Zur kargen Heimat der Camisarden - chemin de Stevenson

Zur kargen Heimat der Camisarden - chemin de Stevenson

REISE UND FREIZEIT Samstag, 10. Oktober 2015 Das sympathische Lasttier am GR 70: Noch heute werden dort Esel genutzt. Zum höchsten Punkt des Mont Lo...

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vom 7. bis 11. November 2014 - chemin de Stevenson
Le village, 48220 Le Pont-de-Montvert, France, +33(0)4 66 45 86 31 [email protected] - www.chemin-stevenson.org.

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REISE UND FREIZEIT

Samstag, 10. Oktober 2015

Das sympathische Lasttier am GR 70: Noch heute werden dort Esel genutzt. Zum höchsten Punkt des Mont Lozère führen Pfeiler aus dem 18. Jahrhundert – auf der Spur Robert Louis Stevensons.

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Fotos: Eberhard Neubronner

Zur kargen Heimat der Camisarden Zwölf Wandertage auf einer literarischen Spur – Heidekraut und Granit – Die Cevennen als packendes Erlebnis Schriftsteller zu entdecken, ist reizvoll. Im französischen Zentralmassiv geht man knapp zwei Wochen lang südwärts und lernt so den Autor des Romans „Die Schatzinsel“, Robert Louis Stevenson, kennen. EBERHARD NEUBRONNER

Baumschnittkurs in Beuren Im Freilichtmuseum des Landkreises Esslingen, gelegen inmitten der für das Albvorland typischen Streuobstwiesen am Ortsrand von Beuren, wird am Dienstag, 13. Oktober, von 9.30 bis 16 Uhr ein Baumschnittkurs angeboten. Der Kurs in Zusammenarbeit mit der Obst- und Gartenbaufachberatung des Landkreises Esslingen ist für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet und findet bei jedem Wetter statt. Geeignetes Werkzeug wie Astschere oder Astsäge sollte mitgebracht werden. Die Kursgebühr beträgt 4 Euro, die zusätzlich zum Museumseintritt zu entrichten ist. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Am Vormittag wird überwiegend theoretisches Wissen vermittelt. Am Nachmittag werden die Kursteilnehmer das Gelernte dann praktisch umsetzen und exemplarisch einzelne Bäume in den Streuobstwiesen des Freilichtmuseums hk schneiden. Info 콯 07025/91190 90 www.freilichtmuseum-beuren.de

Käse und Apfelkuchen. Dazu Côtes du Rhône, dessen Bukett begeistert. Stumm stehen wir abends vor einem missglückten Stevenson-Denkmal. Welcher Verehrer war hier am Werk? Seit Robert Louis hier vom Wirt seiner „anspruchslosesten“ Herberge den obligaten Stachelstock bekam, trippelte Modestine etwas flotter. Wir tun es ihr gleich und stiefeln via Pradelles, das als einer der schönsten französischen Orte gilt, zur lebhaften Kleinstadt Langogne im Gebiet Gévaudan (romanische Kirche St. Gervais, alter Kornspei-

cher). Das Wetter ist tadellos, die Lust am Stevensonweg alias „GR 70“ wächst von Stunde zu Stunde. Da wir schweres Gepäck transportieren lassen, werden unsere Schultern geschont. Vierter Tag: „Le Refuge du Moure“ in Cheylard-l'Évèque bietet Fassbier und schmucke Zimmer. Am Gästetisch wird international geplaudert, zum Dessert liefert Patrick Ferreres’ Frau je einen Keks à la Modestine. Die Eselin ist immer präsent, als Werbeobjekt sind sie wie ihr Alter Ego längst unverzichtbar. Das Tier rührt speziell weibli-

Tipps für den Stevensonweg Anfahrt Individuell mit öffentlichem Verkehr oder Auto nach Le Puy-en-Velay. Beste Zeit Frühsommer (wegen der Blumenpracht) und Herbst (weil dann weniger Betrieb herrscht). Charakter Tagesetappen bis zu acht Stunden, gesamte Strecke rund 240 Kilometer. Gute Kondition oft hilfreich. Führer „Cevennen-Stevensonweg GR 70“ von Véronique Kämper, Conrad Stein Verlag.

FRANKREICH

Paris

Unterkünfte Besonders schön sind die Privatpensionen "Le Mimentois" bei Cassagnas und „La Dinierola“ in Saint-Étienne. Literatur „Reise mit dem Esel durch die Cevennen“ von R. L. Stevenson. Editions La Colombe, Moers. „Reisen im Licht der Sterne" von Alex Capus

Le Puy-en-Velay

(fesselnde Mischung aus Fakten und Fiktion zu Stevensons Lebensweg bis nach Samoa, wo er starb). btb-Taschenbuch.

Unverzichtbar, wenn auch nicht mehr ganz aktuell - Updates im Internet. Außerdem TopoGuide „Le Chemin de Stevenson“ (französisch) mit exakten Karten 1 : 50 000 und vielen Infos.

Der Autor Robert Louis Stevenson (1850 – 1894). Foto: Archiv

Anbieter Die Langversion dieser Tour wurde von Wikinger organisiert bzw. unterstützt. Sie kann auch geteilt werden und kostet pro Person inklusive Gepäcktransport, aber ohne Rücktransfer nach Le Puy, derzeit im DZ mit HP 1133 Euro. Wikinger Reisen GmbH, Kölner Str. 10, 58135 Hagen. 콯 02331/904700 www.wikinger.de

Le Monastier

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Le-Pont-de-Montvert: 1702 wurde der Erzpriester François du Chayla in diesem Brückenturm ergriffen und von Camisarden umgebracht.

che Fans, sein Herr nannte es „nicht viel größer als ein Hund, mausgrau, mit freundlich blickenden Augen und einem energischen Kinn.“ Die Damen im Refuge setzen 137 Jahre nach Stevensons Tour auf Solidarität. „Pauvre fille“, hört man und nickt irgendwann selbst. Armes Mädchen, gewiss . . . Wer läuft, memoriert. So auch der Literat, dessen Spur wir folgen. Rückblickend schrieb er: „Ich meinte, eine jener Wahrheiten wiederentdeckt zu haben, die den ‚Wilden’ offenbart sind, den Wirtschaftspolitikern hingegen verborgen bleiben. . .. Doch während ich noch so von meiner Einsamkeit schwärmte, wurde ich mir eines sonderbaren Mangels bewusst. Ich wünschte, dass eine Gefährtin neben mir im Sternenlicht läge, still und stumm, aber immer in Fühlung.“ La Bastide-Puylaurent, Chasseradès und Le Bleymard heißen die nächsten Stationen. Wald, Weide, Burgen, Landsitze, das Trappistenkloster Notre-Dame-des-Neiges – der nie monotone Kurs endet vorerst am kahlen Scheitel des 1699 Meter hohen Mont Lozère/Sommet de Finiels als Kopf der Cevennen. Prähistorische Riesen haben Granit verstreut, tief unten im Tarntal sehen wir Le-Pont-de-Montvert (Ecomuseum). Das Dorf lässt trotz heiterem Habitus schaudern: 1702 folterte hier der Erzpriester François du Chayla viele „Falschgläubige“ und wurde von ihnen brutal ermordet. Ein zweijähriger Guerillakrieg endete desaströs für jene Camisarden,

Allie

Der Fremde aus Edinburgh war achtundzwanzig, als er Mitte September 1878 im Dorf Le Monastiersur-Gazeille unweit von Le Puy die Eselin Modestine von Père Adam für 65 Francs und ein Glas Schnaps kaufte. Das bäuerliche Publikum, notierte er, „betrachtete mich mit geringschätzigem Mitleid wie einen, der sich eine Mondreise vorgenommen hat“. Den Anlass kannte es nicht: Stevensons Geliebte Fanny Osbourne fehlte ihm, die verheiratete Amerikanerin und Mutter zweier Kinder war auf Distanz gegangen. In den USA, fand sie, könne Künftiges überdacht werden. Was nun? Robert Louis wollte abgelenkt werden und suchte Neuland. Beides bot jenes karge Mittelgebirge namens Cevennen, wo protestantische Männer und Frauen seit 1685 ihre Religion radikal gegen den Katholizismus verteidigt hatten. Unter König Ludwig XIV. wurden schließlich 436 Siedlungen der „Camisarden“ (Hugenotten) zerstört. Letzteren, je nach Geschlecht, blieb die Wahl zwischen Galeere und Kloster. Erst 1787 ließ Ludwig XVI. ein Toleranzedikt zu. Zirka eine Million Gläubige konnten hinterher ohne Furcht beten und Gottesdienst feiern, doch ehe so genannte Tempel erbaut werden durften, gingen noch vierzig Jahre ins Land. Le Monastier-sur-Gazeille also. Ein kühler Wind weht, das Baguette der Bäckerei ragt aus dem Rucksack und duftet. Nur wenige Wanderer brechen auf, die Hauptsaison ist Ende August schon fast vorbei. Wir waren in Le Puy (dessen grüne Linsen jeder Feinschmecker schätzt, Vulkanologen interessieren sich für 90 Kegel) am Vortag gestartet, queren jetzt das Bächlein Gazeille und haben 23 Kilometer Strecke vor uns. Allons! Vom verschlafenen Saint-Martin-de-Fugères aus zickzackt der Pfad nach zwei Stunden steil hinab

ins Tal der jungen Loire und wieder ebenso steil empor. Trittsicherheit und Kondition werden getestet, süße Brombeeren sorgen für kurze Stopps. Unsere Route reicht von der Region Auvergne bis zum LanguedocRoussillon. Sie ist mit rotweißen Strichen markiert und wirkt stets authentisch, weil eine für den Weg verantwortliche „Association Sur le chemin de Robert Louis Stevenson“ sich konsequent an das hält, was der Schotte beschrieben hat. Allerdings war er öfter zum Biwak gezwungen – anders als jetzige Wanderer, die auf jeder Etappe ein Hotel oder private Logements samt guter Kost finden. Stevensons 1879 publiziertes Buch „Travels with a Donkey in the Cévennes“ schildert nicht ohne Ironie manches Fiasko im Zusammenhang mit einer störrischen Stute: Nahe Ussel, wo wir mittags lagern, „rutschte der Packsattel samt der ganzen Last herunter und schleifte im Staub . . . Nur zu erfreut blieb Modestine sofort stehen und schien zu lächeln.“ Ihr Partner war ratlos, weil kein scharfer Schlag aufs Hinterteil half. Indes sind Esel geduldig und intelligent. Wer fair bleibt, wird sie lieben. Starke Hitze vor Le BouchetSaint-Nicolas. Nachmittags flimmert die Luft, das Ziel liegt 1220 Meter hoch, Bäume sind rar. Während des Winters mag es hier sibirisch stürmen. In der „Auberge Le Couvige“ serviert Andrée Pastural Wildpastete, Filet Mignon, Sahnelinsen,

Le Bouchet Reservoir de Naussac

Langogne

Cheylard-l´Evèque Chasseradès

La Bastide

Le Bleymard

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Tarn

Florac

C 35 km

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N Le-Pont-de-Montvert N ECassagnas Saint-Étienne St-Jean-du-Gard

SWP GRAFIK Quelle: Wikinger Reisen

deren Name aufs weite Hemd deutet. Le-Pont-de-Montvert liegt im Zentrum des 3213 Quadratkilometer großen, vor 45 Jahren eröffneten Cevennen-Nationalparks. Stevenson aß dort zu Mittag. Die rustikale „Auberge des Cévennes“ wirbt gern damit, denn eine gewisse Clarissa brachte damals die Speisen und verwirrte Robert Louis durch ihren Charme. Unser schwarzhaariger Patron Jean Camus weiß, was dem Gast auch gefiel: „Der Ort mit seinen Häusern, seinen Gassen, seinem glitzernden Flussbett hatte eine nicht zu beschreibende südliche Note.“ Bis 1970 verloren die Cevennen in 100 Jahren zwei Drittel ihrer Bevölkerung. Sie entsiedelten sich dramatisch. Seither hofft man, vielleicht zu Recht, auf den sanften Tourismus. Trocken gemauerte Hütten, uralte Plattenwege und verwilderte Ackerterrassen bilden rundum das mehr oder minder mediterrane Milieu. Stevensons Pfad schlängelt zwischen Ginster, Hainbuchen und Heidekraut. Die Phantasie skizziert auf dem aussichtsreichen Kamm Bougès über Florac (Schloss von 1652) einen schnurrbärtigen Mann vor hellem Himmel, dessen Hand Modestines Hals krault. Das ungleiche Paar hat nach hartem Kampf Freundschaft geschlossen. Wir aber denken an Abschied und steigen bald aus. Denn nichts dauert ewig. Manche Esskastanien platzen schon, morgens funkelt betautes Gras. Am Fluss Gardon reift der Wein. Die Feigenbäume am Ufer hängen voller Früchte. In SaintJean-du Gard, dem Ziel der traumhaften Wanderung, spielen Rentner ihr tägliches Boule unter Platanen: klick-klack. „Zwei Pastis, bitte!“ „Gern, Monsieur . . .“ Im hübschen Städtchen trennte sich Robert Louis Stevenson cool von Modestine. Dann, Richtung Alès rumpelnd, kam jäh die Trauer: „Vater Adam weinte, als er sie mir verkaufte. Nachdem ich sie meinerseits verkauft hatte, war ich versucht, seinem Beispiel zu folgen. Da ich allein war mit dem Kutscher und vier oder fünf netten jungen Männern, zögerte ich nicht, meiner Anwandlung nachzugeben.“

Auf den Spuren des „Blauen Goldes“ In Probstzella beginnt der rund 60 Kilometer lange Schieferweg: Das Gestein prägt Dächer und Fassaden in Thüringen In Thüringen können Wanderer sich auf die Spuren des „Blauen Goldes“ machen. Der Schieferweg rund um Probstzella ist rund 60 Kilometer lang. HELMUT GABRIEL Probstzella? Aus früheren Jahren als Grenzstation zwischen der Bundesrepublik und der DDR bekannt, ist die Stadt heute Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale und im Grenzland zwischen Thüringen und Franken. Die Wege sind hervorragend ausgezeichnet. Wer dennoch einmal unsicher ist, kann sich der freundlichen und hilfreiche Tipps der Einheimischen gewiss sein. Mischwälder und Lichtungen kennzeichnen die grüne, hügelige

Landschaft um Probstzella, wo das Flüsslein Zopte in die Loqwitz fließt. Die Höhenunterschiede erscheinen vom Auto oder Zug aus gesehen gering, sollten jedoch nicht unterschätzt werden. Probstzella liegt tief eingebettet im Tal, und wer etwa zur Burg Lauenstein und zum Aussichtspunkt Thüringer Warte wandert, hat rund 200 Höhenmeter und ein mehrfaches Auf und Ab zu überwinden. Der Lohn sind nicht nur schöne Ausblicke in die Täler und in Richtung Thüringer Wald, sondern auch einsame Wege. Auf Burg Lauenstein ist eine Führung zu empfehlen. Fresken aus der Renaissance, ein mittelalterlicher Gewölberaum, Holzdecken, Schnitzereien und Mobiliar zeugen von einer reichhaltigen Geschichte. Das für die Region typische Schiefergestein, auch „Blaues Gold“ genannt, ist auch geologisch interes-

sant. Vor allem auf dem rund 60 Kilometer langen „Schieferpfad“ ist nachzuvollziehen, wie das Gestein entstanden und in früheren Zeiten abgebaut worden ist. Der Wanderpfad verbindet die Orte Probstzella, Lehesten, Ludwigsstadt und Gräfenthal. Der Schieferbergbau war lange eine der wichtigen Einkommensquellen der Region und wurde nach jahrhundertelanger Tradition 2007 eingestellt. Sichtbar ist er bis heute geblieben: Schieferdächer und -fassaden prägen die Ortschaften. Streckenweise ist der Schieferpfad mit dem „Grünen Band“, dem einstigen Grenz- und Todesstreifen, verbunden, der sich heute als ökologisches Band durch Deutschland erstreckt.

Eines der Markenzeichen der am Schieferweg liegenden Orte sind die mit graublauem Schiefer gedeckten Dächer wie hier in Probstzella. Foto: Gemeinde Probstzealla

Info Thüringen Tourismus, 콯 0361/3742 200 www.thueringen-entdecken.de