St. Gallen, vom Bund gekauft)

1914 1916 1917

Leben des hl. Magnus in Rieden, St. Gallen Chor der Kirche St. Fiden, St. Gallen Chor der Instilutskirche Ingenbohl

2. Tafelbilder. Unter dem Einfluß der »Scholle«, als Mitglied der »Künstlergruppe Bayern«, der Ausslcllungsgruppe »Die Wanderer« und der »Gesellschaft für christliche Kunst«: satte, ungebrochene Farbe, großflächiger Stil, germanische Note (Hodler, Gebhardt, Schiestl). 1908 Heilige Familie und Verkündigung, St. Otbmar, St. Gallen 1909 Redemptor miaidi, Erlöserkirche Zürich 1910 Votlvbild in der Petcrskapellc, Wil 1912 St. Klara im Institut Menzingen 1913 Salve Regina, Institut St. Antonius, Friedrichs!]. 1915 Altarbild in Gerliswil (Jesus im Tempel) 1915 2. Fassung der Stigmatisation, Franziskushaus Solothurn 1915 Heilige Familie 1916 St. Sebastian (Romanshorn) Kriegervotivbild (Bottrop) 1917 Cäcilia mit Engeln 1918 111. Familie (Ncudorf, St. Gallen) Gallugpredigt 3. Glasmalereien, Mosaiken und graphische Werke. Starker, klarer Umriß — Werkgerechte Ausführung. a) Glasmalereien 1910—12 Hochzeit zu Kana und Bergpredigt, in der Kirche Münchcn-Giesing 1911 Fenster der Kirche in Romanshorn 1914 Fenster der Kirche in Gerliswil b) Mosaiken 1905—06 Chorapsis und Seitenaltäre der Liebfraucnkirche, Zürich 1910 Kreuzigung und Kirchenväter in der Galluskirche, Frankfurt c) Graphiken 1908 Federzeichnungen fürdasFranziskusbuch Umschlagzeichnung der Zeitschrift für Christliche Kunst, München 1909—10 Weihnachtsbilder für den Kunstkalender »Kunst und Leben«, Berlin

III. Aufenthalt in München. 1. Wandgemälde. Nachwirkung der Begegnung mit der Beuronerkunsl (Monte Cassino) und den allchristlichen Basiliken (Ravcnna). Wachsender Einfluß des Jugendstils. Einordnung der Malerei in die Architektur (Wiener Sezession 1905). Dekorative Note. 1905—07 1906 1911 1912 1913

Chor der Licblruiienkirche, Zürich Kapelle der Akademie St. Croix, Freiburg Chor der Institutskirchc St. Anna, Lugano Chor der Kirche in Romanxhorn Chor der Klosterkirche Disimtis

IV. Aufenthalt in Zug 1. Die Reihe der großen Fresken. Konsequente Durchführung des sakralen Kultbildcs in seiner strengen Objektivität (Liturgische Bewegung — Vereinfachung des modernen Kirchenstils). 1919—21 Chor und Seitcnaltarhilder in der Antoniuskirchc, Zürich 1921—22 Chor der Martinskirche, Ölten 1923—24 Zehn Fresken aus dem Leben Jesu, Liebfrnnenkirche, Zürich 1925—26 Fünf Deckenfresken aus der Klostergegeschichte, Disentis

51

1927—28 Geburt und Himmelfahrt Christi, Michaclskirclie, Zug 1928—31 14 Fresken aus dem Leben Jesu in der Kircbe Romanshorn 1928 Oratorium der Schwestern in Baldegg 1929 Kreuzweg in der Antotiiiiskirche Zürich 1930 Studentenkapelle des Kollegiums St. Fideiis, Slaiis 1931 4 Fresken aus dem Leben des hl. Martin, Ölten 1932—34 Chor und Schiff der Frauziskuskirche, Zürich-Jfollishofcn (10 Fresken aus dem Leben des hl. Franziskus) 1933 Chor und Seitenaltärc der Institutskirche Hl. Kreuz, Chain 1935 Chor und Seitenaltärc der Pfarrkirche Immensee 1936 Altarbild der Pfarrkirche BnBnang Erneuerung des Chores der Liebfrauenkirchn, Zürich 1937 Chor der Pfarrkirche Gähwil 1938 Chor der Kapelle im Excrzitienhaus St. Franziskus, Solothurn 1939—40 Chor der Institutskirche Baldegg 2. Die Ikonen der letzten Zeit. Vereinigung größter Einfachheit, liturgischer Objektivität und verhaltener Innerlichkeit in kleinen, sorgfältig ausgeführten Tafelbildern. 1941 Kreuzweg in der Guthirlkirche, Zug 1942 Kapelle des Exerziticnhauscs Pelagiberg (Thurgau) 1943 St. Antonius für den Antoniusverlag, Soloth. Herz Jcsu, für die Thronerhebung des göttlichen Herzens in den Familien 1944 Mutter des Guten Hirten, Franziskushaus, Solothurn 1945—47 Chor und Seitcnaltarbilder für das Josefsluius, Lungern

C. Beschickte Ausstellungen. Internationale Ausstellung, München, Glaspalast Schweizerische Kunstausstellung Vevey .' Kunsthaus Zürich Römische Ausstellung Internationale Ausstellung i n Venedig . . . Jahrcsausstellung im Glaspalast, München . Ausstellung für christliche Kunst, Regensburg Leipziger Kunstverein Kunstverein Hannover Große Berliner Kunstausstellung Internationale Kunstausstellung, München . Nürnberger Jubiläumsausstellung Jahresausstellung im Glaspalast, München . Jahresausstcllung im Glaspalast, München . Große Berliner Kunstausstellung Anhaltsche Kunsthalle Große Dresdener Kunstausstellung Große Berliner Kunstausstellung Jahresausstellung Glaspalast, München . . . Christliche Kunst in Düsseldorf Internationale Kunstausstellung, München . JahrcsausBtellung im Glaspalast, München .

52

.

. 1901 1901 1901 1902 . 1903 . . 1901 . . 1904 1905 1905 1905 . . 1905 1906 . . 1906 . . 1907 1907 1907 1908 1908 . 1908 1909 . . 1909 . . 1910

Fritz Kunz-Ausstcllung, Gesellschaft für Christliche Kunst, München Internationale Ausstellung im Glaspalast, München Paderborner Kunstausstellung Berliner Kunstausstellung Ausstellung f ü r Christliche Kunst, Basel . . . .

1913 1913 1913 1913 1924

D. Bischer. Kinderlcgcnde, Verlag Bcnziger, 1899 Fritz Kunz und Heinrich Federer: Der hl. Franz von Assisi, Gesellschaft für Christliche Kunst, München, 1908 Franziskanisches Leben, Bilder von Fritz Kunz, Text von P. Otto Hophan, Verlag Drittordenszentrale Scliwyz, 1934 Kreuzweg, Bilder von Fritz Kunz, Begleitwort von Leo Kunz, Verlag Drittordenszentrale Schwyz, 1943

E. Besprechungen einzelner Werke. 1. Zeitschrift für Christliche Kunst, München. Liebfrauenkirche Zürich (P. Albert Kühn) V 1908/ 9 97—103 Kirche Romanshorn X 1913/14 294— 96 Institutskirche Ingenbohl (Dr.Styger) XV 1918/19 l— 14 Antoniuskirche Zürich (G. H. Heß) XXI 1924/25 l— 8 Liebfrauenkirche Zürich (P. Albert Kulm) XXII 25/26 11— 19 Klosterkirche Disentis (P. Albert Kühn) XXIII 26/27 123—125 2. Literarische Warte der Neuen Zürcher Nachrichten. Antoniuskirche, Zürich (Dr. Linus Birchlcr) 22. Okt. 1922 3. Gedenkschriften. Gedenkblätter zur zweiten Säkularfeier der Kirchweihe in Artli, von Dr. P. Albert Kulm, Orell Füßli, Zürich, 1896 Die Gemälde der Immakulatakirchc des Pensionates Thcrcsianum zu Ingcnbohl. Theodosiusdruckerei Ingenbohl, 1917 Die neue Kirche in Romanshorn, von J. B. Amrein, Theodosiusdruckerei Ingenbohl, 1920 Gcdenkschrift zum Bau der neuen Kirche in Immensee 1933/34, Dr.P.Magnus Künzle. 4. Zusammenfassende Würdigungen des Gcsamtwerkes von Fritz Kunz. Jos. Wais, in »Der Aar«, Jahrg. 2, 1912, Heft 6 Jos. Kreitmeier, in »Stimmen der Zeit«, Band 94, 1917, 1. Oktoberheft Theodor Hafner, in »Schweiz. Rundschau«, Jahrg. 26, _ 1926, Heft 5 P. Albert Kühn, in »Alte und Neue Welt«, Jahrg. 62, 1928, Maiheft Dr. Joe. Mühle, in »Zuger Neujahrsblatt 1931« Leo Kunz, in »Stadt Gottes«, 1943, Maiheft »Der Sonntag«, 1945, 4. Februar Herbert Gröger, in »Neue Zürcher Nachrichten«, 1947, S.Mai Josef Bruuncr, in »Heimatklänge« (Beilage der Zuger Nachrichten), Jahrg. 27, 1947, 30. Mai P. Erwin Frei, in »Der Sonntag«, Jahrg. 28, 1947, 13. Juli

F. Verzeichnis «ler Werke von Fritz Kunz im Kanton Zug und an den Ufern des Zugcrsces. Unsere engere Heimat besitzt eine beträchtliche Anzahl von Werken des Meisters, die gleichmäßig auf alle Epochen seiner Entwicklung verteilt sind und darum einen schönen Einblick in sein Schaffen gewähren. 1895 3 Deckengemälde in der Pfarrkirche Arth: Abendmahl Beweinung Christi Christus als Tröster der Mühseligen 1896 2 Deckengemälde in der Pfarrkirche Arth Anbetung der Weisen Et verbum caro factum est (Die Entwürfe zu diesen Gemälden sind entstanden in der Komponierschule Prof. A. von Liezenmaycrs an der Akademie von München und wurden mit der großen silbernen Medaille der Akademie ausgezeichnet. Sie sind das erste selbständige Werk von Fritz Kunz) 4 Engel, Lunettcn im Chor und auf der Empore der Pfarrkirche in Arth 1899 Institutskirche Menzingen Die klugen Jungfrauen, Wandgemälde in Caseinfärben Die Auserwählten Krönung Marions Engelkonzert (Die Entwürfe entstanden noch in München in der Zwischenzeit nach dem Austritt aus der Akademie und dem ersten römischen Aufenthalt) Die 3 Gelübde 4 Engel mit Schriftlafcln, Wandgemälde 1900

Madonna mit dem Kinde, Altargcmälde in öl Verkündigung, Altargemäldc in Öl Josef von der Arbeit heimkehrend (Altargemälde in Öl) (Diese Werke entstanden während des ersten römischen Aufenthaltes, sie stehen unter dem Einfluß der Antike und der Renaissance, ausgestellt im Glaspalast München, 1900) 1901 Portrait von Schwester Frederica Hahn, Gcneraloberin von Menzingen St. Franziskus von den Klarisscn beweint, Ölbild St. Franziskus empfängt die Wundmale (Zwei erste Bilder zum berühmten Franziskuszyklus für den Kapitclsaal des Mutterhauses Menzingen, gemalt in Rom — Freilichtmalereien) 1902 2 weitere Portraits verstorbener Oberinnen von Menzingen 1920 2 Ölgemälde für das Elisabethcnhciiu in Walchwil Vertreibung der hl. Elisabeth aus der Wartburg Aufnahme der hl. Elisabeth in den 3. Orden 1927 St. Michaclskirche, Zug Geburt Christi (Fresko über den Seitenaltären) Christus, St. Michael, St. Oswald (Fresken über den Portalen) Christus segnet die Kinder Christus erweckt das Töchterchen (2 Fresken im Pfarrhof St. Michael)

1928

Himmelfahrt Chr., Fresko über den Seitenaltären

1933 Kirche des Mutterhauses der Schwestern vom hl. Kreuz in Cham Das heilige Kreuz mit Heiligen aus dem Bencdiktinerorden (Chorfresko) Immaculata Geburt Christi (Fresken über den Scitenultären) Entwürfe für die Fenster (Chorfenster) Maria Verkündigung Maria Opferung Knabe Jesus im Tempel Maria Krönung (Fenster im Schiff) St. Sebastian St. Franziskus St. Franz von Sales St. Adelheid St. Theresia vom Kinde Jcsu St. Cäcilia Mosaik auf dem Familiengrab in Zug 1935 Portrait der Generaloberin Sr. Carmela Motta in Menzingen Ölgemälde auf Holz Pfarrkirche in Immcnsee Christus mit Sebastian, Wendelin und den 14 Nothelfern (Apsisfresko) Madonna St. Josef Theresia v. Lisieux Pfarrer von Ars (Fresken über den Seitenaltären) 1941 Kreuzweg für die Guthirtkirehe in Zug (Wachsfarben auf Preßholz) 1942 Regina Pacis, Seitenaltarbild, Guthirtkirehe Zug (Wachsfarben auf Preßholz) 1943 Herz Jcsu Heiliger Josef (2 Ölgemälde für das Kapuzinerkloster in Zug) Hauptsächlichste Literatur über die obigen Werke von Fritz Kunz und von Znger Autoren über Fritz Kunz. Die Restauration der Pfarrkirche von Arth, P. Dr. Albert Kulm, in Gedenkblätter zur 2. Säkularfeier 1896 Fritz Kunz by Dr. P. Albert Kühn in Benzigers Magazine, New York, March 1905 Fritz Kunz, von Dr. Theodor Hafner, in Schweizer Rundschau 1926, Heft 5 Fritz Kunz in der Pfarrkirche St. Michael, Zug, von Dr. P. Magnus Künzle, in »Heimatklängc«, 18. Sept. 1927 Fritz Kunz, von Dr. Jos. Mühle im Zugcr Neujahrsblatt 1931 Gcdenkschrift zum Bau der Kirche in Immensee, von Dr.P.Magnus Künzle, 1934 Zuger Nachrichten, 25. März 1942 (Kreuzweg in Guthirt) » » 9. Okt. 1942 (Regina pacis) » » 4. Okt. 1944 (Kunst im Kapuzinerkloster) St. Michaelsglocken, 1927, S. 85 (Fresken in St. Michael) » 1928, S. 66 » 1942, S. 53 (Kreuzweg) » 1942, S. 174 (Regina pacis) Josef Brunner, in »Heimatklänge«, 30. Mai 1947

53

Die Madonna mit dem Kinde (Zum farbigen Bilde) Fön Theodor

Hafner.

Die hier in Farben wiedergegebene Madonna mit dem Kinde wurde von Fritz Kunz im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, etwa zwischen 1906 und 1910, auf eine Holztafel aufgerissen und dann unvollendet wcggestellt. Erst viel später, um 1940 herum, nahm er sie wieder vor und vollendete sie in der Muße der letzten Jahre, in denen ein Herzleiden ihm die Arbeit auf hohen Werkgerüsten verwehrte. Er wandte eine große Liebe an sie und einen rührenden Bedacht auf kleine Feinheiten, der wie ein Nachschein wirkt auf das Licht der mächtigen Energien, mit denen er auf dem Zenith seines Lebens Werke größten Ausmaßes geschaffen hatte. So mutet diese Tafel an wie ein Abendrot auf den Mittagsglanz seines Vollwirkens. Zwischen Beginn und Vollendung des Bildes liegen an die 30 Jahre. Es offenbart darum dem geduldigen und wachen Beschauer in seltsamer Weise das Wesen seines Schöpfers und seinen Gang durch die Jahrzehnte hohen Ruhmes in die friedliche Stille seines silbernen Alters. Das Antlitz der Gottesmutter erinnert an die Frauengestalten aus der Römerzeit des Meisters (1898—1903). Damals lag er im Anticoli-Corrado in den Sabinerbergen — es mochten damals an die 50 Künstler aus allen Ländern in jenem Dorfe der stolzesten Modelle malen — Studien ob, die er zu seinen großen religiösen Freilichtbildern ausgestaltete. Sie brachten ihm an den internationalen Ausstellungen von Rom bis Berlin europäischen Ruhm. Aber wie ein innerlich Erschütterter der Welt den Abschied gibt und in der Einsamkeit der Gottbetrachtung Größeres sucht, wandte er seinen lichtdurchtränkten, sonnenüberfluteten und stimmurigsgesättigten Farben den Rücken und gab auch die in München gepflegte Anlehnung an die gemüthaft allemannische Art auf. Auf der Suche nach einem religiösen Monumentalstil empfing er entscheidende Anregungen in den frühchristlichen Basiliken Ravennas. Er begann seine Gestalten, etwa die Ältesten in der Apsis der Liebfrauenkirche in Zürich, nach klassischen Vorbildern streng zu stilisieren. In der Faltung des Gewandes klingt auch auf unserni Bilde jene Periode klassischen Einschlages nach. Das Kindlein dann gemahnt an seine letzte Phase des flächigen Freskostiles, da er vom RömischKlassischen wieder abgerückt, zu allemannischem, 54

ja schweizerischem Ausdruck und zu einem geläuterten Naturalismus zurückgefunden hatte, in dem er als Künstler ja eigentlich auch aufgewachsen und groß geworden war. Der schwarze Saum des grünen Kopftuches endlich spricht leise von des Meisters Hang zu dekorativen Beigaben — er mag ihn aus des Vaters Altarbauer-Werkstatt mitgenommen haben. Er hat ihn auch in seinen monumentalen Schöpfungen in den Gewändern Gott des Vaters, der heiligen Könige und Königinnen, der Hohenpriester und Engel verhalten spielen lassen. Aber mit dieser Zergliederung sind wir noch nicht zum Geiste des Bildes vorgedrungen, der die auseinandertretenden Elemente verschiedenster Epochen zu einem Ganzen zusammenhält, weniger zu einem malerischen Ganzen -- der reine Künstler möchte das Kind in Farbe und Geste wohl mehr der Mutter zugebunden haben — als vielmehr zu einem ges/nnungsmäßigen Ganzen. Damit stoßen wir zum Kern der Darstellung und der Kunst von Fritz Kunz vor. Als der hochbetagte Meister innig malend vor diesem Bilde stand, sind ihm wohl alle Bronnen seines tiefen, verhaltenen Gemütes aufgebrochen und durch den Pinsel in diese Darstellung der Mutter und ihres Knäbleins eingeflossen. Sind nicht Urerfahrungen ganzer Geschlechter in sie hineingebaut? Es sei sogleich hinzugefügt: Erfahrungen religiöser Geschlechter. Immer gepflegte christliche Tradition hat hier Ausdruck gefunden, die in der Mutter des Herrn nicht einfach nur die schlichte Frau aus dem Volke, sondern auch die von fern her Auserwählte sieht, die sich zwar mütterlich jedem Flehenden neigt und doch in ihrer tiefen Rückverbundenheit zu Gott hoch über allen Menschen schreitet. Auf dem Grunde ihrer Augen aber bangt das Wissen darum, daß sie ihren Knaben nicht für sich aufziehen, sondern höherer Sendung zur Weltgesundung schenken wird. Das schlägt sich in ihrem Blick wie eine feine Wehmut nieder, und in dieser Wehmut wird sie allen Müttern gleich, die hergeben und verschenken müssen, was ihr Schoß geboren. Aber ist es nicht doch ihr Kind und darum ganz ihr zu eigen? Der Maler spann das Grün des Kopftuches wie das fruchtbare Grün mütterlichen Erdenschoßes in der Mutter Augen

K HIT/

Kl :.N/:

M A D O N N A MIT DKM k l N D K,

lind über der Mutter Hände in die Bänder des Wickeltucheis und in die Umrißlinie der kleinen Kinderhändchen: so sehr umfängt die Mutter den, den sie geboren. Mutter und Kind! Süßes, eignes Kind! Nun müßte es aus diesem und in diesem Grünton sich der Mutter zuschmiegen als ihr anderer Teil. Aber der gläubige Beter überwindet auf einmal den Maler: er stellt den Knaben aufrecht in fremdem Ton, mit überbewußten Augen als ein völlig Anderes in diese schlanken zarten Mutterhände. Der Andere, der vor Pilatus sagen wird: »Ich bin nicht von dieser Welt.« Mitten im Bild scheint das Thema gewendet. Nicht mehr ist es die Madonna mit dem Kinde, sondern der göttliche Knabe, von seiner Mutter der Welt hingehalten. Nicht schmiegt sich ein schwaches Kind an die Mutter: der kommende Erlöser bietet der Welt sich dar, und aus seinen frühreifen Augen gebt das Leuchten seines göttlichen Ursprunges. So hält die Mutter zwar noch das Kind, aber nicht mehr als ihr Eigentum: sie hält es hin einer Welt, die es erlösen will. »Seht ihn, seht ihn!« rufen ihre Augen und ihre schmalen Hände, und darüber wird sie wieder zum stillen, schlichten, dunkelgrünen Rahmen dieper kleinen Gottessonne. Von der Auffassung, die in dieser tieffrommen Hinwendung zum göttlichen Kinde liegt, ist sozusagen jede größere Schöpfung von Fritz Kunz getragen. Und mag eines Schicht des greisen Mannes das strahlende Kind so in den Vordergrund getragen haben, weil im Kinde der Mann sich

weiter dauern fühlt, so hat des Künstlers unerschütterlicher, schlichter Glaube diesen Drang verklärt durch seine Anbetung des göttlichen Kindes. Fritz Kunz hat immer tief empfunden, daß Gott — der Vater, der Gottessohn und der Heilige Geist: die heilige Dreieinigkeit — in des Wortes wahrster Bedeutung un-gemein, anderen Seins sind und ihnen alles untergeordnet ist: die Chöre der reinen Geister, die hochheilige Frau, die Geschlechter der Heiligen und Seligen und gar die noch irdisch Wandelnden. Diese urchristliche und urkirchliche Auffassung hat der Künstler mit seinem Pinsel in die Apsiden, an die Gewölbe und die Wände der Kirchen hingesprochen mit einem künstlerischen Atem, dessen Kraft den Gesetzen von Wellenhöhe und Wellentiefe und dem Rhythmus der Natur unterworfen war, die gegen den Winter hin ihre Kräfte einzieht; doch untersteht das Reifen der Seele wieder anderem Gesetz. In den von ihm ausgeschmückten Kirchen hat Fritz Kunz neben den Diakonen am Hochaltar als dritter verkündender Diakon mitgedient und wird, vom Volke immerdar verstanden, so lange mitdienen, als seine Bilder von den Wänden und Altären leuchten.

Fritz Kunz: Der Id. Bernhard Ausschnitt aus dem Apsisgeiuulde der Institntskirche Ingenbobl

55

r/ LINIEN Was ist die Linie, wenn sie nicht bloss Griffelspur über widerstrebendes Blatt? Nicht vielleicht sichtbar gewordener Hauch Gottes über den Wassern, der weht wo er will wider den Strom zugleich und im Gesetz? Tausendfältig im Licht weil aus ewiger Einfalt; gebrochen dem Auge gezeigt weil zuinnerst niemals zerteilt und eineinzig. Also vielleicht eines Menschlichen \

lil

kühnster Hineinstieg, unverhofft wachsend unser innigster Anteil an göttlicher Kraft. Steht denn das Wort umsonst: Wir seien Gezeichnete nach seinem Bild? Sodass wir Linien blieben aus seinem Blick und, wenn wir den Griffel brauchen, nichts mehr und nicht anders vermöchten als abermals also zu zeichnen wie er: Jede Linie unwiderruflich ein Schicksal.

H. R. Bilmer-BuUiui

56

\>

DER ROSSBERG IN DER EISZEIT Von Joseph Kopp.

B

etrachtet man auf der geologischen Vierwaldstätterseekarte die Darstellung des Roßberges, so erkennt man in den Tälern auf der Nordeeite dieses Berges Gehäiigeschuttmassen, welche die tiefsten Talrinnen ausfüllen. Nur hei Urzlenboden (unterhalb Wildspitz) ißt ein kleiner Moränenwall eingezeichnet. Auf Grund dieser Auffassung müßte man annehmen, daß der Roßberg in der letzten Eiszeit ganz unbedeutend vergletschert war. Da nun aber Molasseberge von gleicher Höhe wie der Roßberg, wie z. B. das Schwarzflühli südlich des Eigentales bei Kriens auf ihrer Nordseite ausgedehnte Moränenablageningen mit Wallmoränen aufweisen, erscheint es als höchst wahrscheinlich, daß auch auf der Roßberg-Nordseite bedeutende Gletscherablagerungen vorhanden sein müssen. Da während der letzten Eiszeit, der Würmeiszeit, die Schneegrenze bei zirka 1300 Meter Höhe lag, waren die Bedingungen für eine Bildung von Lokalgletschern vorhanden.

Die geologische Neuaufnahme des RoßbergGebietes hat nun in der Tat auf Grund der Feststellung ausgedehnter Moränen-Ablagerungen die Existenz einer starken Lokalverglet scherung erwiesen. Die Nagelfluhblockmassen in den vier Tälern der Roßberg-Nordseite sind Moränen der letzten Eiszeit; das zeigen die Moränenaufschlüsse in den Bächen des Urzlenbodens und beim weiter unten gelegenen Punkt 975 Meter (Im allen Bann) ganz deutlich. Es handelt sich um typische Grundmoräne. Übrigens sind im Hürital und seinen südlichen Seitentälern nur wenige Kalknagelfluhbänke vorhanden, welche unmöglich die mächtigen, zum großen Teil aus bunter Nagelfluh bestellenden Blockmassen geliefert haben können. In den Tälern der Roßberg-Nordseite treffen wir an manchen Stellen vorzüglich ausgebildete Wallmoränen der Lokalgletscher, so nordwestlich der Alp Hürital in 1090 bis 1990 Meter Höhe, unterhalb Urzlenboden ein Endmoränenwall bei zirka 1000 Meter Höhe, im Tal von Unter-Roß-

Moldsse allgemein inkl. loltale Schulbildungen

!'V l Bergsturz: Terrassenrönc/er Würm-Rossbergmoränemirhfällen

-••

Proe-Würm Bachläufe

• Qrat, Bergliamm

Abdruck aus Eclog. Geol. üelvctiae. Vol. 39, Nr. 2, 1916.

57

berg (Zuger Alpli) mehrere Wälle auf beiden aber zufolge gleicher Zusammensetzung wie die Talseilen von 1180 bis 1040 Meter Höhe. Unter Wünnmoränen von diesen nicht unterschieden dem Roßberggrat, zwischen Gruppen und Leiter- werden. fluli, treten karartige Mulden auf, welche in ihrem Auf der rechten Seite des Hüritales treffen untern Teil von Grundmoräne ausgefüllt sind. wir nördlich der Ramenegg eine RißmoränenabNach dem Rückzuge der Lokalgletecher haben lagerung. sich auf der Roßberg-Nordseite einige kleinere An den Hängen des nördlichen RoßberggeBergstürze ereignet. Eine Bergsturzmasse liegt bietes gegen Zugersee und Ägerisee liegen ausgezwischen Urzlenboden und Ampferboden (nörddehnte Reußmoränen der Würmeiszeit. Den lich Wildspitz), eine andere zwischen OberHöchststand des Reußgletschers markiert die Beichli (beim Gnippen) und Ober-Roßberg; schöne Wallmoräne, welche sich von Rufiberg weitere von Felsstürzen herrührende Blockmassen über Schanz zum Heumoos hinzieht. Weiter finden sich in der Mulde westlich des Wildspitz nördlich treffen wir diesen Wall wieder als den und unterhalb der Leiterfluh östlich Wasserfallen. Grat, der die Punkte 990 Meter und 994 Meter Im Hürital und seinen südlichen Seitentälern trägt. Gegen Walchwil zu treten noch eine Reihe reichen die Moränen der Roßberg-Gletscher bis von Moränenwällen auf, welche durch die Bäche auf zirka 900 Meter Höhe; in tieferer Lage trifft mehr oder weniger zerstückelt worden sind. Daman auf Moränen des Reußgletschers, erkenntlich zwischen lagen früher Seelein, die nun durch an den Kalkgeröllen. Das Vorhandensein von Verlandung in Torfmoore übergegangen sind. Die wohlausgeprägten, teilweise mit Torfmooren be- am tiefsten liegenden Wallmoränen des Reußdeckten Terrassen, bei Punkt 900, bei Im Fang gletschere treffen wir bei Schwendiberg oberhalb und bei Punkt 917 deutet darauf hin, daß ein vom St. Adrian. Kiesausbeutungen zeigen hier geÄgerital ins Hürital eindringender Reußgletscher- kritzte Gerolle aus den Kalkalpen. Die ausgeArm mit den Roßberg-Gletschem zusammenge- dehnten, groben Nagelfluh-Blockmasseii zwischen stoßen ist und dieselben gestaut hat. Auf andere Rufibach und Klausenbach deuten darauf hin, Weise lassen sich die Terrassenbildungen nicht daß in diesem Gebiete eine auf den Reußgletscher erklären. Am Ausgange des Hüritales sind die herabgestürzte Bergsturzmasse deponiert worHänge von Bucklen und Ochsenfaiße bis über den ist. 900 Meter Höhe von Reußmoräne bedeckt; geDer höchste Moränenwall bei Rufiberg entkritzte Kalkgerölle der Reußmoräne lassen sich spricht dem Wall der Seebodenalp oberhalb in der an der Straße südwestlich Haselwald beKüßnacht, der den Höchststand des Küßnachter findlichen Kiesgrube sehr gut erkennen. Arms des würmeiszeitlichen Reußgletschers Auf den Gräten und Hängen des nördlichen markiert. Roßberggebietes treffen wir indessen nicht nur Durch die neuen Forschungen ist es gelungen, Ablagerungen der letzten Eiszeit, sondern auch auch einen Moränenwall aufzuspüren, der den solche der vorletzten Eiszeit, der Rißeiszeit. Von Höchststand des Ägeri-Armes des Reußgletschers der Kuppe des Großmattstollens, die ganz mit Riß-Grundmoräne bedeckt ist, können wir gleich- darstellt. Es ist dies ein kleiner, aber wohl ausgealtrige Gletscherablagerungen über Heumoosegg, bildeter Wall, der bei Glätti nördlich der RamenHageggbann (nördlich Gnippen), Dürrenboden egg in einer Höhenlage von 1100 Meter auftritt. bis Vorderboden (Rufiberg) verfolgen. Es han- Dahinter liegt ein kleines Torfmoor. Der Gletdelt sich in der Regel um kleingerölliges, stark scherarm, welcher diesen Wall aufgeworfen hat, verwitterte Moräne mit gelb-rötlich violetten An- umfloß die Kohlerhöhe und drang ins Hürital ein. witterungsfarben, welche nur wenig NagelfluhUnser Streifzug durch die Täler und Höhen blöcke enthält. Auf der Walchwiler Oberallmend der Roßberg-Nordseite hat uns an Hand der zahlbefindet sich auf der Rißmoräne ein flacher Mo- reichen Gletscherablagerungen ein lebendiges ränewall, der von der neuen Straße von Staffel Bild der eiszeitlichen Verhältnisse vor Augen gezum Pfaffenboden durchschnitten worden ist. führt. Zur Zeit des Höchststandes der WürmAll diese Rißmoränen sind Ablagerungen des gletscher war der Roßberg von mächtigen EisReußgletschers; Rißmoränen der Roßbergglet- strömen umflossen und nur die obersten Spitzen scher sind vielleicht auch vorhanden, können Gnippen, Wildspitz und Kaiserstock ragten aus

58

der Eismasse heraus. Durch die nördlichen Täler des Berges strömten Lokalgletscher und vereinigten sich mit dem Ägeri-Arm des Reußgletschers. Nach dem Rückzuge des Eises lösten sich von der Südflanke des Roßberges große Felspakete und erzeugten zwischen Gnippen und Gwandelenfluh eine Reihe von Bergstürzen, die stellenweise bis zum Lauerzersee hinunterbrandeten. Durch den Sturz der Gwandelenfluh wurde die Steiner-Aa oberhalb Ecce homo gestaut und es entstand ein Stausee, der heute aufgefüllt die Eumatt bildet.

.*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. *' :•.*. •*••**! •*• ;**. •* >*;v ;+*; •*• ;**i •*• >*;•*• >*;•*•.*

In geologischer Hinsicht hat also der Roßberg in bezug auf seine Oberflächen-Ablagerungen zwei Gesichter. Die Südseite ist ein ausgedehntes Bergsturzgebiet; die Nordseite zeigt mit mächtigen Moräncnschuttmassen erfüllte Täler, welche mit Terrassen ins Hürital münden. Mögen diese Forschungsresultate den naturkundlich interessierten Bergwanderer anregen, sich mit tieferem Verständnis in Bild und Form der Roßberg-Landschaft einzuleben um dadurch zu erhöhtem Naturgenuß zu gelangen.

;**• ;**; •##• ;**; ,*tc; ;**; •**• •**• •**• •* * * * * * * * * * *

.*.

.*.

.*.

.*.

. * . . * . . * . *

*

*

*• •**• •**• •**• •* '*• •*• * •*• *

*

*

*

59

DIE KERAMIK DER BURG HÜNENRERG Von Karl He id. ie Grabung1) hat ein kleines Fundinventar ergeben, dessen Keramik nicht vielseitig, aber doch Stücke von besonderem Interesse aufweist. Da wir urkundlich über die Burg wenig wissen, bei der Grabung keine unberührten Brandschichten zutage traten, so können wir die Funde nur durch Vergleich mit anderen aus datierten Grabungen, zeitlich festlegen. Schatzgräber haben in der Ruine arg gehaust und alles durcheinander gebracht, sodaß das Gesamtergebnis nur für die Burg im allgemeinen, nicht aber für einzelne Räume Geltung hat. Das Scherbenmaterial, das nur zu kleinem Teil zusammengesetzt werden konnte, habe ich deshalb für die Besprechung nach Gefäßarten eingeteilt.

D

Ofenkacheln. Die unglasierten Becherkacheln gehören nicht zu den ältesten, sondern zu den bereits gerieften, wie sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts hervortreten. Der Kachelrand Profil 9 gehört bereits zu den Becherkacheln, bei denen die Riefelung erstmals angewendet wurde.2) Der Rand ist nicht mehr lippenartig, sondern bereits dachartig und die Strichfurche unter dem Rand ist verschwunden. Der Mündungsdurchmesser beträgt 12 cm. Die Kachel ist rot gebrannt und hat eine rauhe Oberfläche. Ihre Form ist baucliig und dürfte sie kurz vor 1250 erstellt worden sein. Die nächste Stufe der Entwicklung zeigt das Profil 10, wo nun der Rand rund, die übrigen Merkmale aber sich gleich bleiben. Die weitere Entwicklung kommt im rekonstruierten Profil I (Taf. I, 19) zum Ausdruck. Der Rand ist oben flach und gegen die Außenwand betont abgeschlossen. Breite, flache Riefeln treten an der Wand hervor, wodurch die Kachel einen besseren Halt im Ofenkörper fand. Sie ist 10 cm hoch, hat einen Bodendurchmesser von 6 cm und einen Mündungsdurchmesser von 7 cm. Dieser Rand wird beim Profil 15 mehr kantig, balkenfönnig. Die Riefeln sind bestens ausgeprägt. Abschließend finden wir noch das Profil 16, wo der Rand entsprechend der gotischen Epoche schlank und breit gezogen wird. Auch innen steht der Rand etwas vor. Wir können diese Kacheln, die alle auf der Drehscheibe erstellt wurden, in den Anfang des 14. Jahrhunderts datieren. Zu diesen Kacheln liegen verschiedene Bodenfragmente vor, die innen immer Knetwülste zeigen, also innen mit den Fingern ausgestaltet wurden. Ein Exemplar hat sogar noch einen, schwammartigen Rückstand, der nicht aus der fertigen Kachel entfernt wurde. Von Pilzkacheln liegen Fragmente verschiedener Kacheln vor. Das Profil 2 stellt eine Rekonstruktion aus verschiedenen Fragmenten dar. Diese Kacheln sind rot gebrannt mit dunkel-

60

grüner oder brauner Glasur auf den Kuppeln. Die Höhe der Kacheln beträgt zirka 18 cm, der Kuppeldurchmesser 12 cm und derjenige der Röhre 8 cm. Die Kuppel läuft oben in eine kleine Spitze aus. Die Röhren sind einerseits schwach gerieft mit abgeschnittenem Ende (Taf. I, 13) oder stark gerieft mit manschettenartigem Abschluß (Taf. I, 14). Diese Kacheln 8) sind gut bekannt und können in das zweite Viertel des 14. Jahrhunderts datiert werden. Von Napfkacheln liegen nur wenige glasierte Fragmente vor. Sie haben roten Brand und olivengrüne Glasur. Die Rekonstruktion Profil 3 erfolgte aus dem Material von zwei Kacheln. Der Mündungsdurchmesser ist 12 cm, die Höhe 15 cm und der Bodendurchmesser 11 cm. Der Rand wird lippenartig auswärts geneigt, die Wandung innen und außen mit kräftigen Riefeln versehen und der Boden trägt innen noch eine Spirale. Die Kachel wurde mit dem Draht von der Drehscheibe abgesclmitten und nachher unsauber verputzt. Diese Kacheln können in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert werden. Recht viele Fragmente stammen von Medaillonkacheln (Profil 4 und Taf. I, 9). Sie sind rot bis grau gebrannt und haben eine grüne Glasur. Die Rekonstruktion mit einer Tellerweite von 14 cm, einer Höhe von 10,5 cm und einem Röhrendurchmesser von 10,5 cm ist nur für die obere Partie nachgewiesen. Die Kachel wurde derart erstellt, daß zuerst der Teller ausgedreht und hernach die Röhre angeknetet wurde. Deshalb haben ausnalunslos alle Tellerfragmente keine Röhren mehr. Der lippenartige Rand geht nach innen geschweift zur Platte über, durch eine Leiste ausgeschieden. Die Platte trägt als Verzierung eine stilisierte Tulpe, ein bekanntes Motiv.4) Die magere Ausarbeitung der Verzierung erlaubt die Kachel in die Hochgotik, also in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Am reichlichsten sind die Fragmente von Blattkacheln vertreten. Hier konnten sogar zwei Kacheln vollständig zusammengesetzt werden. Die auf Taf. I, 5 abgebildete Kachel ist rot gebrannt und olivengrün glasiert. Sie hat quadratische Form von je 15 cm Seitenlänge. Das Bild ist doppelt umrahmt, einem breiten Rand und einer Leiste als Abgrenzung zum Bild. Die Platte trägt erhaben als Verzierung einen schreitenden Hirschen. Die Figur zeigt nicht mehr die kraftvolle Fülle aus der Zeit der ersten Gotik und kann auch nach der Glasur in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden. Als Gegenstück mit gleichen Dimensionen, aber mit nur einfacher Umrahmung ist die auf Taf. I, 6 abgebildete Kachel zu betrachten. Als Verzierung wird liier ein Drache gezeigt. Das Motiv der Fabeltiere

23

24

Keramische Funde aus der Burg Hünenberg (Taf. i) Bodenmarken 2, 3 Ofenkacheln l, 5, 6, 9, 12-14, 17-19 Geschirrfragmente 10, 15, 16, 20-28 Lampen 7, 11 Puppen 4, 8

28

ist für diese Zeit beliebt und weit verbreitet. Zur gleichen Serie gehört noch das Fragment, das auf Taf. I, l abgebildet ist. Es ist braun glasiert, stellt einen schreitenden Löwen als Verzierung dar und iuil.il. 12 cm im Geviert. Ein weiteres Exemplar dieser Kacheln ist auf Taf. I, 12 wiedergegeben, wo der schreitende Hirsch im Gegensatz zur vorbesprochenen Kachel den Kopf zurückwirft. Die restlichen Fragmente stammen alle von Nischenkacheln. Das auf Taf. I, 17 abgebildete Stück stammt von einer Kachel mit mehreren Nischen und mit Dreipaß ausgefüllten Zwischenräumen. Die mageren Ranken erinnern an die Tulpen der Medaillonkacheln und dürfte somit diese Kachel der gleichen Zeit angehören. Zur gleichen Kachel gehören vermutlich Bodenstücke mit Ansätzen zu Säulen an beiden Seiten und in der Mitte. Weitere grün und braun glasierten Stücke stammen von Nischenkacheln, wie sie aus Küsnacht, Zürich und Schönenwerd bei Dietikon bekannt sind. Beidseitig der Öffnung mit Spitzbogen und darüber liegender Rosette stehen Ritter und Edeldame mit zugeneigtem Rücken. Von einer trapezförmigen Krönungskachel ist das Köpflein (Taf. I, 18) grün glasiert erhalten. Aus den vorliegenden Kacheltypen kann gesagt werden, daß sie vermutlich von drei Öfen herstammen. Es fällt auf, daß die ältesten Kacheln erst gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts einsetzen, während die übrige Keramik früher beginnt. Wir dürfen annehmen, daß vorher die Beheizung durch ein Chemine erfolgte und erst um 1250 herum der erste Ofen gesetzt wurde. Zu diesem gehörten die Becherkacheln. Im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts wurde ein weiterer Ofen gesetzt oder auch der alte ersetzt, der aus den Pilz-Napfund Medaillonkacheln erstellt wurde. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts erfolgte der Aufbau eines weiteren Ofens, zu dem die Blattkacheln verwendet wurden. Wir können also anhand der Ofenkacheln eine Besiedelung der Burg von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 14. Jahrhunderts nachweisen. Die Kacheln selbst sind bekannte Typen. Interessant ist zu verfolgen, wie weit einzelne Typen verbreitet waren. 6 ) Die Gesellen nahmen auf ihrer Wanderschaft einzelne Kachelmuster mit heim und verwendeten sie dort wiederum, worauf von hier aus durch andere Gesellen das gleiche Muster wieder weiter getragen wurde. Aus welcher Werkstatt die Kacheln der Burg Hünenberg stammen, ist nicht nachzuweisen. Töpfe unglasiert Die unglasierten Töpfe können durch die Ausscheidung der Randprofile in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Die zeitliche Bestimmung wird durch Vergleich mit Stücken anderer Grabungen und stylistischen Erwägungen gemacht. Die erste Gruppe umfaßt Töpfe mit dem Knollenrand, wie er zu Ende des 12. Jahrhunderts gewesen sein dürfte. Die Töpfe haben entspre-

chend der romanischen Zeitepoche stark kugelige Form und keinen eigentlichen Hals, sondern die Wand des Topfes läuft von der Schulter direkt unter den Rand. Der Hals wird durch eine unbedeutende Senkung über der Schulter angedeutet. Beim Profil 12 ist über die Schulter des Topfes ein Wellenband als Verzierung gezogen (Taf.I, 28). Er hat roten Brand und ist ganz auf der Drehscheibe erstellt, aber abschließend von Hand ausgeformt, wodurch die ganze Oberfläche uneben und mit Grübchen bedeckt ist. Sein Mündungsdurchmesser beträgt 18 cm. In gleicher Weise ist derTopf Profil 13 angefertigt worden. Er hat einen Mündungsdurchmesser von 16 cm, ist außen rot und innen grau gebrannt. Bei den restlichen Profilen 7 und 18 (Taf. I, 20 und 27) erscheinen die ersten Ansätze eines Halses. Der Topf erscheint deshalb weniger kugelig, der Hals schließt offen unter dem Rand an. Beide haben einen Mündungsdurchmesser von 16 cm. Besonders deutlich kommt der Hak beim Profil 18 zum Ausdruck. Der Rand dagegen verflacht und hat von der Gestaltung her eine Rille auf der obern Partie. Der Brand ist hellrot. Diese Gruppe können wir in die Wende vom 12. ins 13. Jahrhundert datieren. In der zweiten Gruppe wird nun der Rand leichter, umgelegt mit untergriffiger Rille, wie wir sie bei den ungerieften Becherkacheln finden. Ihre Datierung fällt daher mit derjenigen dieser Kacheln zusammen, in den Anfang des 13. Jahrhunderts. Profil 19 und 21 stammen vom gleichen Stück (Taf. I, 23) mit einem Mündungsdurchmesser von 17 cm und rotem Brand. Der Rand ist noch kräftig, aber doch schon umgelegt, ebenso ist der Halsansatz sichtbar. Die Oberfläche ist rauh und auf dem Rande liegen zwei Kerben von der unsorgfältigen Behandlung vor dem Brande. Beim Profil 14 mit 14 cm Mündungsdurchmesser und rotem Brand wird der Rand noch leichter, bandfömig mit einer untergriffigen Rille. Der Hals erscheint ausgeprägt, wodurch die Form des Topfes mehr gestreckt wird. Beim Profil 20 mit einem Mündungsdurchmesser von 16 cm und rotem Brand wird der Rand kleiner, ebenso beim Profil 38. Bei diesen Töpfen wird in der Regel die Schulter verdickt. Beim Profil 6 mit rotem Brand außen und grauem innen wird der leichte Rand bandförmig eingerollt und spitz abgeschlossen. Die untergriffige Rille fällt nun weg. Beim Profil 5 mit rotem Brand ist der Rand bereits soweit entwickelt, daß er den Übergang zur nachfolgenden Gruppe bildet. Der Rand ist nun dachartig vorstehend, der Hals schließt frei an und die Form des Topfes wird immer mehr gestreckt. Mit der Gruppe III, die zahlenmäßig am besten vertreten ist, nähern wir uns dem Ende der romanischen Formen und finden bereits den Übergang zur Gotik. Sie kann also zeitlich in das dritte Viertel des 13. Jahrhunderts datiert werden. Das Profil 22 hat noch viel mit denjenigen der Gruppe II gemeinsam. Der Topf ist außen rot,

61

innen grau gebrannt. Der Rand ist leicht überhängend und geht offen zum kurzen Hals über. Die Schulter ist nicht mehr verdickt, wodurch der Hals besser zum Ausdruck kommt. Das Profil 24 mit 14 cm Mündungsdurchmesser ist wieder kräftiger in der Form. Sonst bleiben die allgemeinen Merkmale sich gleich, mit der Ausnahme, daß nun die Wandung gleichmäßig dick wird. Die bisher rauhe Oberfläche erfährt nun eine sorgfältige Ausglättung. Von gleicher Beschaffenheit in leichter Ausführung ist das Profil 29 mit 14 cm Mündungsdurchmesser. Mit dem Profil 28 in rotem Brand wird in die neue Form der Gotik übergeleitet. Es ist leider nur als kleines Fragment erhalten. Der kräftige Rand wird nach außen geneigt und schließt außen beim Übergang zum Hals kantig ab. Diese Kante entwickelt sich später zum vorspringenden Dom und bleibt das typische Merkmal der Gotik. Das Profil 8 ist grau gebrannt, in gleicher Weise, aber feiner ausgearbeitet. Beim Profil 31 ist der einfache Rand breit nach außen mit rundem Übergang zur Schulter gelegt, so daß der Hals ganz in der gestreckten Form des Topfes aufgeht. Beim Profil 23 mit rotem Brand und 16 cm Mündungsdurchmesser sind Rand und Hals fein säuberlich getrennt. Der Rand wird umgelegt und kantig abgeschnitten, die Schulter mit einer leichten Furche und Verstärkung betont hervorgehoben. Noch mehr kommt das gotische Element beim Profil 30 zum Ausdruck, wo der untere Abstrich des Randes bereits einen Dorn bildet. Die gleichen Merkmale in feiner Ausführung finden wir beim Profil 27 mit einem Mündungsdurchmesser von 10 cm. Der Topf ist grau gebrannt und hat eine rauhe Oberfläche. Das Profil 27 mit rotem Brand hat einen langen Hals, der im Übergang zur Schxilter mit einer Rille verziert ist. Als letztes ist Profil 32 mit rotem Brand und langem Hals mit einer Leiste in halber Höhe zu erwähnen, wobei die Schulter besonders hervorgehoben wird. Mit der Gruppe IV gelangen wir in das gotische Zeitalter, in das Ende des 13. Jahrhunderts. Anfänglich haben die Töpfe noch Anklänge an die kugelige Form, werden aber bald schlanker und weisen immer den typischen Dornansatz auf. Das Profil 33 (Taf. I, 26) ist außen rot, innen grau gebrannt und hat 12 cm Mündungsdurchmesser. Über die Schulter laufen zwei schöne Rillen als Verzierung. Der Hals ist kurz und die Oberfläche des Topfes rauh. Da der Topf noch kugeligen Einschlag in der Form hat, kann er in den Anfang dieser Gruppe datiert werden. Das Profil 34 mit grauem Brand und einem Mündungsdurchmesser von 12 cm hat den Dornansatz in seiner ersten Entwicklung. Ebenso sieht man beim Profil 17 die Entwicklung des Domes, der hier bereits absteht bzw. hängt. Die letzte Eleganz dieser Zeit ist im Profil 36 mit grauem Brand enthalten. Der Rand wird bei der Gestaltung mit zwei Fingern zusammengepreßt und ergibt so neben dem Dornansatz noch eine Furche

62

auf dem Rand. Ebenfalls aus dieser Zeit, aber aus einer ändern Werkstatt, stammt das Profil 37 (Taf. I, 21) eines Topfes mit rotem Brand. Der Randabschluß ist wie beim vorstehenden Topf, der Hals langzogen und die Form schlank. Schüssel unglasiert. Das Profil 39 zeigt eine rot gebrannte Schüssel mit 16 cm Durchmesser. Der Rand ist spitz abgeschlossen und die Oberfläche rauh. Sie hat eine gerade nach außen gestellte Wand und kann in das 13. Jahrhundert datiert werden. Eine gleichartige Schüssel mit rotem und grauem Brand gibt das Profil 40 wieder. Die Oberfläche ist uneben gestrichen und die Form leicht bauchig mit kräftiger Wand. Sie kann in die Mitte des 13. Jahrhunderts gesetzt werden. Eine Schüssel aus der gotischen Zeit sehen wir im Profil 35 mit rotem Brand und 18 cm Durchmesser. Der Rand entspricht demjenigen der Töpfe mit dem bekannten Dornansatz. Auch ihre Form ist schlank und kann sie in das ausgehende 13. Jahrhundert datiert werden (Taf. I, 22). Zu einer typischen Schüssel aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts gehört das auf der Taf. I, 16 abgebildete Fragment. Auch hier wieder der Dornansatz, die leicht geschwungene Form mit Verstärkung der Wand gegen den Boden. Der bandförmige Henkel mit schwacher Rückenfurche schließt am Rand bündig an, aber doch durch einen kleinen Absatz betont. Lampe unglasiert. Das Fragment mit grauem Brand und rauher Oberfläche ist im Profil 2 (Taf. I, 11) als Rekonstruktion enthalten. Die Spannweite beträgt 10 cm, die Höhe 2,5 cm und der Boden hat 6 cm Durchmesser. Der Rand wird nach innen verstärkt und der Boden betont abgesetzt. Diese Lampen sind aus anderen Grabungen 0 ) gut bekannt und können in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert werden. Verschiedenes zur unglaswrten Keramik. Einige Böden der Töpfe tragen Marken oder Stempel, wie sie in den letzten Jahren aus anderen Grabungen unsere Aufmerksamkeit erregt haben.7) Es sind dies rundumrahmte Kreuze. Bisher hat man sie nur auf Töpfen und Ofenkacheln des 13. Jahrhunderts angetroffen. Sie verschwinden im 14. Jahrhundert und werden durch Handwerker- oder Besitzermarken ersetzt. Der auf Taf. I, 2 abgebildete Stempel liegt in der Mitte eines großen Topfbodens und hat 3,5 cm Durchmesser. Er ist erhaben eingedrückt und zeigt in einem Kreis ein einfaches Kreuz. Kräftiger in der Form ist der auf Taf. I, 3 abgebildete Stempel. Aus den restlichen Exemplaren erwähne ich nur noch ein Stück, bei dem der Kreuzstempel frei, ohne Umrahmung eingedrückt ist. Über den Grund der Abstempelung einzelner Gefäße sind schon verschiedene Erklärungen versucht worden. Die Stempel sind in der Schweiz selten, in Süd-

5Cm

Profile der Keramik der Burg Hünenberg

63

und Ostdeutschland aber in großem Maße nachgewiesen. Nach meiner Auffassung sind es Heilszeichen, denn es kommt neben dem Kreis noch das Pentagramm oder Drudenfuß vor. Wir finden diese Stempel immer auf Gefäßen, die dem Feuer ausgesetzt waren (Ofenkacheln und Kochtöpfe). Durch das Anbringen des Heilszeichens wollte man sie vor den schädlichen Folgen des Feuers schützen und ihnen so längere Lebensdauer geben. Die Verzierungen auf den Gefäßen des 13. Jahrhunderts sind noch primitiv und bestehen aus dem uralten Wellenband und Rillen oder Furchen (Taf. I, 28 und 25). Ferner liegen einige Fragmente von Schüsseln des 14. Jahrhunderts aus grauem Ton vor, die neben den ersten Glasuren fabriziert wurden. Diese sind mit einfachen Rillen und Furchen verziert (Taf. I, 24). Schüsseln glasiert. Das Profil 26 (Taf. I, 10) gehört zu einer Schüssel mit rotem Brand und brauner Innenglasur. Sie hat 19 cm Münduiigsdurchmesser, 8,5 cm Höhe und 10,5 cm Bodendurchmesser. Ihre Form ist leicht geschweift und der Rand besitzt den Dornansatz, wie wir ihn in der Gruppe IV der Töpfe gefunden haben. Diese alten Formen sind also beim Eindringen der Glasuren in unsere Gegenden zu den neuen Gefäßen übernommen worden. In halber Höhe trägt die Schüssel vier Rillen als Verzierung. Der Übergang vom Boden zur Wand ist stumpfwinklig. Der bandförmige Henkel mit Rückenfurche schließt am Rand bündig an. Wir können diese Schüssel in das erste Viertel des 14. Jahrhunderts datieren. Eine gleiche Schüssel mit olivengrüner Innenglasur zeigt das Profil 41 (Taf. I, 15).

Lampe glasiert. Das Profil 42 (Taf. I, 7) stammt von einer Lampe mit rotem Brand und olivengrüner Innenglasur. Der Mündungsdurchmesser beträgt 6 cm, die Höhe 2 cm und der Bodendurchmesscr 4 cm. Der Griff mit Rückenfurche ist in seinem Ende umgelegt. Sie kann in die Jahre um 1320 herum datiert werden.

Kinderpuppen unglasiert. Die auf Taf. I, 4 abgebildete Puppe mit rotem Brand ist sehr schön ausgearbeitet. Das Fragment ist 5 cm hoch. Sie hat stylistisch noch viel aus der romanischen Epoche und dürfte im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Das Fragment einer ändern Puppe von 3 cm Länge ist auf Taf. I, 8 abgebildet. Die Figur ist hinten ausgeholt, damit sie beim Brande keine Risse erhielt. Ihre Datierung dürfte in die Mitte des 13. Jahrhunderts fallen. Verschiedenes. Aus dem restlichen Fundgut sind noch einige Sachen erwähnenswert. Von einem Steinzeugkrug mit Salzglasur sind einige Scherben vorliegend. Von Nuppengläsern in hellgrüner Farbe liegen kleine Fragmente vor, die aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammen. Eine kleine Steinkugel könnte nachträglich auf den Burgplatz gelangt sein. Von der Bedachung, die vornehmlich aus Holz oder Stroh bestund, liegen einige kleine Flachziegelfragmente vor. Einige römische Leistenziegelf ragmeiite dürften beim Bau der Burg aus einer naheliegenden römischen Ruine geholt worden sein.

2

) Die ersten Becherkacheln hatten glatte Wand und sahen wie Trinkbecher aus. Daher auch ihr Name Becherkucheln. Solche Funde sind in großer Menge aus der Burg Schönenwerd bei Dielikon bekannt. Die Hinweise auf die Profile beziehen sich auch im Folgenden immer auf die Abbildung 1. a

) Solche Kacheln sind in beinahe allen Grabungen zu finden. Ich erwähne deshalb nur Schönenwerd bei Die.'ikon, Bihiton bei Kaltbrunn und Bischofsbcrg bei Sissach.

JANUAR 12. In Zug starb Josef Sidler, Hafnermeister. Der Verstorbene hatte sich besonders um das zugerische Feuerwehrwesen verdient gemacht. Viele Jahre kommandierte er die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug. 13. Durch Gemeindebeschluß erhielt Risch eine eigene Sekundärschule. 15. Als Nachfolger des verstorbenen Direktors Josef Iten wurde der bisherige Vizedirektor, Emil Gut, Baar, zum neuen Leiter der Zuger Kantonalbank gewählt. 17. In Ruswil starb H. H. Pfarrhelfer Alois Oehen, der 20 Jahre lang als Kaplan in Niederwil die Gläubigen betreut hatte und dann weitere 20 Jahre im Kanton Luzern pastorierte. 30. Mit Lehrer Werner Freuler, Oberwil-Zug, verschwand ein Stück zugerischer Theatertradition. Den Schulen von Zug diente der Verstorbene 30 Jahre und wirkte mit seiner sonoren Stimme im Cäcilienchor und Zuger Theater tatkräftig mit.

FEBRUAR 6. Die Einwohnerschaft der Stadtgemeinde Zug übernahm das Patronat über die vom Kriege verwüstete Stadt Fürstenfeld in der Steiermark. Durch Geldsanunlungen und Naturalgaben wurde der notleidenden Bevölkerung geholfen.

5 ) Ich erwähne da aus den vielen Beispielen nur die Tulpe in Hallwil, Schönenwerd bei Dietikon und Bibiton, ebenso die Kachel mit dem Uilter und Edelfräulein in Schönenwerd bei Dietikon, Zürich und Küßnacht a. Rigi.

°) Diese Lampen sind aus den Grabungen Schönenwerd bei Dietikon, Tierstein im Fricktal, Dübelstein bei Dübendorf usw. bekannt.

23. Die Ufer der beiden Zuger Seen wurden durch den Regierungsrat unter Natur- und Heimatschutz gestellt.

4

) Diese Kacheln sind weit herum gefunden worden und sogar in genau gleicher Ausführung.

7

) Solche Stempel sind mir bis heute aus Schönenwerd bei Dietikon, Lägern, Hasenburg bei Gwinden und aus dem Dorfe Baar bekannt.

.*.:**: .*.**:.*.:**: .*.:»•*..*..**: .*.** .*.** .*.**:.*..**.*.**:.*..#*..*..**. .*..**: .*..* *..*.** .*.**:.*.> *.*.** .*.** .*.** .*.** .*..**.*.** .*.+*. *• •* •* •* •*• •* •#• •* •*• •*• *• #• •* * # •*• •*• •# •*' •* •* * * •*

64

DES K A N T O N S ZUG FÜR DAS J A H R 1946

10. Die Vorlage zur Regelung des Verkehrs zwischen Straße und Eisenbahn wurde vom Zugervolk mit 4,843 Nein gegen 1,760 Ja verworfen. In Menzingen feierte die Meisterschaft der Handwerker und Gewerbler das 125jährige Jubiläum mit einem großen Festzug unter dem Motto: Handwerk einst und jetzt.

Anmerkungen M Bericht über die Ausgrabung der Burgruine Hünenberg von Emil Villiger, Zuger Neujahreblatt, Seite 68. Bericht über die archäologischen Grabungen nach Durchführung der Untersuchung des Vorburggeländes.

CHRONIK

MI R Z 2. Cham verlor seinen eifrigen Gemeindepräsidenten. Seit 1911 leitete Kantonsrat Bernhard Baumgartner die Geschicke seiner Heimatgemeinde voll Liebe und Umsicht. Dem Kanton stellte er während 25 Jahren sein juristisches Wissen und seine Arbeitskraft als kantonaler Polizeidirektor zur Verfügung. Mit

Pflichtbewußtsein und riesigem Fleiß füllte er alle seine Ämter aus, welche ihm das Volk übertrug. Präsident Bernhard Baumgartner verkörperte ein Stück alter bodenständiger Zuger Tradition. 8. Im Alter von 75 Jahren trat Kapitän Kaspar Weber seine Fahrt in die Ewigkeit an, nachdem er während mehr als drei Jahrzehnten das Zugcr Boot durch den See gesteuert hatte. 11. Mit Spediteur Johann Buch er-Wickart ging ein Mann aus diesem Leben, der während 40 Jahren als Inhaber des bekannten Transportgeschäftes zum Stadtbild von Zug gehört hatte. Der Verstorbene war als tüchtiger Geschäftsmann weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt. 28. Auf dem bekannten Rosenberg ob Zug starb Josef Theiler-Odermatt, Wirt und Verwalter des Schweiz. Bienenmuseums. Der Verstorbene war als Bienenfreund bekannt.

APRIL 9. In Zug sprach in öffentlichem Vortrag der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt v. Schuschnigg. 18. An Stelle des zurückgetretenen Dekans Moiisignore Albert Hausheer berief das bischöfliche Ordinariat H. H. Kammerer Johann Knüsel an die Spitze des Priesterkapitels Zug.

MAI 6. Das ehemalige Gewerbeschulhaus an der Oswaldsgasse wurde umgebaut und wiederum als Knabensekundarschulhaus eingerichtet und dem Betriebe übergeben. 26. Das Kollegiatsüft Beromünster beklagt den Tod seines Propstes, H. H. Karl Villiger von Cham. Über 30 Jahre war der Verstorbene Pfarrer der Luzerner Gemeinde Pfeffikon gewesen. Er war auch Ritter vom Hl. Grab. 28. Die Zuger Sportfreunde hatten die Spieler von West Harn United London auf dem Fußballplatz zu Gaste.

JUNI 23. Der neue Stationenweg von St. Michael nach St. Verena wurde eingeweiht. 30. Zum 4. Schweizerischen Gesellentag versammelten sich in Zug über 5000 Gesellen. Die Festmesse zelebrierte Sr. Gnaden Dr. Ignatius

65

Staub, Fürstabt von. Einsiedeln, während Kanonikus Brühlmann, Goßau, die Ehrenpredigt hielt. Nach dem Festzug wurde ein Spiel von F. Brutschin aufgeführt und Bundesrat Dr. Pliilipp Etter hielt die Festansprache.

JULI 7. In Zug feierte H. H. Martin Müller und in Menzingen H. H. Robert Andermatt das erste hl. Meßopfer. 15. Zug erhielt den Besuch der Bläser und Tambouren der 52. Schottendivision, die auf dem Kolinplatz der Einwohnerschaft ein seltenes Ständchen darbrachten. 16. Zug war 4. Etappenort der diesjährigen Tour de Suisse. 18. In Zug stellte Kunstmaler Robert Schieß, Schweizergardist, seine Bilder aus. 24. Auf dem Schultheißenbof zu Berchtwil starb Kantonsrat Georg Weber, der als Kirchenratsschreiber, Einwohnerrat und Kantonsrat seiner Wohngemeinde Risch jahrzehntelang treue Dienste leistete. Er veröffentlichte auch einige historische Arbeiten.

OKTOBER 20. Bei schwacher Beteiligung verwarf das Zuger Volk ein Tanzgesetz mit 2210 Nein gegen 1389 Ja. 29. Nach 26jähriger Tätigkeit verlor die Metallwarenfabrik Zug ihren kaufmännischen Direktor, Arthur Cane, der seine ganze Arbeitskraft in den Dienst des bedeutenden Unternehmens gestellt hatte.

NOVEMBER

3. In Zug starb Dr. Karl Heinrich Gyr, Präsident des Verwaltungsrates der Landis & Gyr A.-G. Im Jahre 1905 war Dr. Gyr als Teilhaber in die Zählerfabrik H. Landis eingetreten und wurde zum Pionier der jungen Elektrizitätsindustrie. Aus kleinen Anfängen schuf der Verstorbene mit beispielloser Energie ein Unternehmen von Weltruf, das nicht nur für Zug, sondern für die ganze schweizerische Volkswirtschaft einen bedeutenden Faktor darstellt. Die Eidgenössische Teclmische Hochschule ehrte das Schaffen des Verstorbenen durch den Ehrendoktor. Der Verstorbene war Begründer des Arbeitgeberverbandes des Kantons Zug, den er auch viele Jahre präsidierte. In verschiedenen ändern industriellen Körperschaften war Dr. Gyr erfolgAUGUST reich tätig. Besonders setzte er sich für die schweizerische Glühlampenindustrie ein und 4. In Andermatt starb im Alter von 39 Jahren erwarb sich große Verdienste um die Therma H. H. Superior P. Oktavian Weber O. Cap., in Schwanden. Das reiche Leben einer einmavon Menzingen. ligen bedeutenden Persönlichkeit fand durch 7. Der Frauenkonvent von Maria Opferung Zug den Tod ein Ende. wählte als neue Frau Mutter Sr. Katharina 10. Im Kanton Zug fanden nach hartem WahlIten ab Loretto und als Helfmutter Sr. Angekampf die Gemeindewahlen statt. In der lika Moos ab Lüssi. Stadt Zug blieb es bei der bisherigen parteipolitischen Zusammensetzung, während in personeller Hinsicht Änderungen eintraten. SEPTEMBER Neu zogen in den Stadtrat ein Dr. Philipp Schneider, Hafuermeister August Sidler und 2. Im Kanton wurde der 100. Geburtstag von Kantonsrat Jakob Klauser, während Stadtrat Landammann Fritz Spillmann, des Initianten Alois Zehnder zugunsten des nicht zum der Verkehrsverbindung zwischen Berg und Stadtrat gewählten Stadtpräsidenten Dr. AuguTal, dankbar begangen. stin Lusser zurücktrat. 4. An Stelle von lic. theol. Leo Dormann, des In Baar blieb es bei der bisherigen Verteineugewählten Seminardirektors von Hitzlung, während in Cham und Unterägeri die kirch, wurde H. H. Leo Kunz zum Rektor der Sozialdemokraten je ein Mandat auf Kosten Lehranstalt St. Michael ernannt. der Freisinnigen gewannen. 16. Im hohen Alter von 96 Jahren schied aus die- 12. Im Rathaus in der Zuger Altstadt brach Feuer sem Leben die Seniorin der Zuger Bürgerinaus, das aber rechtzeitig gelöscht werden nen, Frl. Fanny Brandenberg, die während konnte. In der Bürgerkanzlei und im Historivielen Jahren den Zuger Kindergarten betreut schen Museum richtete der Brand immerhin hatte. beträchtlichen Schaden an. 22. Die Conservative Partei des Kantons Zug 17. In den Räumen der ehemaligen Zigarrenfabrik feierte unter großer Beteiligung das Jubiläum Zug, welche vom Kanton um 170 000 Franken »75 Jahre conservative Staatsführung im Kankäuflich erworben wurde, fand die Neueröffton Zug«. Die Festrede hielt Nationalrat nung des kantonalen Museums für UrgeAlban Müller, Ölten. schichte statt.

66

tiger Mann mit einem goldenen Humor und einem seltenen Weitblick schied mit Landammann Carl Staub von dieser Welt.

24. Die kantonalen Wahlen ergaben nach heftigen Auseinandersetzungen folgende Resultate: Die Verteilung im Regieruiigsrat bleibt unverändert. Neu ziehen in den Rat ein die beiden Freisinnigen Josef Burkart, Obergerichtspräsident, Rotkreuz, und Leo Iten, Kantonsgerichtsvizepräsident, Unterägeri, der Konservative Xaver Luthiger, Gemeindeschreiber, Hünenberg, und der Sozialdemokrat Clemens Meienberg, Kantonsratspräsident, Zug. Die beiden Ständeräte Dr. A. Lusser und Dr. A. Iten werden gegenüber dem freisinnigen Gegenkandidaten wieder gewählt. Im Kantonsrat verlieren die Konservativen zwei und die Freisinnigen drei Mandate an die Sozialdemokraten, sodaß nun die Konservativen und die beiden Minderheiten sich mit je 39 Sitzen die Waage halten.

DEZEMBER 1. In Hagendorn starb Lehrer Xaver Graber, der während 34 Jahren in der Schulstube wirkte und am 5. verschied a. Sekundarlehrer Adolf Köpfli, Baar, der über 45 Jahre als Lehrer in Baar gewirkt hatte. Beide Pädagogen stellten gerne ihre Arbeitskraft der Öffentlichkeit zur Verfügung. 16. Der neue Kantonsrat wählte unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten Johann Weiß, Oberwil-Zug, zum neuen Ratspräsidenten Josef Stadier, Zug, und zum Vizepräsidenten Dr. Manfred Stadiin, Zvig. 17. Im Alter von 67 Jahren starb in Zug der ehemalige Bahnhofvorstand-Stellvertreter Josef Koch, der sich um das zugerische Verkehrswesen große Verdienste erworben hatte. 26. Zum neuen Landammann für 1947/48 wurde gewählt Regierungsrat Johann Wyß, Steinhausen, und zum Statthalter Regierungsrat Dr. Rudolf Schmid, Baar. 31. Im Alter von 76 Jahren starb in Walchwil Kantonsrat Kaspar Rust, der als angesehener Kaufmann weitherum bekannt war. Der Öffentlichkeit diente er in verschiedenen Behörden und war im Kantonsrat der markante Vertreter seiner Heimatgemeinde.

27. Der Kanton Zug verlor durch plötzlichen Tod seinen regierenden Landammann, Carl Staub, im Alter von 71 Jahren. Als Spezialist für Grundwasserversorgung erwarb sich der Verstorbene große Erfolge und konnte seine Erfahrungen auch in den Dienst des Kantons stellen, als er 1931 in die Zuger Regierung berufen wurde. Als kantonaler Baudirektor hatte er wesentlichen Anteil am neuzeitlichen Ausbau des zugerischen Straßennetzes. Der Umbau der Sinser Reußbrücke war sein Werk. Zweimal bekleidete Landammann Staub das höchste Ehrenamt des Kantons. Viele Jahre leitete der Verstorbene als Präsident die Einwohnergemeinde und den Kirchenrat von Baar. Während fünfzehn Jahren war er Mitglied des Kantonsrates. Ein gütiger, aufrich-

*

Die allgemeine Wirtschaftslage hatte sich ordentlich stabilisiert, doch blieb die Versorgung mit Rohstoffen noch stark zurück. Zu Lasten der Landwirtschaft trat eine Umschichtung des Arbeitsmarktes ein und erhöhte damit die Krisenempfindlichkeit der ganzen Wirtschaftsstruktur. Der Beschäftigungsgrad der Industrie elektrischer Apparate war sehr gut. Die Nachfrage des Auslandes nach diesen Produkten stieg an, und im Inland zeigte sich kein Nachlassen des Bedarfs. In der Metallwar enjabrikalion konnte die Produktionsmöglichkeit mangels genügender Arbeitskräfte nicht voll ausgenützt werden. Die Beschaffung der notwendigen Rohstoffe und die erhöhte Energieknappheit machten sich ebenfalls unliebsam bemerkbar. Die gleichen Feststellungen lassen sich auch bei der Maschinenindustrie machen.

*

*

Die Verzinkerei verzeichnete Vollbeschäftigung. Der Nachholbedarf an Haushaltgeschirr war sehr groß. Auch hier zeigte sich als Schwierigkeit die Beschaffung der erforderlichen Rohmaterialien und Halbfabrikate. In der Baumwollindustrie normalisierte sich die Versorgung mit Rohmaterial. Die Nachfrage nach Garnen war mangels genügender Arbeitskräfte nicht zu decken. Die Rohmaterialversorgung der Papierindustrie stieß fortwährend auf große Schwierigkeiten, und durch die andauernde Trockenheit traten scharfe Einschränkungen auf dem Sektor der Elektrizität ein. Die Handelsmüllerei verzeichnete einen Rückgang des Mehlausstoßes, der durch die Liquidation der Mehllager bei den Bäckern und die Rückkäufe der Heeresvorräte bedingt war. Auch die Belieferung mit fertigem Weizenmehl durch das

67

Ausland beschränkte die Müllerei und entzog der Landwirtschaft die nötigen Müllereiabfälle. Die stets ansteigende Bautätigkeit wirkte sich bei Handwerk und Gewerbe sehr günstig aus. Die Zahl der Wohnungen nahm durch Neubauten um 190 zu und das kantonale Gebäudeversicherungskapital erhöhte sich um netto Fr. 7,805,000.— auf rund Fr. 262,000,000.—. Beim Handwerke machte sich der Mangel an beruflichem Nachwuchs bemerkbar. Das Hotelgewerbe konnte einen guten Geschäftsgang verzeichnen, und der vermehrte Zustrom ausländischer Gäste erhöhte die Frequenz.

Die Landwirtscliaft litt unter den ungünstigen Witterungsverhältnissen. Die Erträgnisse der Heuernte waren mittelmäßig und zeigten einen seit Jahren nicht mehr festgestellten schlechten Nährstoffgehalt. Das Wachstum der Getreidesaaten litt unter der Früh Jahrstrockenheit und unter der spätem Regenperiode. Die Ernte der Feldfrüchte war nicht ganz befriedigend. Der vielversprechende Blühet der Obstbäume brachte leider nicht die erwartete Ernte. Die MilchProduktion blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert. Der Produzentenpreis aber wurde um 3 Rappen auf 34 Rappen erhöht.

GOLDENES BUCH EHRENTAFEL DER V E R G A B U N G E N IM KANTON vom 1. Oktober 1946 bis 30. September 1947.

Zug Einwohnergemeiiide Wasserwerke Zug A.-G.: 250.— Fr. Für die Wöchnerinnenstube 250.— Für den Armenhilfsfonds . . Ungenannt: Für die Spezialklasse 1,000.— Maria Opferung Bürgergemeinde Ungenannt: Für den Freibettfonds im Spital Fr. 5,000.— Karl Miesch: Für Spitalzwecke » 3,000.— Frau M. Keiser-Fridlin, Villa Hongkong: Für den Spital » 5,000.— Wasserwerke Zug A.-G.: Für den Spital » 400.— Für die Waisenanstalt . . . . » 150.—

Oberägeri Einwohnergemeinde Eduard Nußbaumer, a. Kantonsrat, z. Löwen: Für den Schulhausneubau . . Fr. 5,000.— Bürgergemeinde Eduard Nußbaumer, a. Kaiitonsrat, z. Löwen: Für das Bürger- und Altersasyl . Fr. 3,000.—

Unterägeri Bürgergemeinde Wasserwerke Zug A.-G.: Zu Gunsten der Waisenkinder . Fr.

Einwolmergemeinde Zuger Kantonalbank, Zug: Für die Schulsuppe . . . . Fr. Wasserwerke Zug A.-G.: Zu Gunsten der Armenpflege . »

68

Bürgergemeinde Frau Dr. Emma Winiger-Herrmann, Für die Asylerweiterung . . . Familien-Ältesten eines DeinikonerGeschlechtes: F ü r d i e Asylerweiterung . . . Übertrag

Übertrag Wasserwerke Zug A.-G.: Für das Krankenasyl . . . . Franz Reidhaar, ab Frühberg: Für die Asylerweiteruiig ... Gebrüder Gysi A.-G.: Zu Gunsten der Asylbaureserve . Kirchgemeinde Frau Dr. Emma Winiger-Herrmann, Für die Kirchenrenovation . .

Fr. 24,400.— »

100.—

»

1,000.—

» 2,000.— Luzern: Fr. 300.—

Cham Einwolmergemeinde Nestle & Anglo-Swiss Holding Co.: Für einen öffentlichen Nutzen . Fr. 25,000.—

Hünenberg Einwohnergemeinde Wasserwerke Zug A.-G.: Für arme Schulkinder . . . . Fr.

100.—

Risch Einwohnergemeinde Max Müller-Mettler, Risch: Zu Gunsten der Gemeinde . . Fr. 20,000.—Kirchgemeinde Georg Weber, Kantonsrat, Berchtwil: Für die Kapelle Berchtwil . . Fr.

500.—

Walchwil 100.—

Baar

.*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. .*. *..*. •*•I**IV.**.V.**.V.**.VI**I *I**!V.**.V!**V ** *!**!*I**!*!**! *I**;*.**.*.**.*I**!*!**! *!**! *!**!*!**!*I**I *I**I *!**!*!*

ZUG

50.— 300.—

Luzern: Fr. 500.— » 400.— Fr. 24,400.—

Einwohnergemeinde Wwe. Sophie Hürlimann-Elsener: Für die weibliche Arbeitsschule Fr. 1,000.— Bürgergemeiiide Anton Hürlimaim, a. Grundbuchverwalter: Für den Bürgerstipendienfonds. Fr. 1,000.— Kirchgemeinde Wwe. Sophie Hürlimann-Elsener: Für die Pfarrkirche

Fr. 1,000.—

Steinhausen Bürgergemeinde Wasserwerke Ziig A.-G.: Zu Gunsten der Annenkasse . . Fr. 100.— Fr. 76,500.-

69

Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zug Sanatorium »Adelheid«, Unterägeri: Legat Frau Staub-Rapp sei., Zug Fr. 1,500, Ungenannt 600, Papierfabrik Cham A.-G., Cham 3,000, Wasserwerke Zug A.-G 300, Zuger Kantonalbank, Z u g . . . . 150, 100, Ungenannt, für die Hausbibliothek Fr. 5,650.— Zuger Kinderheilstätte »Heimeli«, Unterägeri: Legat Frau Staub-Rapp sei., Zug . Fr. 500.— 5,474.30 Legat Frl.MarieSuter sei., Küsnacbt 600.— Wasserwerke Zug A.-G Papierfabrik Chain A.-G., Cham 2,000.— 100.— Zuger Kantonalbank, Z u g . . . . 40.— Henkel & Cie., Basel Fr. 8,71430 Waldschule u. Ferienheim »Horbach«, Zugerberg: Papierfabrik Cham A.-G., Cham Fr. 4,000.— 1,512.40 Ideal-Radiatoren A.-G., Zug . . Ungenannt 1,000.— 1,600.— Stadt Zug, Zinserlaß . . . . Stadt Zug, in bar 100.— 456.50 Zuger Industrie-Verband, Zug . 400.— Spinnerei an der Lorze, Baar . 200.— »Helvetia« Feuer, Zug . . . . 200.— Kistenfabrik Zug A.-G. . . . 100.— Einwohnerrat Cham . . . . 100.— Einwohnerrat Baar . . . . 100.— Metallwarenfabrik Zug. . . . 100.— Wasserwerke Zug A.-G 100.— Spinnereien Ägeri, Neuägeri . . 100.— Zuger Kantonalbank, Zug . . . 100.— Schweiz. Kreditanstalt, Zug . . Geistige Blumenspenden . 70.— Fr. 10,238.90 Verkehrsrechnung der Tubcrlmlose-Fürsorgestelle des Kantons Zug: Frauenliga des Kantons Zug . . Fr. 1,000.— Einwohnergemeinde der Stadt Zug » 150.— Übertrag Fr. 1,150.—

Übertrag Fr. 1,150.— Einwohnerrat der Gemeinde: Cham 50, Baar 50, Risch 50, Unterägeri 30, 25, Walchwil Menzingen 20, Steinhausen. 20, Oberägeri 20, Neuheim 15, Hünenberg 10, Genossenschaft Migros, Luzerii . . 50, »Helvetia« Feuer, G'ageiitur Zug . 150, Wasserwerke Zug A.-G 500, Regierung des Kantons Zug (ohne Subvention) 500, Fr. 2,640, Verkehrsrechnung der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kan,tons Zug: Papierfabrik Cham A.-G., Cham Fr. 2,000.Nestle & Anglo-Swiss Holding Co., Cham 200.— Regierung des Kantons Zug . 210.— Wasserwerke Zug A.-G 150.— Zuger Kantonalbank, Zug . . . 100.— Schweiz. Kreditanstalt, Zug . . . 100.— Landis & Gyr A.-G., Zug . . . . 100.— Metallwarenfabrik Zug 100.— Bürgergemeinde der Stadt Zug . . 60.— Korporation Zug 50.— Ruf A.-G., Zürich 50.— Geistlich Söhne A.-G., Wolbusen . 20.— Geistige Blumenspenden . 75.— Freiwillige Mitgliederbeiträge . . 2,122.50 Fr. 5,337.50

Seite

Der eidgenössische Staatsgedankc. Von Prof. Dr. Emil Jcnal, Zug

3

Jakob Joseph Clausner von Zug, Feldmesser und Kupferstecher, 1744—1797, zum 150. Todestag. Von P.Georges Klausener, Immensee \Q Das Bild der Dorfschaft Walchwil in ihren Hof- und Hausnainen. Von Dr. Guntram Saladin, Walchwil 31 Der Saubannerzug. Gedicht von Rolf Dolder, Zürich Fritz Kunz 1868—1947 in inemoriam: F r i t z Kunz. Von P. Bernard Flücler O. S. B., Einsiedeln Katalog der H a u p t w e r k e von Fritz K u n z . Von R. D. Leo Kunz, Rektor, Zug Die M a d o n n a mit dem K i n d e (Zum farbigen Bilde). Von Dr. phil. Theodor Hafner, Z-ug

30/31

. . .

56

Der Roßberg in der Eiszeit. Von Dr. phil. Joseph Kopp, Ebikon

57

Die Keramik der Burg Hüiicnberg. Von Karl Heid, Postverwalter, Dietikon-Zürich

60

Chronik des Kantons Zug für das Jahr 1946. Von Dr. phil. Hans Koch, Zug

65

Goldenes Buch. Ehrentafel der Vergabungen im Kanton Zug. Von Alois Wickart, Zug

69

Die graphischen Blätter zu »Linien« und »Saubannerzug«

Fr. 300.— » 500.— » 1,984.90 » 244.50 » 250.— Fr. 3,279.40

Nachdruck der Beiträge nur mit Quellenangabc gestattet.

Total Vergabungen Fr. 112,360.10

V e r a n t w o r t l i c h e r R e d a k t o r : Dr. Theodor Hafner, Zug

70

43 51 .54

Linien. Gedicht von H. R. Balmer-ab Egg, Einsiedeln

von Werner Andermatt, Graphiker, Zug

Asyl Cham Legate: Alois Meier, Cham Frau Baumgartner-Dutoit, Lausanne Diverse Gaben Kranzspenden Einwohnergemeinde Cham: Beitrag an die Wöchnerinnenstube

INHALTS-VERZEICHNIS